Will man den Befürchtungen der Solarlobby Glauben schenken, steht der Untergang des Abendlands kurz bevor: Nachdem Bundesumweltminister Norbert Röttgen ankündigte, die Vergütungssätze für Solaranlagen um 15 Prozent zu kürzen, schreien die Branchenvertreter Zeter und Mordio. Privatinvestoren, die auf ihrem Eigenheim eine Fotovoltaikanlage errichten wollen, sollten sich davon nicht beunruhigen lassen: Auch nach der Kürzung können sie hohe Renditen erzielen.
Dass Einschnitte erforderlich sind, bestreitet selbst die Solarbranche nicht. Nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) erhalten die Betreiber je Kilowattstunde einen festen Betrag, der deutlich über dem aktuellen Marktpreis liegt. Schon zum Jahreswechsel reduzierten sich die Sätze für Anlagen bis zu einer Spitzenleistung von 30 Kilowatt-Peak um neun Prozent auf 39,14 Cent pro Kilowattstunde.
Nun geht es nochmals weiter abwärts. Für manche noch nicht weit genug: So fordern Experten und Verbraucherschützer eine kräftigere Kürzung, weil die Kosten für die Förderung auf alle Stromkunden umgelegt werden. "Das Erneuerbare-Energien-Gesetz funktioniert nur dann effektiv, wenn sich die Förderung an der Höhe der Produktionskosten orientiert", erklärt Anne Kreutzmann, Chefredakteurin des Fachmagazins "Photon".
Angemessen wäre eine Reduzierung von 20 Prozent. Im Schnitt sind die Modulpreise seit 2006 mit 37 Prozent stärker gefallen als die Vergütung, die im gleichen Zeitraum nur um 25 Prozent sank.
Die Solarbranche hingegen warnt: "Sollten die drastischen Kürzungen bei der Solarförderung in den nächsten Wochen tatsächlich umgesetzt werden, befürchten wir eine Insolvenzwelle in der Zukunftsbranche Fotovoltaik und den Verlust Zehntausender Arbeitsplätze", sagt Carsten Körnig, Geschäftsführer des Bundesverbands Solarwirtschaft.
Trotz der sinkenden Vergütung bleiben Solaranlagen auch 2010 ein rentables Investment. Denn die Preise für die Module befinden sich bereits seit einigen Jahren im Sinkflug. Aktuell liegen sie für installierte Solarmodule bei gut 3000 Euro - Tendenz fallend. Laut BSW-Experte Körnig sinken die Preise um rund zehn Prozent im Jahr. Klar ist dennoch: Zunächst wirkt die Reduzierung der Vergütungssätze negativ. Bei einem Modulpreis von 3300 Euro pro Kilowatt-Peak sinkt die Nettorendite um über einen Prozentpunkt. Fallen die Modulpreise aber weiter, sind trotz geringerer Vergütungssätze wieder Renditen über acht Prozent drin (siehe Tabelle).







