Seit Oktober vergangenen Jahres hat der Euro gegenüber dem Schweizer Franken 6,6 Prozent eingebüßt. In entsprechendem Umfang ist damit der zu tilgende Betrag der Immobilienkredite gestiegen. "Wer damals einen Kredit über 100.000 Euro in Franken aufgenommen hat, muss beim gegenwärtigen Wechselkurs effektiv 6600 Euro mehr zurückzahlen", sagt Niels Nauhauser, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. 100.000 Euro entsprachen vor sieben Monaten 152.000 Schweizer Franken. Heute sind es nur noch 142.000 Franken. Da der Kredit in Franken aufgenommen wurde, beläuft sich die Schuldsumme jedoch weiterhin auf 152.000 - was derzeit 106.600 Euro entspricht.
Die Zinsbindungsfrist bei den von Banken und Sparkassen offerierten Fremdwährungskrediten beträgt maximal zwölf Monate. Dies soll verhindern, dass die Kunden hohe Verluste durch Wechselkursschwankungen erleiden und die Kreditgeber hohe Wertberichtigungen vornehmen müssen. "Fällt der Euro in diesen zwölf Monaten gegen den Franken, werden geleistete Tilgungszahlungen teilweise oder gänzlich aufgehoben", erläutert Nauhauser. "Bei starken Währungskursverlusten kann daher trotz Tilgung die Schuldsumme steigen." Damit der Vertrag verlängert wird, müssen die Kunden in diesem Fall Nachschüsse leisten oder zur Refinanzierung ein Euro-Darlehen aufnehmen.
Vor allem österreichische Banken hatten bis Ende 2009 in erheblichem Umfang Franken-Kredite abgesetzt. Viele Kunden griffen begeistert zu, weil das Zinsniveau in der Schweiz deutlich niedriger als in der Euro-Zone war. Zeitweise lagen die Zinssätze von Darlehen in Schweizer Franken um mehr als 2,5 Prozentpunkte unter denen von Euro-Krediten. In Österreich wurden in den vergangenen zehn Jahren rund 40 Prozent aller Hypothekendarlehen in Franken aufgenommen. In Deutschland fanden die Fremdwährungskredite vor allem in Bayern und Baden-Württemberg Verbreitung. Unter anderem bot die Münchner Hypovereinsbank (HVB) Immobilienfinanzierungen in Schweizer Währung an.

Jetzt lässt die gegenwärtige Schwäche des Euro Franken-Darlehen für Immobilienkäufer sogar besonders attraktiv erscheinen. Denn sie würden profitieren, wenn die Gemeinschaftswährung gegen den Franken wieder zulegt. In diesem Fall sinkt der effektiv zurückzuzahlende Kreditbetrag. "Als der Euro von 2003 bis Ende 2007 gegenüber der Schweizer Währung um 13,8 Prozent aufwertete, sank die Schuldenlast der Darlehensnehmer in entsprechendem Umfang", sagt Frank Möller, Devisenhändler der Bremer Landesbank. Allerdings ist es keineswegs sicher, dass sich der Euro so bald wieder erholt.
Deutsche Banken bieten weiter Franken-Kredite an
Ohnehin haben inzwischen viele österreichische Banken die Vergabe neuer Fremdwährungskredite eingestellt. Die österreichische Finanzaufsicht FMA hatte überdies bereits im März die Kreditaufnahme in Fremdwährungen für Privatpersonen wegen zu hoher Risiken eingeschränkt. Auch die HVB offeriert ihr "Schweizer-Franken-Darlehen" nicht mehr. "Durch die Euro-Krise ist die Volatilität am Devisenmarkt zu sehr gestiegen", sagt ein HVB-Sprecher. Hingegen bieten einige deutsche Regionalinstitute im grenznahen Schweizer Raum weiterhin Franken-Kredite an. "Wir bewerben dieses Produkt nicht aktiv, stellen es aber bereit, wenn es ein Kunde verlangt und es zu ihm passt", sagt Wolfgang Aich, Sprecher der Sparkasse Bodensee. Vor allem "Grenzgänger", die in der Schweiz arbeiten und in Franken entlohnt werden, jedoch in Deutschland ihr Haus gekauft haben, seien an Franken-Krediten interessiert. Für diese Immobilienerwerber sei ein solches Darlehen auch sinnvoll, sagt Verbraucherschützer Nauhauser. "Die Finanzierung sollte immer in der Währung erfolgen, in der auch das Einkommen bezogen wird, um Risiken durch Wechselkursschwankungen zu vermeiden."
Aus diesem Grund seien Franken-Darlehen jedoch für Euro-Gehaltsbezieher zu gefährlich, rät Nauhauser generell von diesen Krediten ab. Diese Auffassung wird auch beim Immobilienkreditvermittler Interhyp vertreten. Die in München ansässige Gesellschaft hat auch für süddeutsche Kunden nie Fremdwährungsdarlehen angeboten. Sprecherin Heidi Müller: "Eigenheimerwerber benötigen Planungssicherheit bei der Immobilienfinanzierung und keine riskanten Devisenspekulationen."
capital.de, 27.05.2010
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