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09.07.2010

Forward-Darlehen

Investor-Artikel

Teures Ruhekissen

Die Zinsen von heute für morgen sichern. Was gut klingt und viele Bauherren ruhig schlafen lässt, lohnt sich nur dann, wenn die Zinsen auch tatsächlich steigen. Kommt es anders, drohen schnell Mehrkosten von zigtausend Euro. Von Markus Hinterberger

30.000 Euro Kosten für drei Jahre sorgenfreies Finanzieren. Gibt’s nicht? Leider doch. In diese Falle können Bauherren schnell tappen, wenn sie ihr Forward-Darlehen zum falschen Zeitpunkt abschließen. Zu diesem Ergebnis kommt die FMH Finanzberatung. Die Frankfurter haben die Forward-Aufschläge für ein, zwei und drei Jahre seit 2002 verglichen. Wer sich etwa die Zinsen von 2002 für ein Zehn-Jahres-Darlehen mit einem 36-Monats-Forward gesichert hat, hat rund drei Prozentpunkte mehr gezahlt, als wenn er bis 2005 gewartet hätte. Bei einem Darlehen von 100.000 Euro kamen Mehrkosten von rund 30.000 Euro zusammen, errechnete FMH.

Bauherren, die sich die Zinsen von 2005 sichern konnten, konnten hingegen 4500 Euro sparen, denn nach 2005 zogen die Zinsen wieder an. Dass sich die Ersparnis im Vergleich zum ersten Rechenbeispiel in Grenzen hält, liegt an den Forwardaufschlägen.

Auf die Aufschläge achten

Banken vergeben die Zinssicherheit nicht umsonst. Wer also den aktuellen Zinssatz bis über ein Jahr konservieren will, zahlt 0,48 Prozentpunkte auf den momentanen Zins drauf – meist gibt es die ersten sechs Monate des Forwards gratis, bei einigen Anbietern ist sogar das gesamte erste Jahr kostenlos. Damit diese Rechnung aufgeht, muss der Darlehenszins auch entsprechend steigen. Fallen die Zinsen – wie in den vergangen Monaten – weiter, macht der Kunde ein Verlustgeschäft. Bei Kreditsummen im sechsstelligen Eurobereich machen eben auch die Nachkommastellen schnell einige Tausender mehr aus.

Ein Blick in die Statistiken der Finanzierungsdatenbank Europace zeigt, dass Bauhherren vor allem dann im Voraus finanzieren, wenn die Aufschläge günstig sind. Die falsche Taktik, wie FMH-Chef Max Herbst herausgefunden hat. Niedrige Aufschläge deuten auch auf fallende Zinsen hin. 2007 und 2008 gab es wieder diese Situation, die Forward-Aufschläge machten nur einen Bruchteil der heutigen Kosten aus und Forwards waren beliebt wie selten. Wer damals an ein Schnäppchen glaubte, für den kam das böse Erwachen, denn seit Mitte 2008 sinken die Zinsen. Darlehen mit zehnjähriger Zinsbindung kosteten damals rund 5,3 Prozent, nun sind es 3,5 Prozent.

Die Zinsen sind niedrig - doch wie lange noch?

Auch wenn der Schuss schnell nach hinten losgehen kann, hält Herbst Forward-Darlehen dennoch nicht für Teufelszeug. "Wer in einer Niedrigzinsphase, wie heute, zum richtigen Zeitpunkt unterschreibt, kann wahrscheinlich über seinen Forward freuen und kann ruhig schlafen", meint der Experte. Er rät, sich zu informieren und Angebote zu vergleichen, um dann zum richtigen Zeitpunkt schnell handeln zu können.

Überstürzen sollte man nichts, denn wie lange sich die Zinsen im Tal bewegen, wissen auch Experten nicht. Fest steht nur, sie liegen derzeit weit unter dem langjährigen Durchschnitt von über sechs Prozent.

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© 2010 capital.de © Fotos / Illustrationen: Getty


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