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12.08.2010

Katastrophale Haushaltslage

Investor-Artikel

Grundsteuer steigt drastisch

Angesichts leerer Kassen haben die Städte und Gemeinden die Grundsteuer für Immobilien in den ersten sechs Monaten bis zu 30 Prozent erhöht. Capital zeigt, welche Kommunen am stärksten zulangen. Von Nikolaus von Raggamby

Das geht aus aktuellen Zahlen des Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) unter Kommunen mit über 50.000 Einwohnern hervor. Vor allem Kommunen in Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen erhöhten die Grundsteuer spürbar. In Sachsen hat hingegen keine Stadt mit mehr als 50.000 Einwohnern die sogenannte Grundsteuer B gegenüber 2009 erhöht.

„Die Wirtschaftskrise führte in vielen Gemeinden zu sinkenden Gewerbesteuereinnahmen. Anscheinend ist dies für viele Kämmerer ein Anlass, Hauseigentümern und Mietern noch tiefer in die Taschen zu greifen“, kritisiert Rolf Kornemann, Präsident des Immobilieneigentümerverbands Haus & Grund. Viele Kommunen bleibt derzeit schlichtweg nichts anderes übrig, als zu sparen und an der Einnahmenschraube zu drehen. Laut des Statistischen Bundesamtes betrug das Defizit aller Städte und Gemeinden allein im vergangenen Jahr rund 7,1 Mrd. Euro. Für das laufende Jahr könnte sich der Fehlbetrag laut jüngster Schätzung sogar auf bis zu zwölf Milliarden erhöhen. Nach einer Studie des Wirtschaftsforschungsinstitut RWI in Essen summiert sich der Konsolidierungsbedarf der 16 Bundesländer aufgrund der neuen Schuldenbremse in den nächsten Jahren auf 27 Mrd. Euro.

Stuttgart Spitzenreiter bei der Grundsteuererhöhung

Den wohl größten Anstieg des Grundsteuerhebesatzes müssen die Einwohner in Stuttgart hinnehmen – dort wurde der Hebesatz der Grundsteuer B von 400 auf 520 angehoben. Ein Plus von 30 Prozent gegenüber 2009. Und auch in Pforzheim, Reutlingen, Tübingen und Gütersloh stiegen die Hebesätze deutlich.

Gemessen an der Einwohnerzahl erhöhten neben Stuttgart auch Essen (um zehn Prozent), Bielefeld (um elf Prozent) Mannheim (13 Prozent) und Karlsruhe (14 Prozent) ihre Grundsteuerhebesätze signifikant (siehe Tabellen). Im Schnitt stieg der Grundsteuerhebesatz von 494 auf 506. „Die starke Erhöhung der Grundsteuer ist ungewöhnlich“, erläutert Ulrike Beland, Steuerexpertin des DIHK. „Vor allem die hohe Verschuldung zwingt viele Kommunen zu einer Anhebung der Grundsteuer“ Ingesamt haben laut DIHK bis Ende Juni 2010 rund 50 große Kommunen eine Erhöhung der Grundsteuer beschlossen - soviel wie zuletzt 2003.

T0P-12 nach Veränderung des Hebesatzes

Gemeindebezeichnung

Einwohnerzahl 31.12.2008

Grundsteuer B Hebesätze 2010

Veränderung zu 2009 in %

       

Stuttgart, Landeshauptstadt

600.068

520

30%

Gütersloh, Stadt

96.343

381

27%

Pforzheim, Stadt *)

119.839

500

25%

Reutlingen, Stadt

112.176

400

25%

Gera, Stadt

100.643

450

22%

Tübingen, Universitätsstadt

85.344

560

18%

Neubrandenburg, Stadt

65.879

480

17%

Ludwigsburg, Stadt

87.207

360

16%

Karlsruhe, Stadt

290.736

420

14%

Erfurt, Stadt

203.333

420

14%

Villingen-Schwenningen, Stadt

81.246

425

13%

Wolfenbüttel, Stadt

53.797

430

13%

Mannheim, Universitätsstadt

311.342

450

13%

Entwicklung der Hebesätze für die Grundsteuer B in Städten mit mindestens 50.000 Einwohnern; *) Haushaltssatzung 2010 noch nicht verabschiedet; Quelle: Statistischen Bundesamt /DIHK

