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15.08.2011

Fonds-Liquidation

Die Investoren sollen eine Auszahlung von 500 Mio. Euro erhalten
Investor-Artikel

Allianz beendet Immobilienfonds-Desaster

Zusammen mit der Commerzbank zieht der Versicherer einen Schlussstrich unter den umstrittenen Dachfonds. Die Anlage- und Vertriebspolitik des Premium Management Immobilien-Anlagen stand zuletzt stark unter Kritik. Glückliche Anleger können noch auf das Angebot einer Extra-Entschädigung zurückgreifen. Von Karsten Röbisch

Die Fondsgesellschaft Allianz Global Investors (AGI) löst den seit September 2010 eingefrorenen Immobiliendachfonds Premium Management Immobilien-Anlagen (PMIA) auf. Die Investoren des knapp 1,2 Mrd. Euro schweren Fonds sollen bereits im Oktober eine Auszahlung von 500 Mio. Euro erhalten, kündigte AGI am Freitag an. Im Juni nächsten Jahres geht die Fondsverwaltung an die depotführende Commerzbank über, die dann die noch vorhandenen Vermögenswerte liquidieren muss.

Die Allianz-Fondstochter begründete ihre Entscheidung mit der Situation vieler offener Immobilienfonds, die das Anlageuniversum des PMIA bilden. Wegen hoher Mittelabflüsse mussten im Oktober 2008 mehrere Fonds schließen. Bis heute sind 13 Produkte dicht, die zusammen mehr als 20 Mrd. Euro verwalten, vier Produkte werden bereits abgewickelt. Die hohe Zahl eingefrorener Fonds macht es auch den Dachfonds schwer, ihrerseits ausstiegswillige Anleger auszuzahlen. Vier Dachfonds sind aus diesem Grund ebenfalls geschlossen, mit dem PMIA wird nun bereits der zweite abgewickelt.

Die Entscheidung von AGI folgt nur einen Tag nach der Mitteilung der Commerzbank, die rund 50.000 verbliebenen Anleger teilweise zu entschädigen. "Wir bieten unseren Kunden den Rückkauf zu einem Kurs von 43,38 Euro an", sagte Michael Mandel, Bereichsvorstand der Commerzbank. Dies entspricht einem Abschlag von knapp neun Prozent auf den aktuellen Nettoinventarwert. Das Angebot gilt bis zum 15. September und nur für Anleger, die schon zum Zeitpunkt der Schließung investiert waren. Sollte die Commerzbank bei der Verwertung des Vermögens einen höheren Preis erzielen, erhalten Investoren einen Nachschlag.

Langsame Anleger hatten das Nachsehen

Die Commerzbank reagiert mit der Abfindung auf Tausende Beschwerden und Klagen von Kunden, die sich falsch beraten fühlen. Das Institut hatte den Fonds im Mai 2008 zum Erstausgabepreis von 52,50 Euro aufgelegt und nur an eigene Klienten verkauft, in der Spitze verwaltete er 2,2 Mrd. Euro. Nach der Übernahme der Dresdner Bank fiel die Commerzbank-Investmenttochter an die Allianz, damit landete auch der Fonds bei AGI.

Die Commerzbank steuerte aber weiterhin den Vertrieb - und hatte großen Anteil an der Fondsschließung: Kurz zuvor gab sie an ihre Berater eine implizite Verkaufsempfehlung für das Produkt heraus und bot gleichzeitig den eigenen offenen Immobilienfonds Hausinvest Europa zum reduzierten Ausgabeaufschlag an. Das löste eine Massenflucht aus, an nur einem Tag gingen bei AGI Verkaufsorders über mehr als 500 Mio. Euro ein, der Fonds musste schließen. Das Nachsehen hatten Anleger, die nicht schnell genug reagieren konnten. Ihr Geld steckte fest, die Fondsanteile konnten sie nur mit hohen Abschlägen über die Börse verkaufen. Auch die Allianz-Fondstochter spielte bei der Schließung eine umstrittene Rolle. Sie reizte die Möglichkeit, Beteiligungen aufzulösen, nicht komplett aus.

So besaß der PMIA zum Zeitpunkt der Schließung Anteile über 250 Mio. Euro am Hausinvest Global - einem Produkt der Commerzbank. Das Brisante: Der Fonds stand vor der Fusion mit dem Hausinvest Europa. Hätte der PMIA seine Anteile aufgelöst, hätte der Hausinvest Global auch schließen müssen - und die Fusion wäre geplatzt. Dazu ließ es AGI nicht kommen. Zwischen der Allianz und der Commerzbank gibt es seit dem Verkauf der Dresdner Bank 2008 enge Verbindungen. Die Allianz übernahm damals das Fondsgeschäft der Commerzbank, gleichzeitig schloss sie mit ihr eine Vertriebskooperation.

capital.de, 13:27 Uhr
© 2011 capital.de © Fotos / Illustrationen: Joerg Koch/ddp


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