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03.09.2010

Offene Immobilienfonds

Der Preisverfall belastet die offenen Immobilienfonds - zwei könnten bald straucheln
Investor-Artikel

Spreu trennt sich vom Weizen

Der Preisverfall an den Immobilienmärkten dauert bereits seit fast drei Jahren an. Für die offenen Immobilienfonds in Deutschland könnten die Probleme jedoch erst in diesem Oktober in einem GAU münden. Von Karsten Röbisch

Dann nämlich, wenn es den seit 2008 eingefrorenen Fonds nicht gelingt, sich bis dahin wieder zu öffnen. Dann könnte die Finanzaufsicht BaFin sogar die Zwangsverwertung des verbliebenen Vermögens anordnen, was die Abwicklung der Produkte bedeuten würde. Es wäre ein Schock für die betroffenen Anleger, aber auch ein großer Imageschaden für die Branche.

Derzeit sind zehn offene Immobilienfonds eingefroren. Zusammen verwalten sie 26,1 Mrd. Euro, was knapp einem Drittel des Gesamtvermögens der Branche entspricht. Bereits im Oktober 2008 hatten wegen hoher Geldabflüsse zwölf Fonds dichtmachen müssen, doch nur drei von ihnen - der P2 Value von Morgan Stanley, der US-Grundinvest von Kan Am und der Degi Europa von Aberdeen - sind seitdem durchgängig gesperrt. Und für sie läuft die Frist nun ab.

Vor allem beim 1,1 Mrd. Euro großen P2 Value und dem Degi Europa mit 1,6 Mrd. Euro sind die Aussichten düster. Erst jüngst wurden den Investoren weitere Abwertungen zugemutet. Die Anleger des P2 Value haben in den vergangenen zwei Jahren knapp ein Drittel verloren, der Degi Europa ist rund 16 Prozent weniger wert. Die Abwertungen zeigen, dass die Krise auf den Immobilienmärkten längst nicht vorbei ist. Das gilt besonders für die stark schwankenden Märkte in Osteuropa, USA und Asien.

Selbst wenn es den Anbietern gelänge, durch Verkäufe die Liquidität für eine Wiedereröffnung zu schaffen: Die Anleger würden wohl sofort ihr Geld abziehen, was eine erneute Schließung zur Folge hätte und letztlich das Aus bedeuten würde. Sie sind nicht die einzigen Fonds, denen das Schicksal droht. Mit dem Degi Global Business und dem Degi International stehen zwei weitere Aberdeen-Fonds auf der Kippe. Bei ihnen läuft die Zweijahresfrist aber erst 2011 ab, da sie zwischenzeitlich wieder offen waren.

Das Gros der Produkte steht indes stabil da. Vor allem die Anbieter mit einem großen Vertriebsnetz im Rücken, etwa die Deka und Union Investment, glänzen mit hohen Zuflüssen und nutzen den Preisverfall für Zukäufe. Ausgestanden ist die Krise jedoch bei keinem. Abschreibungen bei den Gebäuden belasten die Erträge aller Fonds: Auf Sicht von zwölf Monaten beträgt die Rendite im Schnitt nur 0,6 Prozent. Zum Vergleich: Der Zehnjahresdurchschnitt liegt bei 3,9 Prozent.

capital.de, 10:44 Uhr
© 2010 capital.de © Fotos / Illustrationen: Getty


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