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17.08.2010
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Krisenherd

Die Hauspreiserholung in Großbritannien könnte schon wieder zu Ende sein

Britischer Häusermarkt vor neuer Talfahrt

Der schwächelnde US-Immobiliensektor treibt Investoren seit Wochen um. Doch auch in Großbritannien droht ein Rückfall - die Preise sinken wieder, Experten erwarten weitere Rückgänge. Vor allem das kommende Jahr gilt als kritisch. Von Christine Mai, Tobias Bayer

Die Erholung am britischen Häusermarkt droht bereits wieder an Schwung zu verlieren. Geforderte Verkaufspreise für Eigenheime in England und Wales sind im August laut dem Immobilienwebseitenbetreiber Rightmove um 1,7 Prozent zum Vormonat zurückgegangen. Das ist das größte Minus seit Dezember und der zweite in diesem Jahr. In London belief sich der Rückgang sogar auf 4,1 Prozent - damit fallen die Preise in der Hauptstadt auf den Stand von Januar zurück.

Damit rückt ein weiterer von der Finanzkrise schwer getroffener Immobiliensektor wieder in den Vordergrund. Seit einigen Wochen schüren bereits schwache Daten vom US-Häusermarkt Sorgen um ein erneutes Abrutschen. Ein funktionierender Hausmarkt gilt allerdings als unerlässlich für eine gesunde Volkswirtschaft - der frühere Chef der US-Notenbank, Alan Greenspan, warnte kürzlich, die amerikanische Wirtschaft könnte in die Rezession zurückfallen, wenn Hauspreise zurückgingen.

Volkswirte von Morgan Stanley gehen davon aus, dass die Hauspreise in Großbritannien bis Ende 2011 um sieben Prozent fallen werden. Über einen Zeitraum von fünf Jahren sagen sie große Schwankungen voraus. Den pessimistischen Ausblick begründen sie mit einem stagnierenden Einkommen der Haushalte und einem wahrscheinlichen Anstieg der Hypothekenzinsen.

Trotz einer hohen Arbeitslosenquote und eines nur sehr verhaltenen Lohnzuwachses legte das verfügbare Einkommen in Großbritannien in den Jahren 2008 und 2009 klar zu. Im vergangenen Jahr stieg es nominal um 3,2 Prozent. Inflationsbereinigt lag das Plus immer noch bei 1,8 Prozent. Grund dafür waren geringere Zinszahlungen, eine niedrigere Steuerbelastung und höhere Transferleistungen vom Staat. Die Entwicklung werde aber nicht anhalten, schreiben die Morgan-Stanley-Experten. 2010 und 2011 werde der Zuwachs nur noch halb so hoch ausfallen: "Steuern und Zinsen werden steigen."

Entscheidend für die Entwicklung der Hypothekenzinsen sind die Kosten der Refinanzierung für die britischen Banken. Nach Schätzung von Morgan Stanley müssen Geldhäuser auf der Insel wie Barclays, Lloyds oder die Royal Bank of Scotland eine Lücke von 500 Mrd. Pfund füllen: "Unsere Sorge konzentriert sich auf das Jahr 2011. Wenn die Marktbedingungen schwierig bleiben, dann werden die Banken Probleme haben, Sparten und Vermögenswerte zu verkaufen. Das würde bedeuten, dass noch ein größerer Teil der Refinanzierung erneuert werden muss."

Die Hypothekenraten werden zudem durch die Bank of England (BoE) bestimmt. Momentan hält sie den Leitzins auf dem historischen Tief von 0,5 Prozent. Nach eigener Aussage hat sie Spielraum, an der Politik des ultralockeren Geldes länger festzuhalten, weil der Teuerungsdruck verhalten bleibt. Das geht aus ihrem Inflationsbericht hervor. Für 2011 geht sie davon aus, dass die Teuerungsrate über ihrem Ziel von 2,0 Prozent bleibt, für 2012 rechnet sie mit einem Absinken auf deutlich unter 2,0 Prozent. Das deutet daraufhin, dass eine Zinswende nicht in Sicht ist.

Dekabank-Volkswirt Sebastian Wanke zweifelt die Sichtweise der BoE an. Mit 3,2 Prozent lag die Teuerung zuletzt klar über dem Ziel für Preisstabilität. "Momentan ist der Ausblick der Notenbank noch glaubhaft. Doch ob die Marktteilnehmer das auch noch 2011 so sehen, wenn die Inflationsrate weiterhin merklich über dem Inflationsziel verharrt, darf angezweifelt werden", schreibt Wanke. Er sagt für nächstes Jahr zwei Zinserhöhungen der BoE auf dann 1,0 Prozent voraus.

capital.de, 08:33 Uhr
© 2010 capital.de © Fotos / Illustrationen: reuters


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