04.04.2007

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Privatuniversitäten

Reichlich Lehrgeld

Beinahe-Pleiten, wenige Absolventen und starke staatliche Konkurrenz: Die privaten Hochschulen stecken fest zwischen Elite-Nimbus und ökonomischer Realität.

Den Ruf des SIMT werde man wie Donnerhall bis in die Straßen von Shanghai hören - an die Worte von Hans Tümmers, einst Präsident der privaten Managerschule Stuttgart Institute of Management and Technology (SIMT), mussten manche denken, als im Februar das schwäbische Harvardle still und leise beerdigt wurde: Kurz vor der Insolvenz wurde es für einen Euro verkauft. Ein ähnliches Schicksal droht der International University in Bruchsal. Die wirtschaftlichen Belastungen seien „nicht mehr finanzierbar“, sagt der Vorsitzende der Gesellschafterversammlung, Bruchsals Oberbürgermeister Bernd Doll. Im Herbst 2006 war auch für die private International University Bremen (IUB) und deren rund 900 Studenten das Ende in Sicht. Doch dann sprang Kaffeemilliardär Klaus Jacobs mit 200 Millionen Euro ein.

Und die Universität Witten/Herdecke, 1982 gegründet, wurde lange Zeit als Vorzeigeprojekt gehandelt. Nach der erneuten Beinahe-Pleite könnten sich die Verhältnisse für die 1100 Studenten aber stabilisieren. Wenn dort, wie erhofft, die Heidelberger SRH-Gruppe einsteigt, die im Gesundheitsmarkt und mit privaten Fachhochschulen erfolgreich ist.

SIMT, Bruchsal, Witten, IUB - der Lack ist ab bei den Privathochschulen. Noch vor wenigen Jahren galten sie als Leitstern für die staatlichen Unis und als „Stachel im Fleisch“, so der SIMT-Mitinitiator Jörg Menno Harms, früher Chef von Hewlett- Packard in Deutschland. Inzwischen vermuten manche eine Rechenschwäche oder sogar Lernschwäche des Managements, wenn die Privaten auf einmal oder gleich mehrfach am Rande der Pleite stehen.

Wie das SIMT: Obwohl es bis heute über 20 Millionen Euro vom Land, der Kommune und der Industrie erhalten hat, stand es bereits 2002 vor dem Zusammenbruch und verlor seinen Hochschulstatus. Neun Jahre nach dem Start bringt es das SIMT auf gerade 281 Absolventen. Am Ende musste Baden-Württembergs Wissenschaftsminister Peter Frankenberg (CDU) sogar noch 1,5 Millionen Euro draufl egen und auch die Immobilie in bester Stuttgarter Lage mitverkaufen. Peinlich für die beteiligten Manager und Professoren: Sie versagten offenbar in genau jener Praxis, die sie Studenten nahebringen wollten - für Studiengebühren von rund 25000 Euro.

Wenn Privatuniversitäten über halbwegs planbare Finanzen verfügen, verdanken sie es oft Stiftungsgeldern. So wird die Bucerius Law School in Hamburg von der ZEIT-Stiftung getragen, die Hertie School of Governance in Berlin wird mit den seit einigen Jahren ausgeschütteten Erträgen des Vermögens der Hertie-Stiftung aus Frankfurt finanziert. Doch nur wenige Privatuniversitäten starten gleich mit so viel öffentlichem Geld wie die IU Bremen: 230 Millionen Mark, also rund 118 Millionen Euro, gab das Land Bremen aus der Wirtschaftsförderung dazu. Dennoch war es der IUB nicht möglich, einen Kapitalstock für laufende Zinserträge im geplanten Umfang zu bilden. Die Millionenverluste häuften sich, und schon 2005 war das Tafelsilber so gut wie weg: Krediten über 89 Millionen Euro standen nur Finanzanlagen von rund 76 Millionen Euro in der Bilanz gegenüber.

In einem solchen Fall kann eine Uni immer noch den Namen zu Geld machen, und manche ändern ihn für entsprechende Beträge: Die etablierte Wirtschaftshochschule WHU heißt seit einer Millionengabe des Metro-Gründers „Otto Beisheim School of Management“. Die IU Bremen nahm den Namen ihres Retters Jacobs an. Andere hängen hingegen direkt am Geld von Unternehmen und deren Namen wie die Zeppelin University in Friedrichshafen, die vom gleichnamigen Baumaschinenkonzern maßgeblich finanziert wird.

