25 Prozent Rabatt für ihre neuen Nachbarn, das war dann doch zu viel: Weil Interessenten der Kauf einer Wohnung in einem der vielen Schanghaier Glitzertürme mit heftigem Preisnachlass schmackhaft gemacht werden sollte, stürmten Hunderte Chinesen, die bereits Eigentümer eines Apartments in der Anlage sind, am vergangenen Samstag das Verkaufsbüro des Immobilienentwicklers. Rückerstattung der Kaufsumme oder zumindest ein nachträglicher Preisabschlag - so lautete ihre Forderung.
Als der Verkäufer ablehnte, eskalierte die Situation: Die Alteigentümer zertrümmerten kurzerhand den Showroom, hinterließen eine Spur der Verwüstung - und einen Beleg dafür, wie angespannt die Lage im Immobilien-Boomland China ist. Schließlich kennen die Preise dort seit Jahren nur eine Richtung: nach oben. Zugleich aber häufen sich Berichte über aberwitzig große Bauprojekte, leerstehende Industriegebiete, neue Stadtteile mit Hunderttausenden Wohnungen ohne Einwohner.
Inzwischen mehren sich die Anzeichen dafür, dass die Vorstöße der Regierung, den überhitzten Häusermarkt abzukühlen, Erfolg zeigen. Gleichzeitig freilich steigt die Sorge, dass der Sektor das Wachstum der gesamten Volkswirtschaft, an der die Weltkonjunktur hängt, ausbremst. Immerhin 20 Prozent aller Anlageinvestitionen in China entfallen auf den Immobilienmarkt. Nun aber scheint der Traum ausgeträumt - und was das Platzen einer Immobilienblase bewirken kann, hat sich nicht zuletzt im Land des Klassenfeinds USA gezeigt.
"Wir sehen rückläufige Verkäufe, vor allem in den Metropolen", sagt Shirley Xiao, Vorstand bei Vanke, Chinas größtem Immobilienentwickler. In 14 der größten Städte sind die Verkäufe im September im Vergleich zum Vorjahr bereits deutlich geschrumpft, die Preise fallen, wenngleich noch in kleinen Schritten. Selbst wer sich einen Kauf leisten kann, wartet ab, ob die Preise weiter sinken. Im Landesdurchschnitt steigen sie zwar noch, allerdings langsamer als früher.
Die meisten Immobilienentwickler halten sich mit Rabatten dennoch zurück - nicht nur aus Angst vor dem Mob. Sie hoffen, dass die Regierung die Vorgaben für den Sektor - die meisten Städte begrenzen Käufe auf eine einzige Immobilie, die Anforderungen für Anzahlungen auf den Kaufpreis wurden deutlich angehoben - wieder lockert. Doch Peking sei vorrangig an günstigerem Wohnraum für große Teile der Bevölkerung gelegen, nicht am Wohlergehen der Immobilienfirmen, glauben Kenner.
Kein Wunder also, dass auf Chinas Immobilienentwickler eine Konsolidierungswelle zurollt, wie John Saunders erwartet. Der Asien-Chef der auf Büroimmobilien spezialisierten Beteiligungsgesellschaft MGPA rechnet zwar nicht mit einem Crash, aber doch mit Preisnachlässen - und guten Einstiegschancen für seine Branche. Dass er dafür die Axt in die Hand nimmt, ist indes unwahrscheinlich.






