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08.07.2010

Gastkommentar

 Die Deutschen werden sich künftig auf mittel- und kürzerfristige Zinsbindungen einstellen müssen
Investor-Artikel

Das Ende der stabilen Häuserpreise

Immobilienkredite in Deutschland wird es künftig fast nur mit variablen Zinsen geben. Der Wert der Häuser wird gefährlich schwanken, warnt der Präsident der Bundesverbands Öffentlicher Banken, Siegfried Jaschinski. Von Siegfried Jaschinski

Der Autor Siegfried Jaschinski war Vorstandschef der LBBW und Präsident des Bundesverbands Öffentlicher Banken.

Bekanntlich wurde die Finanzmarktkrise ausgelöst durch faule Immobilienkredite: Durch steigende Zinsen konnten viele verschuldete Hausbesitzer ihre Kredite nicht weiter bedienen. Denn in den USA wie auch in anderen europäischen Ländern ist es üblich, die Kreditzinsen alle drei oder sechs Monate im Gefolge der Zinspolitik der Notenbanken anzupassen.

In Deutschland hätte dies nicht passieren können, da Immobilienfinanzierungen mit bis zu zehnjährigen festen Zinskonditionen vergeben werden. Zwangsversteigerungen kommen daher etwa nur bei Arbeitslosigkeit vor, aber nicht wegen erhöhter Geldmarktzinsen. Das ist auch der wesentliche Grund für die stabile Entwicklung der Häuserpreise in Deutschland - im Unterschied zu vielen anderen Ländern.

Die Zukunft wird leider anders aussehen. Künftig werden in Deutschland langfristige Kredite weniger verfügbar sein und sich verteuern. Mit der Stabilität des deutschen Immobilienmarkts dürfte es nun vorbei sein.

Die Sondersituation günstiger Langfristkredite in Deutschland hatte zwei Gründe: erstens die große Zahl von Hypothekenbanken, die auf den deutschen Pfandbrief als sehr preiswerte Refinanzierungsquelle zurückgreifen konnten. Zweitens: die Landesbanken, die mit Staatsgarantien die großen Anbieter von Langfristfinanzierungen in Deutschland waren.

Die Zahl der Hypothekenbanken ist infolge der Finanzkrise stark geschrumpft, mehr noch ihre Bilanzsummen und das Angebot langfristiger Hypothekenkredite. Mit Pfandbriefen wurde stets nur ein Teil der langfristigen Kredite refinanziert. Wesentlicher waren kurzfristige Geldmarktfinanzierungen, die vor der Krise leicht verfügbar waren, wie die abschreckende Pleite der HRE-Bank Depfa gezeigt hat. Dieser hohe Anteil an Fristentransformation ist weder heute noch in Zukunft wieder möglich. Der Grund dafür sind nicht nur die geplanten erhöhten Liquiditätsanforderungen durch neue Gesetze, sondern auch der nachhaltige Rückgang wechselseitiger Kredite zwischen den Banken.

Die Landesbanken hatten ihre Stellung bei langfristigen Krediten genutzt, um in der Flugzeug-, Schiffs-, Infrastruktur- und Projektfinanzierung eine dominante Rolle im Weltmarkt einzunehmen. Bei der Immobilienfinanzierung spielten sie nicht nur direkt durch eigene Kredite eine bedeutende Rolle, sondern auch indirekt, da sie den Sparkassen umfangreich und langfristig Mittel zur Verfügung stellten.

Häuserkauf wird zum Risiko

Die Deutschen werden sich künftig auf mittel- und kürzerfristige Zinsbindungen einstellen müssen. Von den Notenbanken verursachte Zinserhöhungen werden unmittelbarer auf die Zinsbelastungen privater und professioneller Immobilieneigentümer durchschlagen. Viele Hausbesitzer können dann ihre Kredite nicht mehr bedienen und verlieren ihr Haus, Notverkäufe und Zwangsliquidationen in Krisenzeiten werden die Immobilienpreise sinken lassen.

Wenn die Immobilienpreise sinken, schrumpft wiederum der Wert der Sicherheiten bei anderen Schuldnern, sodass Banken Nachbesicherungen und höhere Zinsmargen verlangen müssen. Für Banken birgt das Immobilienkreditgeschäft kein verlässliches und überschaubares Risiko mehr.

capital.de, 10:49 Uhr
© 2010 capital.de © Fotos / Illustrationen: Getty


Was die Leser sagen

herbert ax
11.08.2010 | 20:19
Stabile Hauspreise

Nun ja haben unsere sogenannten fachleute noch ein Loch endeckt die Hausbesitzer auszunehmen.
Unser System der Langjährigen Hypothenfestschreibung hat doch Jahrzentelang bestens Funktioniert. Der selbe Schwachsinn wie in den USA ist in der Pipeline.
Irre
Sind die alle bekloppt???

herbert ax
08.07.2010 | 13:31
Hypotheken

Wenn das auf uns zu kommende Problem jetzt erkannt wurde sollte die sogenannte intelligenz sich schon Gedanken machen wie man solch eine Volkswirtschaftlich schädliche Entwicklung verhindern kann. Oder ist das etwa gar nicht beabsichtigt, so das man den Normalverdienern nicht nur die Spargroschen abgaunert sondern so versucht auch noch die Häuser abzuzocken. Die Banken kämen doch so auch preiswert an Immobilien und der Hausherr verliert in der Regel auch noch sein eingesetztes Eigenkapital. Ein Schelm wer sich da etwas bei denkt.

(Kommentare 1-2 von 2)

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