T0P-12 nach Einwohnerzahl

Gemeindebezeichnung

Einwohnerzahl 31.12.2008

Grundsteuer B Hebesätze 2010

Veränderung zu 2009 in %

       

Stuttgart, Landeshauptstadt

600.068

520

30%

Dortmund, Stadt *)

584.412

480

2%

Essen, Stadt *)

579.759

560

10%

Bielefeld, Stadt *)

323.615

490

11%

Mannheim, Universitätsstadt

311.342

450

13%

Karlsruhe, Stadt

290.736

420

14%

Oberhausen, Stadt *)

215.827

530

5%

Lübeck, Hansestadt

210.892

480

4%

Erfurt, Stadt

203.333

420

14%

Hamm, Stadt

182.459

500

8%

Saarbrücken, Landeshauptstadt *)

176.749

460

7%

Mülheim an der Ruhr, Stadt *)

168.288

530

6%

Entwicklung der Hebesätze für die Grundsteuer B in Städten mit mindestens 50.000 Einwohnern; *) Haushaltssatzung 2010 noch nicht verabschiedet; Quelle: Statistischen Bundesamt /DIHK

capital.de, 10:39 Uhr
© 2010 capital.de © Fotos / Illustrationen: Fotolia


Was die Leser sagen

Mirko Bengs
19.02.2012 | 13:25
Grundsteuer

Wir möchten in NBDG Ihlenfelderstr.Gewerbegebiet einGrundstück mit Garagen und Büro kaufen es sind 4600 Quadratmeter jetzt wollen wir wissen wieviel Grundsteuer müssen wir im Jahr dafür zahlen.

H.Christalle
15.08.2010 | 14:48
Erhöhung der Grundsteuern

Beamten-Gehälter u.Pensionen werden trotz katastrophler Kassenlage jährlich deutlich erhöht. Ergebnis - Abgabenerhöhungen u.weitere Verschuldung !

Peter Laufenberg
14.08.2010 | 11:18
Grundsteuererhöhung

Nahezu sämtliche Städte sind pleite. Wen wundert es bei der Qualität der Dienstleister? Das liegt vornehmlich daran, dass für die Verwaltung der Begriff Wirtschaftlichkeit ein Fremdwort ist und nicht existiert. Alle Verwaltungen sind personell total überfrachtet mit Beamten und Angestellten des öfentlichen Dienstes, die Sparen allenfalls im privaten Bereich kennen. Die Verwaltungen haben den höchsten Krankenstand im ganzen Land. Keiner spricht darüber und alle wissen Bescheid. Gehälter und Krankenkosten wachsen schneller als der BIP pro Jahr. Wer ist schon daran interessiert, in dieser Kaste etwas zu ändern? Niemand! Und so wird sich die Situation und insbesondere die wirtschaftliche Situation in aller Ewigkeit nicht ändern trotz Gestank bis zum Himmel. Die Verwaltungen sind ein Spiegelbild der Politik, dumm, dreist, faul und korrupt in der Selbstbedienung. Dagegen ist kein Kraut gewachsen. Die Politikverdrossenheit nimmt permanent zu und kein Politiker, oder wer sich dafür hält, nimmt Anstoß daran. Na, denn mal prost und weiter so. In Nachbarländern würden diese Zustände vermutlich zu Aufständen führen, bei uns herrscht Grabesruhe.

Wilhelm Pleß
13.08.2010 | 22:22
Grundsteuererhöung

Sie haben die Stadt Neustrelitz vergessen. Dort wurde die Grundsteuer vom bisherigen Hebesatuz 300% auf 400% 2010 erhöht. Das ist der Spitzenreiter von über 33%

Erik v. Dehn
13.08.2010 | 19:10
Grundsteuererhöhung

was soll die Aufregung Bremen hat einen Hebesatz von 580% !!! warum schreiben sie das nicht ??

georg von nevesch
13.08.2010 | 17:33
Erhöhung der Grundsteuer B

Sie-die Politiker- mausern sich zu einer parasitären Krebsgeschwulst. Ausnahmslos zu einer Saubande.

W. Schöneich
13.08.2010 | 14:59
Erhöhung Grundsteuern

Einer der Spitzenreiter fehlt in Ihrer Übersicht: Solingen. Dort ist im nächsten Jahr eine Erhöhung des Hebesatzes von 490 auf 590 Punkte geplant, eine Erhöhung von 20%

(Kommentare 1-7 von 7)

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