Die durch die Euro-Krise ausgelöste Überbewertung des Franken macht zinsgünstige Immobilienfinanzierungen in Schweizer Währung für deutsche Eigenheimkäufer wieder interessant. Seit die Schweizer Nationalbank zu Monatsbeginn einen Mindestkurs von 1,20 Franken je
Euro verkündet hat, ist die Alpenwährung nicht weiter gestiegen. Hält die Notenbank Wort, heißt das im Klartext: Der Franken kann sich zum Euro nicht weiter verteuern - was der größte Feind eines Franken-Kreditnehmers aus dem Euro-Raum ist. Er kann sehr wohl aber fallen - was einem Kreditnehmer sehr recht wäre. "Fällt die eidgenössische Währung, würde damit automatisch die Schuldenlast für Franken-Kreditnehmer aus dem Euro-Raum schrumpfen", sagt Niels Nauhauser, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg.
Zudem sind Frankendarlehen deutlich günstiger, weil die Schweizer Nationalbank den Leitzins in der Schweiz auf null gesenkt hat: Süddeutsche und österreichische Sparkassen und Volksbanken in Deutschland bieten derzeit Franken-Darlehen mit zehnjähriger Festzinsbindung zu Zinssätzen ab 2,1 Prozent an. Internetvermittler wie der österreichische Anbieter Powerhyp offerieren darüber hinaus Franken-Darlehen von Schweizer Banken zu Zinssätzen ab 1,5 Prozent.
Hingegen beträgt der Durchschnittszinssatz für zehnjährige Hypothekenkredite in Euro nach Berechnungen des Verbraucherportals Biallo.de momentan 3,4 Prozent. So manche Modellrechnung sieht da ganz anders aus. "Über die gesamte Laufzeit betrachtet, bieten Franken-Darlehen eine Zinsersparnis von rund 35 Prozent", sagt eine Powerhyp-Sprecherin.
In den vergangenen Jahren lief das Devisenspiel allerdings gegen die Franken-Finanzierer: Wegen der Finanz- und Schuldenkrise sind Anleger aus aller Welt in Scharen in die Alpenwährung geflüchtet. Seit November 2007 wertete der Franken dadurch um fast 30 Prozent gegen den Euro auf. Im selben Umfang stieg, in Euro gerechnet, die Restschuld, wodurch die Zinsvorteile zunichtegemacht wurden. "Eigentümer, die ihr Haus in Franken finanziert haben, mussten erfahren, dass Fremdwährungsdarlehen erhebliche Wechselkursrisiken beinhalten", sagt Verbraucherschützer Nauhauser.
Immobilienfinanzierungen in Franken werden sowohl als klassische Annuitätendarlehen mit mehrjähriger Zinsbindung und fortlaufendem Schuldenabtrag als auch als Tilgungsaussetzer-Kredit angeboten. "Im letzteren Fall zahlen die Darlehensnehmer nur den Kreditzins und sparen separat den Tilgungsbetrag an", sagt Kai Oppel, Autor mehrerer Bücher zur Immobilienfinanzierung. Diese Variante sei jedoch besonders gefährlich, weil die in Euro zu zahlende Schuldenlast bei einer Aufwertung des Franken wächst. Darüber hinaus gibt es variable Franken-Darlehen, deren Zinssatz an die Interbankenrate gekoppelt ist. Alle drei Monate wird der Zinssatz angepasst. "Steigt der Zinssatz, kann das Darlehen gekündigt und in einen Euro-Kredit umgewandelt werden", sagt Oppel.
Franken-Darlehen waren bis zum rapiden Anstieg der Schweizer Währung bei Eigenheimerwerbern vor allem in Baden-Württemberg, Bayern und Sachsen sowie in Österreich nicht nur wegen der niedrigen Zinsen sehr beliebt. Lange Zeiten spielte die Entwicklung der Wechselkurse den Franken-Finanzierern in die Hände. Von 2002 bis 2007 verlor die eidgenössische Währung 16 Prozent zum Euro. Im selben Umfang reduzierte sich die Schuldenlast in Franken.

capital.de, 11:45 Uhr
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