Zweieinhalb Stunden sind es mit dem Auto von Wunsiedel nach
München – eindeutig zu weit, um von dort aus täglich zu pendeln. Da kann das kleine Dorf im bayerischen Fichtelgebirge noch so idyllisch daherkommen. Und so überrascht es kaum, dass das Statistische Landesamt eine dramatische Verschiebung der Bevölkerung innerhalb des Freistaates prognostiziert: Während die Bevölkerungszahlen in Gegenden wie dem Landkreis Wunsiedel weiter schrumpften, dürfe der Großraum München mit enormem Zuwachs rechnen, so die Statistiker. Allein für den Landkreis Erding rechnen sie mit einem Bevölkerungsplus von 15,5 Prozent in den kommenden zwei Dekaden.
Statistiker, Demoskopen und Immobilienfachleute sind sich einig, dass der Großraum München zu den Regionen Deutschlands gehört, die in den kommenden Jahren stark wachsen werden. Denn München und die angrenzenden Landkreise München Land, Landsberg am Lech, Fürstenfeldbruck, Dachau, Freising, Erding, Ebersberg und Starnberg haben alles, was Wunsiedel fehlt – zahlreiche Firmen und damit Arbeitsplätze sowie ein hohes Lohnniveau. In diesem Großraum wohnen heute schon mehr als 2,4 Millionen Menschen, rund die Hälfte davon in der bayrischen Landesmetropole. Bis zum Jahr 2020, so die Prognosen, soll die Einwohnerzahl noch einmal um zehn bis 20 Prozent steigen.
Da gleichzeitig die Zahl der Haushalte zunimmt, müssen bis 2027 in Bayern etwa 883.000 Wohnungen neu gebaut werden – das rechnete zumindest Bayerns Innenminister Joachim Herrmann unlängst vor. Fast ein Drittel dieser Immobilien würde in der Großregion München benötigt, so Herrmann, ansonsten drohten dem Gebiet in fünf bis zehn Jahren Wohnraummangel und massive Mietpreissteigerungen.
Die Schuld auf die "Zugroasten", die Zugereisten, zu schieben, wäre zu einfach. Innerhalb des Großraums München kommt es ebenfalls zu Wanderbewegungen, die Einfluss auf die Immobilienpreise haben. Immer mehr gut situierte Rentner drängen in die Stadt, sie verdrängen die Einkommensschwachen und kinderreichen Familien, für die es in München immer schwerer wird, bezahlbaren Wohnraum zu finden. Ihnen bleibt meist nichts anderes übrig, als ins Umland zu ziehen.
So richtig aufs Land wollen aber die wenigsten. Davon profitieren die typischen Mittelstädte wie Erding, Landsberg am Lech, Landshut und Dachau. Hier ist eine funktionierende Infrastruktur mit Kindergärten, Schulen, Einkaufsmöglichkeiten, Restaurants und nach Möglichkeit auch kultureller Abwechslung vorhanden.
Diese Städte punkten vor allem bei jungen Familien – die bekommen ihr Traumhaus oft 30 bis 40 Prozent unter den in München üblichen Preisen. Und selbst in Toplagen steigen die Mietpreise so gut wie nie über zwölf Euro pro Quadratmeter. Im Vergleich zum Münchner Süden bleiben die Durchschnittsmieten im Umland seit Jahren relativ stabil, heißt es im aktuellen Wohnungsmarktbericht der Stadt München.







