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14.12.2009
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Nachhaltig wirtschaften

Sanierungen werden mit bis zu 75.000 Euro pro Wohneinheit gefördert.

Adieu Altbau-Tristesse

Berliner Alt- und Plattenbauten sind bei Mietern begehrt, energetisch aber genügen Zehntausende nicht mehr den heutigen Standards. Wer sanieren will, erhält günstige Darlehen. Das lockt auch Renditejäger. Von Karl-Heinz Möller

Wer die schönen alten Fassaden von Paris und Rom kennt, kann sich etwa vorstellen, wie charmant einmal Berlin in 20 Jahren aussehen könnte, würden alle Altbauten restauriert. In keiner Metropole hierzulande gibt es so viel erhaltenswerte alte Bausubstanz. Aber was bedeutet schon alt? Im amtlichen Sprachgebrauch gilt als Altbau nur das, was vor dem Zweiten Weltkrieg als Bestand existierte. Alle nach Ende des Krieges gebauten Häuser gelten als Neubau.

Daher sind Gebäude der Jahrhundertwende in der Regel gefragter als Neubauten aus dem Jahre 1960 oder Plattenbauten. Viele sind allerdings in einem Zustand, der heutigen Standards nicht mehr entspricht. Das bringt Vor- und Nachteile mit sich. Bei der Energieeffizienz und dem Ausstoß an CO2 genügen Zehntausende von Mietshäusern nicht den Normen der Europäischen Union.

Marode Heizkessel, undichte Fenster und Dächer ohne Isolierung lassen mehr Wärme in die Atmosphäre entweichen, als in den Wohnungen und Büros ankommt. Das kommt Bewohner und Umwelt teuer zu stehen. Ein Status quo bietet vordergründig auch Vorteile: Mieten bleiben auf dem aktuellen Niveau.

Beratung für Hauseigentümer

Um die Klimainitiative "Aus Alt mach Neu - Und das energetisch" der IBB Investitionsbank Berlin umzusetzen, stehen für die Finanzierung komplexer baulicher Maßnahmen günstige Darlehen aus Mitteln der KfW zur Verfügung. Gefördert werden der Bau oder Weg zum KfW-Effizienzhaus oder Teilprojekte mit Einzelmaßnahmen wie Wärmeisolierung, Dämmung des Daches oder des obersten Geschosses, Wärmedämmung von erdnahen Wand- und Bodenflächen beheizter Räume und Kellerdecken, neue Fenster und hocheffiziente Heizungsanlagen.

Bei Sanierungen zum KfW-Effizienzhaus beträgt der maximale Anteil 75.000 Euro pro Wohneinheit. Auch ein Tilgungszuschuss von fünf Prozent oder 12,5 Prozent zusätzlich kann je nach Energiestandard nach der Sanierung bei der Wahl dieser Variante beantragt werden. Einzelmaßnahmen oder auch Kombinationen fördert die IBB mit maximal 50.000 Euro pro Wohneinheit.

Als Kooperationsprojekt der Investitionsbank Berlin IBB und der Berliner Energieagentur werden Vermietern und Hauseigentümern Beratungsangebote gemacht, um Sanierungen professionell und sinnvoll durchzuführen. Auf der Grundlage eines Vergleichs zwischen dem Ist- und Soll-Zustand der Immobilie werden speziell auf das Gebäude zugeschnittene Energiesparmaßnahmen entwickelt. Auf der Basis dieser Energieanalyse erstellen die Ingenieure und Architekten eine Wirtschaftlichkeitsberechnung und einen möglichen Ablaufplan.

Mieter können ablehnen

Günstige Bedingungen und der anhaltende Hype um die Hauptstadt holen Investoren nach Berlin. Kaufpreise um die 1000 Euro pro Quadratmeter und Mietshäuser zum günstigen Kurs einer 13-fachen Nettojahresmiete locken auch Renditejäger an, die kaufen, ein bisschen reparieren und schnell wieder verkaufen wollen. Sie übersehen dabei oft, dass die Mieten aufgrund der Mietpreisbindung nicht beliebig angepasst werden können. Auch Sanierungen scheitern oder verzögern sich erheblich, wenn ein Mieter mit Umbauten nicht einverstanden ist.

Corvin Tolle, Geschäftsführer von Rohrer Immobilien, sagt: "Da haben sich manche ausländische Investoren arg verrechnet. Zwar ist es möglich, sogenanntes Gemeinschaftseigentum‘ wie die Außenfassade und den Hof energetisch zu gestalten, aber bei Flur, Gegensprechanlage, Heizkörpern kann ein Mieter ablehnen und die ganze Sanierung jahrelang blockieren."

Dennoch lohne es aus wirtschaftlicher Sicht, Altbauten in Berlin zu sanieren. Auch wenn wegen der Investitionen am Ende nicht mehr 3 Euro, sondern 4 oder gar 5,50 Euro pro Quadratmeter Miete fällig sind, werde zumindest ein Teil der Erhöhung mittelfristig über niedrigere Umlagen wieder aufgeholt. "Abgesehen von der in der Regel erheblich verbesserten Wohnqualität, die gesund und klimafreundlich ist und den Wohlfühlfaktor beeinflusst, erhöht sich der Wert der Immobilie.Dies ist innerhalb der letzten Jahre schon messbar geworden", sagt Tolle.

ftd.de, 17:05 Uhr
© 2009 ftd.de © Fotos / Illustrationen: dpa


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