Auch die kürzlich verschrottete Autouni von Volkswagen gehörte in diese Kategorie. „Wir wollen binnen zehn Jahren die Nummer eins werden für alles Wissen, das mit Mobilität zu tun hat.“ Diesen Anspruch formulierte Walther Christoph Zimmerli, erster und zugleich letzter Präsident. Am Ende stand keine Nummer eins, sondern eine autosuggestive Nullnummer, deren Wahrzeichen ausgerechnet die Unbeweglichkeit ist: Eine 50 Millionen Euro teure Designerimmobilie namens Mobile Life Campus auf der grünen Wiese in Wolfsburg. Vom damaligen VW-Vorstand Peter Hartz gefördert, schraubte der Technikphilosoph Zimmerli insgesamt fünf Jahre an der Autouni. Als er unlängst abtrat, hinterließ er ein akademisches Ersatzteillager ohne Studiengänge und ohne Studenten - dafür aber fast zwei Dutzend Uni-Partnerschaften in aller Welt, die auf zahlreichen Dienstreisen geknüpft wurden. Auf das Geld kam es VW auch hier nicht an: Für das Gesamtprojekt Autouni waren Berichten zufolge rund 280 Millionen Euro vorgesehen.

Und die staatlichen Unis? Während sich die Misserfolge im privaten Lager häufen, erledigt der Staat seine Hausaufgaben in der Hochschulpolitik. Der Bologna- Prozess mit der Aufteilung in Bachelor und Master-Studiengänge entfaltet bereits vielerorts seine Wirkung, in Nordrhein- Westfalen wird Aufbruchstimmung sogar durch ein „Hochschulfreiheitsgesetz“ verkündet. In einigen Bundesländern wird zudem die Führungsstruktur der staatlichen Unis verändert. Ähnlich wie Vorstand und Aufsichtsrat werden ein Leitungsgremium und ein Hochschulrat gebildet, in den auch externer Sachverstand einziehen kann. Die umfangreiche Deregulierung, die Reform des Dienstrechts sowie der neuen Professorenbesoldung mit leistungsbezogenen Anteilen dürften die öffentliche Hochschullandschaft großflächig verändern.

Dabei zeigt sich, dass staatliche Anstalten über jene Stärken verfügen, die bis dahin eher den privaten zugeschrieben wurden. Vor allem bei der Suche nach den Eliteuniversitäten in der von Ex-Kanzler Gerhard Schröder angestoßenen Exzellenzinitiative fanden die unabhängigen Juroren Klasse selbst an den Massen-Unis. Trotz Elitenimbus der privaten Anstalten brilliert bislang kaum eine durch wissenschaftliche Spitzenleistung. Fast 90 Prozent der 61 staatlich anerkannten privaten Hochschulen sind zudem Fachhochschulen. Unter den Privat-Unis trauen Experten Exzellenz am ehesten noch der Bucerius Law School zu, um anspruchsvolle Forschung und beste Jobchancen für die Absolventen zu verbinden. Denn diese Juristenschmiede misst sich mit den staatlichen Fakultäten an derselben Messlatte: dem Justizprüfungsamt. Bereits der erste Jahrgang der Law School legte überragende Examina ab. In der Forschung kann sie neben etlichen Doktoranden bereits einen habilitierten Juristen Marke Bucerius vorweisen.

20 Jahre nach dem Start der Privaten sind nur zwei Prozent aller Studenten an ihnen eingeschrieben. Auch das Fachspektrum ist eher schmal: 70 Prozent sind auf Wirtschaft sowie Rechtsund Sozialwissenschaften abonniert, nur etwa zehn Prozent der privaten Studenten lernen Ingenieurfächer. Selbst auf das berufsbegleitende Studium, eine der wichtigsten Veränderungen im Bildungsmarkt, haben sich nicht alle Privathochschulen angemessen eingestellt.

Denn viele bieten ein Präsenzstudium mit zwei bis drei Jahren Dauer. Dabei laufen selbst einjährige Executive- Master nicht von allein, wie die European School of Management and Technology (ESMT) in Berlin feststellen muss. Fünf Jahre, nachdem 25 Konzerne 75 Millionen Euro für die Gründung der Prestige-Uni gaben, tummeln sich gerade mal etwas mehr als 30 ESMT-Studenten des zweiten Jahrgangs im früheren DDR-Staatsratsgebäude am Berliner Schlossplatz.

