15.11.2007

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Die Optionen im Tarifstreit der Bahn

Duell mit vier Spielern

von Bernd Röder, Angela Schiller und Sascha Meyer von dpa

Der Tarifstreit bei der Bahn hat nach Monaten etwas Quälendes für Beteiligte und Betroffene. Fahrgäste fragen sich, ob ihr Zug fährt oder nicht, Firmenkunden stellen vorsorglich ihre Disposition um. Und die Spitzen von Deutscher Bahn und der Gewerkschaft Deutscher Lokführer (GDL) wiederholen täglich ihre Parolen. Wer hat Schuld an dem Schlamassel, fragen sich viele in der Republik. Warum bewegt sich da nichts?

These eins: Bahnchef Hartmut Mehdorn und GDL-Boss Manfred Schell mögen sich nicht, das behindert Verhandlungen.

Tatsächlich haben sich Mehdorn und Schell schon mehrmals zu Zweiergesprächen getroffen, zuletzt am Montag. Ganz spinnefeind sind sie sich offenkundig nicht. Vom Naturell sind sich der Berliner und der Rheinländer durchaus ähnlich.

These zwei: Bahn-Personalchefin Margret Suckale hat sich verrannt und ist die falsche Frau, um mit den robusten Lokführer-Funktionären zu einer Einigung zu kommen.

Tatsächlich ist ein Alleingang der 51- Jährigen unwahrscheinlich. Bei der Strategie im Tarifkonflikt wird Mehdorn ein gewichtiges Wort mitreden. Erst am Dienstag bekräftigte der gesamte Vorstand die Leitlinie, "sich nicht von einer kleinen Minderheit der Beschäftigten erpressen" zu lassen. Und Kanzlerin Angela Merkel sprach Mehdorn am Mittwoch demonstrativ das Vertrauen aus, einen Tag vor der Sitzung des Bahn-Aufsichtsrates, der Mehdorns Kurs ebenfalls bestätigte.

Ein Blick auf die Fakten zeigt, dass unabhängig von möglichen persönlichen Animositäten dem Tarifstreit ein handfester Interessenkonflikt zugrunde liegt. Vordergründig ist es ein Duell Bahn gegen GDL. Der Konzern will die Tarifeinheit retten, um Sonderkonditionen für einzelne Berufsgruppen und neuen Ärger bei künftigen Tarifrunden zu verhindern. Die GDL reklamiert Extra-Löhne und besondere Arbeitszeiten für ihre Klientel und will damit auch die Zukunft der eigenen Organisation sichern.

Die anderen Gewerkschaften werden leicht vergessen

Zwei andere Mitspieler aber werden häufig unterschlagen: Die größeren Bahngewerkschaften Transnet und GDBA. Ohne ihre Mitwirkung ist nach Lage der Dinge eine Tarifeinigung nicht möglich. Zum einen gilt eine schriftliche Vereinbarung, nach der Transnet und GDBA ihren Tarifvertrag mit der Bahn vom 9. Juli wieder kündigen können, sollte der Konzern mit der GDL einen höheren Abschluss erzielen.

Und: Das Vermittlungsergebnis von Ende August, das Bahn und GDL nach eigenem Bekunden als Grundlage für Verhandlungen akzeptieren, sieht ebenso die Einbeziehung der großen Gewerkschaften vor. Transnet und GDBA forderten die GDL am Mittwoch nochmals zur Zusammenarbeit auf. Wenn die Lokführergewerkschaft ernsthaft eine bessere Bezahlung für Lokführer durchsetzen wolle, könne sie das kurzfristig durch eine Beteiligung an den bereits begonnenen Verhandlungen über ein neues Entgeltsystem im Konzern erreichen, sagte Transnet-Chef Norbert Hansen.

Die Bahn wolle dafür einen dreistelligen Millionenbetrag locker machen. Auch bei einer anderen Option, die derzeit als Ausweg aus der Tarifblockade gehandelt wird, blieben Transnet und GDBA nicht außen vor: Gedacht ist dabei an eine Ausgliederung der Lokführer in eine eigene Gesellschaft.

Für die GDL ist das durchaus eine mögliche Lösung. "Es kommt natürlich auf die Rahmenbedingungen an, die werden wir uns dann en detail angucken", sagte GDL-Sprecher Maik Brandenburger. Transnet und GDBA würden das auch tun, denn ein paar tausend Lokführer sind deren Mitglieder.

Aussitzen könnte eine andere, kostspielige Strategie der Bahn sein, schlicht so lange zu warten, bis die Gegenseite aufgibt. Dem Konzern werde es nicht gelingen, die GDL "am langen Arm verhungern" zu lassen, meinte dazu ihr Sprecher. "Die Motivation, einen eigenständigen Tarifvertrag zu erkämpfen, ist groß", und die Streikkasse sei gut gefüllt. Jeder streikende Lokführer bekommt pro Tag 45 Euro. Bei etwa 2000 Teilnehmern wie bei den jüngsten Streiks wären das 90 000 Euro.


© 2007 dpa

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