Frühestens in vier Jahren wird die Europäische Zentralbank (EZB) ihr neues Domizil im Frankfurter Ostend beziehen. In der Marktstatistik taucht der Ortswechsel aber schon auf. Nachdem im Mai der Grundstein für den 500 Millionen Euro teuren EZB-Turm gelegt wurde, flossen 104.000 Quadratmeter in die Vermietungsstatistik ein. Ohne diesen Effekt stünde in Frankfurt für das erste Halbjahr nur ein Umsatz von 127.000 Quadratmetern zu Buche - der schlechteste Halbjahreswert in den vergangenen zehn Jahren. "Der Markt steht still", sagt Marcus Mornhart, Leiter des Vermietungsgeschäfts beim Maklerhaus Jones Lang LaSalle (JLL) in Frankfurt.
Die Krise hat viel mit der schlechten Lage bei den Banken zu tun, die in der Stadt dominieren wie nirgendwo in Deutschland und die durch die Finanzkrise arg gebeutelt wurden. "Wenn die Banken schwächeln, dann kränkelt auch der Immobilienmarkt", so Mornhart. Große Entlassungen sind zwar ausgeblieben, doch die Firmen halten sich mit Anmietungen zurück. Und die geringe Nachfrage drückt auf die Preise. Die Spitzenmiete ist seit 2008 von 37 Euro auf 33 Euro gefallen - effektiv liegt sie gar noch niedriger. Denn Zugeständnisse in Form von mietfreien Zeiten, die nicht in der Preisstatistik auftauchen, machen derzeit bis zu 15 Prozent der Vertragsmiete aus.
Man könnte die Probleme als vorübergehende Schwächephase abtun, wie sie Konjunkturzyklen eben so mit sich bringen. Wäre da nicht die große Bedeutung von Frankfurt für die offenen Immobilienfonds, die in der Stadt Gebäude im Wert von 4,1 Milliarden Euro besitzen, was die Mainmetropole zu ihrem größten innerdeutschen Investitionsziel macht. Und wäre da nicht die hohe Leerstandsrate von 13,7 Prozent, die eine rasche Erholung unmöglich erscheinen lässt. Bis zum Jahresende erwartet Mornhart gar Anstieg auf 14,7 Prozent.
Ein Großteil des Leerstands hat indes nichts mit der aktuellen Wirtschaftskrise zu tun. Seit Jahren gibt es in Frankfurt einen hohen Sockelleerstand, der auch im Aufschwung bis 2008 kaum gesunken ist. Oliver Barth, Geschäftsführer von BNP Paribas Real Estate, führt das Überangebot auf den Bauboom um die Jahrtausendwende zurück. Der Bedarf schien riesig, denn schließlich suchten die Firmen der New Economy dringend Flächen. Als diese fertig waren, gab es die potenziellen Mieter nicht mehr. Das Überangebot aber blieb und belastet seitdem den Markt. "Das ist ein Problem, das Frankfurt dringend in den Griff bekommen muss", sagt Barth.
Die einfachste Lösung wäre oft der Abriss. Nach Einschätzung der Makler entsprechen 30 bis 40 Prozent der leeren Gebäude nicht mehr modernen Ansprüchen und sind unvermietbar. Dass sie dennoch nicht abgerissen werden, liegt an der zögerlichen Haltung der Eigentümer. "Es dauert sehr lange, bis sie ihre Immobilien abgeschrieben haben", sagt Mornhart von JLL.

capital.de, 09:56 Uhr
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