Bislang kostet der MBA die ESMT nur Geld, statt wie an den renommierten Business Schools welches einzuspielen. Bei Studiengebühren von 50 000 Euro blieb von Anfang an die zahlungskräftige Klientel aus. Umfangreiche Stipendien wurden nötig, und es ist nicht bekannt, ob überhaupt ein einziger ESMT-Student den vollen Betrag aus eigener Tasche bezahlt. Selbst der potenzielle Führungsnachwuchs aus den Gründerunternehmen reißt sich eher nicht darum, auf Kosten des Arbeitgebers ein ganzes Jahr in Berlin zu studieren. Viele Highpotentials gehen lieber an die MBA-Schmieden außerhalb Deutschlands. Offenbar scheint das ESMT-Programm nicht einmal geschenkt attraktiv zu sein.

Da kann es nicht verwundern, dass selbst gut bezahlte Köpfe an Privathochschulen die staatlichen Konkurrenten so sehr schätzen, dass sie auf deren Vorzüge für sich nicht endgültig verzichten wollen. ESMT-Dekan Wulff Plinke ist bereits seit sieben Jahren von der BWL-Professur an der Humboldt- Universität bis Herbst 2008 „im dienstlichen Interesse beurlaubt“.

Der frühere VW-Uni-Präsident Zimmerli nutzt hingegen Staats -Unis eher als akademischen Zweitwagen. Von seinem Lehrstuhl an der Uni Marburg beurlaubt, ging der wendige Philosoph 1999 als Präsident nach Witten/Herdecke. Wie es heißt, mit rund einer viertel Million Euro im Jahr vergütet. Dort wurde er 2002, als bereits die Insolvenz drohte, nach der Hälfte seiner Amtszeit vor die Tür gesetzt. Nach fünf Jahren an der VW-Uni scheiterten bislang Zimmerlis Anläufe auf eine Rückkehr an hessische Universitäten an einem passenden Lehrstuhl oder dem Widerstand der Unis. Doch in Brandenburg, an der Grenze zu Polen, fand der präsentationsstarke Schweizer die TU Cottbus - die ihn vor Kurzem zum Präsidenten wählte.


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Was die Leser sagen

Hermann Sigle
05.04.2007 | 09:54
Reichlich Lehrgeld

Ihr Beitrag stellt, zumindest was die Zeppelin University (ZU) betrifft, die Fakten auf den Kopf. So wird behauptet, die ZU in Friedrichshafen hätte ihren Namen vom gleichnamigen Baumaschinenkonzern erhalten. Dies ist weder sachlich richtig, noch wird das der Person des Grafen Zeppelin gerecht. Der Namensgeber Graf Zeppelin steht für die innovative Gründung dieser Universität 2003. Die Universität ist der Innovation und Tradition verpflichtet, international agierend und am Bodensee verankert, visionär und wachstumsstark. So sehen es auch die inzwischen 350 Studenten, mehr als 70 Mitarbeiter und viele Freunde in der Region und deutschlandweit.
Und zur Finanzierung: Es wird behauptet, die ZU hänge direkt vom Geld von Unternehmen, speziell dem Unternehmen Zeppelin, ab. Richtig ist jedoch, dass neben Zeppelin eine Reihe weiterer Unternehmen sich für die ZU engagieren. Ferner liegt eine für deutsche Verhältnisse einzigartige Langfristfinanzierung vor mit einer darüber hinausgehenden Ausfallbürgschaft. Beide sind gegenüber dem Land Baden-Württemberg abgegeben worden. Neben den Drittmitteln der Forschungsförderung durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft, EU und dem Bund gibt es die Stiftungsunternehmen der Zeppelin Stiftung, die wiederum 1908 durch eine Volksspende des deutschen Volkes entstand. Dadurch kommt die ZU erfolgreich ohne einen Cent Steuergelder aus.
Hermann Sigle, Schweinfurt

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Girokonto (Dispo)11,03%5,50-13,81%
Ratenkredite (36 Monate)6,82%4,33-11,99%
Quelle: FMH-Finanzberatung
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Quelle: Smarthouse Media, SIX Telekurs
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