Herr Hahn, Sie ziehen gegen die Commerzbank zu Gericht und fordern für eine Mandantin Entschädigung, weil sie durch den Kauf von offenen Immobilienfonds viel Geld verloren hat. Was ist genau passiert?
Meine Mandantin hatte ihre Berliner Eigentumswohnung verkauft und suchte eine Anlagemöglichkeit für die erzielten 350.000 Euro. Sie wollte die Summe für ein oder zwei Jahre sicher anlegen, solange, bis sie eine andere Immobilie gefunden hätte. Das hat sie ihrem Berater - damals Mitarbeiter der Dresdner Bank, heute bei der Commerzbank - so auch gesagt.
Was ist dann passiert?
Er hat ihr den Morgan Stanley P2 Value empfohlen und den Ausgabeaufschlag von fünf auf 1,5 Prozent reduziert. Das ist vielleicht ein Indiz dafür, dass der Fonds damals ein Ladenhüter war. Auf jeden Fall aber war Morgan Stanley mit dem Produkt noch recht jung am Markt. In der Branche galt der Fonds als volatil, der Anteil an Auslandsimmobilien ist recht hoch. Insbesondere Asien ist prominent vertreten.
Das klingt noch nicht nach Falschberatung.
In der Beratung ist weder über die Provisionen noch die Rückvergütung aufgeklärt worden. Noch wurde der Mandantin gesagt, dass die Rücknahme der Anteilsscheine ausgesetzt werden kann. Das war im Frühjahr 2008. Ein halbes Jahr später, Im Herbst, wurde der Fonds dann geschlossen. Meine Mandantin kam nicht mehr an ihr Geld heran. Und am 23. Juli des kommenden Jahres wurde dann das Fondsvolumen dann um fast 14 Prozent abgewertet.
2008 wusste aber doch noch niemand, dass es zu derartigen Abschreibungen kommen würde.
Ich weiß nicht, ob sich die Abwertung im Frühjahr 2008 schon andeutete. Es gab in der Branche aber entsprechende Gerüchte. Es hieß, die Lage des Fonds sei nicht ganz stabil.

capital.de, 14:11 Uhr
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