Die Wachstumspläne des Börsenkandidaten LEG Immobilien sind mit ambitioniert wohl ziemlich treffend beschrieben. Rund 170 Mio. Euro will Vorstandschef Thomas Hegel in den kommenden zwei Jahren in die Hand nehmen um etwa 10.000 Immobilieneinheiten zuzukaufen – ohne am Kapitalmarkt neues Geld aufzunehmen. "Wir haben jetzt die Wachstumsphase eingeläutet, insbesondere durch Akquisitionen", sagte Hegel am Montag in Frankfurt, wo er vor Journalisten den Startschuss für den Börsengang des nordrhein-westfälischen Wohnimmobilienunternehmens gab.
Am 1. Februar soll die LEG-Aktie erstmals in Frankfurt gehandelt werden. Die Eigner des Unternehmens – die Investmentbank Goldman Sachs über ihre Whitehall-Fonds und der Finanzinvestor Perry Capital – wollen mit diesem Schritt bis zu 57,5 Prozent der Gesellschaft an die Börse bringen. Damit könnten die Eigner bis zu 1,4 Mrd. Euro einsammeln. Insgesamt werden den Investoren ab Montag 30,5 Millionen Aktien in einer Preisspanne von 41 bis 47 Euro angeboten. Die Zeichnungsfrist endet am 31. Januar.
Der Börsengang wäre der erste in diesem Jahr und der größte aus dem deutschen Immobiliensektor seit dem Parkettdebüt von GSW im Frühjahr 2011. Die Immobilienbranche boomt seit sich die Euro-Krise zugespitzt hat. Insbesondere Wohnimmobilien, deren Mietverträge bei einem Konjunkturabschwung nicht in Gefahr sind, waren bei Institutionellen Investoren und Privatanlegern beliebt. Der Nachteil daran: Die steigenden Kurse der Gesellschaften in den vergangenen beiden Jahren haben zum einen die Kursfantasien und zum anderen die Dividendenrenditen sinken lassen. Und letztere sind insbesondere bei Privatanlegern ein probates Lockmittel.
Auch LEG Immobilien verspricht Anlegern eine saftige Dividende: Bis zu 65 Prozent des Betriebsgewinns aus dem laufenden Geschäft sollen ausgeschüttet werden. Per Ende September 2012 lag dieser Gewinn bei 101,3 Mio. Euro, nach 93,9 Mio. Euro im Vorjahreszeitraum. Allerdings sollen für das Jahr 2012 lediglich 16 Prozent für Dividendenzahlungen aufgewendet werden. Bei vergleichbaren börsennotierte Gesellschaften, wie Deutsche Wohnen, GSW Immobilien oder TAG Immobilien schätzen Analysten die Dividendenrendite für 2012 auf 1,78 Prozent, 2,80 Prozent und 2,58 Prozent. Für 2013 sind die Zahlen jeweils noch besser. Lediglich der Konkurrent Gagfah kann sich keine Dividendenzahlung leisten, da der Dresdner Immobilienverwalter in diesem Jahr Kredite über 3,3 Mrd. Euro rückzahlen muss.
Gegen die Aktien spricht aus Analystensicht, dass die Stimmung am Markt in den vergangenen Wochen deutlich besser geworden ist. Steigende Kurse, auch von Aktien zyklischer Unternehmen, sprechen dafür, dass bislang zurückhaltende Anleger wieder bereit sind, mehr Risiko auf sich zu nehmen. Grund für den Aufschwung sind Experten zufolge die geldpolitischen Maßnahmen der Europäischen Zentralbank und der US-Notenbank vom vergangenen Jahr. "Die massiven Kapitalmarkt-Interventionen der Europäischen Zentralbank und der US-Notenbank werden etliche Marktakteure diesseits und jenseits des Atlantiks veranlassen, aus defensiven Werten in zyklische Papiere umzuschichten", sagte Helmut Kurz, Manager des E&G Fonds Global REITs der Privatbank Ellwanger & Geiger dem „Manager Magazin“. Die Börsenkurse europäischer Immobilienwerte könnten deshalb fallen oder stagnieren.
Seit Jahresbeginn halten sich jedoch Gewinne und Verluste bei Immobilienaktien die Waage – allerdings mit einem klaren Vorteil für Gewerbeimmobilien. So legten die Papiere von DIC Asset seit Ende Dezember gute 15 Prozent zu, bei Prime Office REIT sind es rund 12 Prozent. Dagegen büßten die Anteilscheine von Wohnimmobiliengesellschaften zwischen knapp 5 Prozent (TAG Immobilien) und knapp 2 Prozent (Deutsche Wohnen) ein.
Die Börsenpläne von LEG wird das jedoch nicht ändern. Sollte es den begleitenden Investmentbanken Goldman Sachs und Deutsche Bank gelingen, die Höchstsumme von 1,4 Mrd. Euro bei Investoren einzusammeln, wäre LEG sogar ein direkter Kandidat für den Nebenwerteindex MDAX. Allerdings hatten auch der Versicherer Talanx und die deutsche Telefónica-Tochter O2 bei ihren Debüts im vergangenen Jahr auf einen solchen Erfolg spekuliert – jedoch vergeblich.







