Es gibt Situationen, in denen schlechte Nachrichten behutsam überbracht werden sollten. Doch ganz und gar sollte die Wahrheit dabei nicht ausgeblendet werden. Zumindest nicht auf Dauer. Liest man die aktuelle Untersuchung über offene Immobilienfonds, die der Branchenverband BVI gestern veröffentlicht hat, drängt sich allerdings der Eindruck auf, dass den Anlegern nur die halbe Wahrheit erzählt wird.
Die wichtigsten Ergebnisse der Studie, die der BVI in Auftrag gegeben hat, klingen nämlich hauptsächlich positiv: "Privatinvestoren können ihr Portfoliorisiko mit offenen Immobilienfonds um 18 beziehungsweise 21 Prozent reduzieren." Das Autorenteam angeführt von Lutz Johanning, Professor für Kapitalmarktforschung an der WHU, und Bernd Rudolph, Vorstand des Instituts für Kapitalmarktforschung der Ludwig-Maximilians-Universität in München, kommt auch zu dem Schluss, dass sich die durchschnittliche langfristige Rendite der offenen Immobilienfonds durch die Finanzkrise nur marginal verringert habe.
Doch die durchschnittliche Rendite dürfte kaum einen Anleger mehr interessieren: Offene Immobilienfonds sind inzwischen derart unterschiedlich erfolgreich, dass sie längst nicht mehr über einen Kamm zu scheren sind. Die Renditen driften weit auseinander und reichen von etwa plus zwei bis minus 20 Prozent im laufenden Jahr.
Völlig nebensächlich dürfte die Durchschnittsrendite vor allem für die Anleger jener zehn Fonds sein, die eingefroren sind. Denn sie kommen erst gar nicht an ihr Geld – es sei denn, sie verkaufen ihre Anteile über die Börse, zu teils enormen Abschlägen.
Die derzeit geschlossenen Fonds verwalten zusammen nahezu ein Drittel des Branchenvermögens von insgesamt knapp 90 Mrd. Euro. Drei Produkte sind im Herbst bereits seit zwei Jahren dicht – und müssen dann von Gesetzes wegen wieder öffnen. Sofern sie dazu überhaupt in der Lage sind. Ein Risiko, dass in der BVI-Studie in folgenden Worten anklingt: "Die Unsicherheit stieg besonders für offene Immobilienfonds, bei denen die Anleger eine höhere Wahrscheinlichkeit eines geordneten Abwicklungsverfahrens befürchten."
Auch die jüngsten signifikanten Abwertungen einiger Fonds finden in der Studie keinerlei Erwähnung. Oder sollten die beiden Autoren davon nichts bemerkt haben? Möglich wäre es. Denn einige wurden von den Gesellschaften im Schongang veröffentlicht.
So wertete Aberdeen Asset Management den Degi Europa seit Anfang Juli in sieben Schritten um rund zwölf Prozent ab. Beim Degi International erfolgte die Abwertung um knapp sechs Prozent in zehn Schritten. Bekannt gegeben hat Aberdeen das nur scheibchenweise: in 17 Dokumenten auf der Internetseite des Anbieters. Genau die gleiche Kommunikationspolitik legte Morgan Stanley an den Tag, als der Fonds P2 Value weiter deutlich an Wert verlor.
Doch irgendwann lässt sich die Wahrheit einfach nicht mehr verschweigen.






