Seit Jahrzehnten stehen die Taunusstädtchen für Wohlstand und Erfolg – vor allem derjenigen, die hier wohnen. Und das tun sie vorzugsweise in Gründerzeitvillen auf Grundstücken mit uraltem Baumbestand oder großzügigen Bungalows aus den 60er- und 70er-Jahren. Aber die Edelgegend mit dem Banker-Image hat ein Problem: Vor allem in den klassischen Millionärshorten Königstein und Kronberg ist die Bevölkerung überaltert und sitzt in ihren Villen fest. Schlecht für junge Familien, die Wohnraum suchen, schlecht für die Alten, die es in die städtische Peripherie zieht.
"Wenn es barrierefreie Luxuswohnungen in citynahen Toplagen gäbe, stünden im Nu einige alte Villen zum Verkauf. Doch da es die so gut wie gar nicht gibt, bewegt sich nicht sehr viel", sagt Holger Baete von Engel & Völkers. Altengerechte Wohnungen sind somit genauso Mangelware wie bezahlbare Einfamilienhäuser und Reihenhäuser in Bad Homburg, Königstein, Kronberg und Oberursel.
In Königstein und Kronberg bleibt man gern unter sich – Image sells. Aber das abgelegene Königstein verliert zudem zusehends in der Käufergunst, die Bausubstanz ist alt, selten saniert, und der stets verstopfte Königsteiner Kreisel macht Pendlern das Leben schwer. Besser hat es, wer seinen Arbeitsplatz direkt im Naherholungsgebiet gefunden hat: Nach Bad Homburg kommen etwa täglich 22.962 Pendler.
Mit 69 staatlichen und privaten Schulen ist der Taunus bestens gerüstet für Familien mit schulpflichtigen Kindern. Allein familiengerechte Wohnungen fehlen. Und so waren die Eigentumswohnungen im Bad Homburger Nobelviertel Ellerhöhe vom Plan weg schnell verkauft, 6000 Euro kostete der Quadratmeter. Auch die 58 neuen Wohnungen im Dorotheenquartier mitten in der City zum Quadratmeterpreis von stolzen 5000 Euro konnten die Nachfrage bei Weitem nicht befriedigen.
Zahlreiche große Villen, die zum Verkauf stehen, sind in ihrer Aufteilung und Ausstattung nicht mehr zeitgemäß. Die Folge: Erben und Käufer reißen das alte Gemäuer ab – etwa im Bad Homburger Hardtwald oder im Oberurseler Maasgrund – und bauen stattdessen zwei kleinere Häuser. Das sorgt für vierteluntypische Verdichtung und nicht selten auch den Unmut der Anwohner. Sie fürchten um ihre Ungestörtheit und um den Wert ihrer Immobilien. Auch andernorts ist man Veränderungen gegenüber nicht gerade aufgeschlossen. In Kronberg etwa versucht eine Bürgerinitiative, die Ausweisung des Baugebiets Am Grünen Weg zu verhindern, damit die Natur vor der Haustür intakt bleibt. Das trübt die Taunusidylle ebenso wie langwierige Verwaltungsprozesse bei der ohnehin knappen Bauflächenausweisung.
Im Stadtteil Ober-Erlenbach in Bad Homburg und am Bornberg zwischen Gonzenheim und Ober-Eschbach wurden gerade neue Baugebiete ausgewiesen. "Mit diesen beiden Gebieten wird Wohnraum für junge Familien entstehen, der für diese auch bezahlbar ist", verspricht Oberbürgermeister Michael Korwisi. In Oberursel nahe Frankfurt hat das 1000-Einwohner-Neubauviertel Camp King den Bedarf an Wohnraum noch nicht ausreichend gedeckt. In der Toplage Maasgrund sollen Baugrundstücke ausgewiesen werden – allerdings zu 1000 Euro je Quadratmeter.
Begehrt sind Einfamilienhäuser in Toplage in Bad Homburg und Oberursel. "In diesem Segment überwiegt die Nachfrage bei Weitem das Angebot", erklärt Oliver Albrecht von Albrecht Immobilien. "Doch insgesamt fehlt der gesunde Mittelstand", klagt Johannes Schlocker von Henning Immobilien. "Die Nachfrage nach Häusern bis 350.000 und über einer Million Euro ist nach wie vor gut, der Markt dazwischen kränkelt."
Stadtteil |
Einfamilien- |
Eigentums- |
Miete pro m2 |
|---|---|---|---|
500.000- 3.500.000 |
k.A.* |
7,00-13,00 |
|
600.000- 3.000.000 |
2000-2900 |
8,00-12,00 |
|
500.000- 2.200.000 |
1800-3500 |
8,00-11,00 |
|
400.000- 800.000 |
1700-2400 |
7,00-9,00 |
|
800.000- 3.500.000 |
2000-4000 |
9,00-16,00 |
|
650.000- 3.000.000 |
1800-3500 |
7,00-13,00 |
|
600.000- 2.500.000 |
2000-3300 |
8,00-14,00 |
|
500.000- 1.500.000 |
1500-3300 |
8,00-12,00 |
|
800.000- 3.500.000 |
k.A.* |
9,00-18,00 |
|
800.000- 3.500.000 |
k.A.* |
8,00-18,00 |
|
600.000- 3.000.000 |
1800-6000 |
8,00-16,00 |
|
650.000- 3.000.000 |
k.A.* |
9,00-15,00 |
|
500.000- 2.000.000 |
1500-3500 |
7,00-12,00 |
Durchschnittliche Preis- und Mietspannen in Euro für typische Eigenheime sowie Wohnungen, k.A. = kein ausreichendes Angebot








