Ab morgens um sieben dröhnen in dem Wohngebiet „Am Rurufer“ in der Innenstadt von Düren Kreissägen und Presslufthammer. Der zwischen Ein- und Zweifamilienhäusern markant herausragende kaminrote Backsteinbau aus dem Jahr 1902 ist taghell erleuchtet. Mit je einem quadratischen Turm auf der Nord- und Südseite fällt das Gebäude schon von Weitem ins Auge. In der ursprünglich zur Produktion von Stecknadeln errichteten Fabrik sind rund ein halbes Dutzend Bauhandwerker an der Arbeit. Ihr aktueller Auftrag: die Decken sanieren. Dafür stemmen sie die renovierungsbedürftigen Teile vorsichtig heraus und bringen unter den Löchern 4,60 Meter hohe Baustützen an.
Anschließend verschalen sie die Decken und füllen die Löcher sorgfältig mit Beton auf. „Dies gewährleistet, dass die Tragfähigkeit des Gebäudes unverändert erhalten bleibt“, erklärt Bauunternehmer Bernd Vogt. Ihm gehört bis zur Brandmauer der kleinere Teil des Gebäudes. Eigentümer der etwas größeren Hälfte ist Thomas Roeb, der im Hauptjob als Professor für Marketing an der Fachhochschule Rhein-Sieg arbeitet. Schon vor vier Jahren ließ er eine Wohnung im Obergeschoss für sich ausbauen und zog dort mit Frau und Kind ein. „Ich finde es einfach toll in diesem einzigartigen Gebäude“, sagt Roeb.
Im nächsten Sommer sollen in dem 13 Meter hohen und fünfzig Meter langen Gebäude insgesamt 14 neue Loftwohnungen entstehen, zwischen 100 und 205 Quadratmeter groß und mit Deckenhöhen zwischen 3,80 Meter und 4,50 Meter. Schon jetzt sind die beiden Bauherrn auf der Suche nach Wohnungskäufern. „Nur wer den Kaufvertrag unterschreibt, bevor die Wohnungen errichtet werden, kann für die Baukosten die hohe steuerliche Denkmalschutzabschreibung in Anspruch nehmen“, begründet dies Roeb. Und Vogt fügt hinzu: „Außerdem können wir die Wünsche der Erwerber schon jetzt mit berücksichtigen.“
In Anbetracht der aktuellen Finanzkrise schauen private Kapitalanleger jetzt wieder verstärkt auf Immobilien. Sie bieten – anders als Zertifikate, Fonds und Aktien – Substanz und Inflationsschutz. Seit der Abschaffung der Eigenheimzulage stehen insbesondere denkmalgeschützte Gebäude im Fokus steuerorientierter Investoren. Sowohl für Vermieter als auch für Eigennutzer spendiert der Fiskus großzügige Steuerrabatte. „Wichtig ist eine Bescheinigung der Denkmalbehörde, dass die Baumaßnahmen erforderlich sind, um das Gebäude zu erhalten“, erklärt Hans-Joachim Beck, Immobilienexperte und Buchautor zu diesem Thema.

capital.de, 15:14 Uhr
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