Die erste Frage des Maklers ist stets: "What is your budget?" - "Wie viel wollen Sie ausgeben"? In aller Regel greifen Neuankömmlinge in London bei ihrer Antwort erst einmal ein Segment zu tief. Die Quittung kriegen sie dann bei der Wohnungsbesichtigung: Eine Halbruine mit löchrigem Dach, schmutzigen Teppichen, blinden Fenstern, verkratzten Sperrmüllmöbeln und zugewachsenem Garten.
Zwischen 300 und 400 Pfund (340 - 460 Euro) pro Woche für eine Zweizimmerwohnung sind das Minimum, um Qualitätsstandards, wie sie aus Deutschland bekannt sind, genießen zu können. Dazu kommen, neben Gas, Wasser und Strom etwa 110 Pfund Gemeindesteuer (Council Tax) pro Monat. Sie deckt die Müllabfuhr und Straßenreinigung ab.
Mieten ist in England stets nur eine Übergangslösung. Das Lebensziel der Briten heißt Eigentumserwerb, was den Mietmarkt in weiten Teilen zu einer Schmuddelecke verkommen lässt. Die meisten akzeptablen Wohnungen werden in London von Maklern - "letting agents" genannt - betreut. Sie besorgen die Mieter, fertigen den Mietvertrag aus, nehmen Beschwerden entgegen und kassieren meistens zwei Monatsmieten als Kaution. Für all diese Dienste bekommen sie vom Vermieter eine Courtage, der Mieter zahlt dafür nichts.
Früher war es üblich, dass die Miete wöchentlich in bar oder per Scheck gezahlt wird. Das wird jedoch immer seltener. Der monatliche Dauerauftrag hat sich weitgehend durchgesetzt. Einkommensnachweis und Anruf beim Arbeitgeber gehören zum Standard in einem Land ohne zentrales Meldewesen. Der unbefristete Mietvertrag ist eher selten. Meistens schließt man einen Vertrag auf ein oder zwei Jahre ab. Wer einen Einjahresvertrag mit so genannter "break clause" erwischt hat, kann von jetzt auf gleich der Wohnung verwiesen werden. Mieterschutz ist so gut wie keiner vorhanden auf einem seit Margaret Thatchers Zeiten völlig liberalisierten Markt, auf welchem alles möglich aber auch alles verhandelbar ist.
Zieht man nicht gerade in einen Neubau - der Bestand in London ist eher verschwindend klein - dann muss man mit extremer Hellhörigkeit rechnen. In Altbauten sind die Decken oft nur dünne Sandwichs aus Holzbalken und ein paar Dielenbrettchen. Der Teppich sorgt allein für die Schalldämmung. Der Nachbar hört also stets mit.
Wegen der oft windigen Verarbeitung etwa bei Heizung oder Wasserinstallation sind aus den meisten britischen Wohnungen Handwerker nicht wegzudenken. Deren Qualität kann allerdings extrem stark schwanken. Oft machen osteuropäische Gipser, Klempner und Schreiner, weil sie vom Kontinent her robustere Standards bei Arbeit und Ausbildung gewohnt sind, einen bessern Job als die britischen Kollegen, die Wassereinbrüche oft mit wenig erprobten Hausrezepten zu Leibe rücken.
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Weitere Städte finden Sie in Capital Heft 09/2011, das ab dem 18. August im Handel erhältlich ist. |









