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15.04.2010
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Misere am Immobilienmarkt

US-Banken gehen hart gegen Häuslebauer vor

Scheinbar unaufhaltsam steigt die Zahl der Amerikaner, die ihr Eigenheim verlieren. Die Banken nehmen so viele Immobilien in Besitz wie nie - und führen der Regierung vor Augen, dass Geld allein nicht hilft. Von Christine Mai

Die Lage am US-Häusermarkt verschärft sich weiter: Zwangsversteigerungen nahmen im ersten Quartal laut dem Datendienstleister Realtytrac um 16 Prozent zum Vorjahr zu. Die Zahl der Beschlagnahmung von Eigenheimen durch Banken erreichte mit einem Plus von 35 Prozent gegenüber dem selben Zeitraum 2009 ein Rekordhoch.

Insgesamt 932.234 Haushalte - das ist jeder 138. in den USA - steckten in dem Prozess, der letztlich zum Verlust der eigenen Immobilie führt. Dazu zählt Realtytrac Benachrichtigungen, mit denen Kreditnehmer in Verzug gesetzt oder Versteigerungen angekündigt werden, sowie Fälle, in denen die Bank das Haus in Besitz nimmt. Auch im kurzfristigen Vergleich ist die Tendenz alarmierend: Im Vergleich zum Vorquartal lag das Plus bei neun Prozent. Beschlagnahmungen durch Geldhäuser erreichten mit 257.944 einen Höchststand.

Hintergrund ist die desolate Lage am Arbeitsmarkt. Millionen von Amerikanern haben ihre Jobs verloren und geraten in Zahlungsschwieirigkeiten. Im März lag die Arbeitslosenquote bei 9,7 Prozent. Es wird erwartet, dass der Wert noch eine Weile bei etwa zehn Prozent liegen wird.

Hinzu kommt, dass die Banken offenbar entschlossener vorgehen. Die stark gestiegene Zahl der Beschlagnahmungen "könnte ein weiterer Beweis dafür sein, dass Banken anfangen, den Rückstand bei den notleidenden Beständen abzubauen, der sich über das vergangene Jahr angestaut hat", sagte Realtytrac-Chef James Saccacio. Diese Entwicklung dürfte in den kommenden Quartalen Spuren in den Ergebnissen der Institute hinterlassen. Auch Hauspreise könnten leiden, wenn dadurch mehr Immobilien auf den Markt kommen.

Staatshilfe bremst nur

Saccacio fügte hinzu, die Hilfsprogramme der Regierung hätten den "normalen" Zwangsvollstreckungsprozess verlangsamt. Kritiker der staatlichen Bemühungen dürften sich durch diese Äußerung bestätigt sehen. Sie argumentieren, die Initiativen hätten wenn überhaupt lediglich temporäre Auswirkungen. Mit einer nachhaltigen Besserung rechnen sie erst, wenn sich die Lage am Arbeitsmarkt entspannt hat.

Washington hat ein 75 Milliarden Dollar schweres Programm aufgelegt, mit dem vor allem günstigere Konditionen für Eigenheimbesitzer erreicht werden sollen. Im vergangenen Monat kam ein 14 Milliarden Dollar umfassendes Paket hinzu. Ziel ist hier insbesondere, Eigenheimbesitzern zu helfen, deren Hypothekenschulden höher sind als der Wert der Immobilie. Dies ist mittlerweile bei rund einem Fünftel aller mit Hypotheken belasteten Eigenheime so.

capital.de, 15:47 Uhr
© 2010 capital.de © Fotos / Illustrationen: Getty


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