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12.03.2008

Hafenanlagen

Aus alt mach neu

Das Leben an Wasser und Häfen übt auf viele Menschen eine besondere Anziehungskraft aus. Insbesondere in Hafenarealen, in denen früher Schiffe be- und entladen oder gebaut wurden und die später über Jahre oder Jahrzehnte brachlagen, entstehen heute oft erstklassige Immobilien. Von Dorothee Schwarz, Sydney

Ein Beispiel für die Revitalisierung eines lange vernachlässigten Areals ist Sydneys Walsh Bay. Behäbig plätschert das Wasser gegen Holzbohlen und sportliche Motorboote. Es ist ruhig an den ehemaligen Schiffsanlegern in Sydneys Walsh Bay. Die Sydney Theatre Company gibt, wie jeden Abend, in den Theatern auf Pier 4/5 ihre Kunst zum Besten, aus den Studios der Sydney Dance Company tönen leise Rhythmen, die Warteschlange vor dem Restaurant "Firefly" hat sich aufgelöst. Nur vereinzelt laufen Anwohner der Pier-Apartments zu ihren Booten, machen die Leinen los und begeben sich auf eine kleine Spitztour durch den Hafen.

Im Erdgeschoss der Shore-Apartments weisen Hochglanzbroschüren von „City Living“ auf freie Immobilien hin. Viele Wohnungen sind es nicht, die die Makler anbieten können. Ein Penthouse steht zum Verkauf – ohne Preisangabe – und vier Wohnungen warten auf neue Mieter, teils auf dem Pier, teils auf dem festen Land. "Angebote in den Pier- und Shore-Apartments sind fast nie zu bekommen und bleiben auch nicht lange auf dem Markt", erklärt Makler Tasman Fallshaw. "In der Regel sind die Wohnungen nach rund drei Wochen in neuen Händen." Die Mieten von – in den aktuellen Fällen – bis 3500 australischen Dollar pro Woche, oder Kaufpreise von mehreren Millionen australischen Dollar, schrecken die Wohnungssuchenden dabei nicht ab.

Termiten und Stakeholder

So groß die Begeisterung für die Immobilien seit Frühjahr 2000 ist, dem Zeitpunkt, an dem sie erstmalig zum Verkauf angeboten wurden: Lange Zeit sah die Zukunft von Walsh Bay nicht rosig aus. In den 1820er-Jahren als Umschlagplatz für Schiffscargo errichtet, entwickelte sich Walsh Bay zunächst schnell zu einem geschäftigen, bis in die 1970er-Jahre genutzten Hafen. Durch die Entwicklungen in der Container-Schifffahrt, konnten die Anlagen Ende des vergangenen Jahrhunderts jedoch nicht mehr mit den Anforderungen der Industrie mithalten. Das so bekannte Bild brachliegender und verfallender Hafenareale fand sich nun auch in Sydney. Relativ bald stand aber fest: Walsh Bay soll prinzipiell erhalten bleiben und umgenutzt werden. Die Regierung von New South Wales stellte das Gebiet 1988 unter Denkmalschutz und verhinderte so den Abriss der historischen Anlagen. Vom "Theater-Pier" 4/5 abgesehen, der bereits in den 80er-Jahren restauriert wurde, bewegten sich danach allerdings für rund zehn weitere Jahre weder Bagger noch Kräne. Mehrere Versuche, die Anleger umzugestalten, verliefen im Sand. Es kam zu Verzögerungen, Investoren sprangen ab. Und neben Denkmalschutzkriterien machten weder die Regierung noch die vierzig Stakeholder, die bei der Neugestaltung mitreden wollten, die Planung leichter. Außerdem war bis 1996 nicht bekannt, dass Termiten die Holzbohlen und -konstruktionen der Anlage so stark angegriffen hatten, dass diese ausgetauscht werden mussten. Die dadurch nötige Anpassung der Pläne kostete natürlich viel Zeit und Geld. Als Ende der 90er-Jahre Pragmatiker gegen Denkmalschützer kämpften und sich auf keinen Masterplan für Walsh Bay einigen konnten, meldete sich Architekt Ian Stapleton zu Wort, um den Faktor Zeit ins Bewusstsein zu rücken. Er mahnte: "Aufgrund der fatalen Kombination von Termiten und eindringender Nässe herrscht dringender Tatbedarf. In ein oder zwei Jahren könnte es nicht nur sein, dass die Restauration der Piers unwirtschaftlich ist, sie könnte schlicht nicht mehr möglich sein." Im Sommer 1998 wurde so der Walsh Bay Masterplan abgesegnet. Mehr als 20 Millionen Dollar waren bis zu diesem Zeitpunkt bereits in das Projekt investiert worden. Bis zum Bauende 2002 erhöhte sich die Summe auf 650 Millionen.

Privatsphäre für Prominenz

Dass die Immobilien begehrt waren, als sie im Führjahr 2000 auf den Markt kamen, ist vermutlich noch untertrieben. "Innerhalb eines einzigen Tages waren die rund 230 Pier-Apartments vom Plan weg verkauft", berichtet Makler Tasman Fallshaw. Zu Zeiten, in denen der Durchschnittspreis von Immobilien in Sydney bei 360.000 Dollar lag, kosteten die Apartments zwischen 850.000 und knapp sechs Millionen australische Dollar. Die Investition hat sich für die Inhaber aber zweifelsohne gelohnt: In den acht Jahren seit dem Erstverkauf ist der Wiederverkaufswert teilweise um bis zu 78 Prozent gestiegen. Seit ihrer Umgestaltung erfreut sich die Gegend um Walsh Bay nun großer Beliebtheit. Das ist kein Wunder, denn die Kombination aus Luxusapartments, Leben am oder sogar auf dem Wasser, der kulturellen und gastronomischen Infrastruktur sowie der Nähe zur Innenstadt ist in Sydney schwer zu überbieten. "Die Bewohner leben hier mitten in der Stadt. Doch gleichzeitig ist die Ecke sehr ruhig", fasst Tasman Fallshaw die Attraktivität der Lage zusammen. Ebenfalls befinden sich die Pier-Apartments auf dem einzigen Privatpier Sydneys. Diesen Pluspunkt wissen seine Bewohner zu schätzen. Eine Zeitlang gehörte auch die Paparazzi-geplagte Schauspielerin Nicole Kidman zu ihnen.

Mehr zum Thema Hafenanlagen als lohnende Investition, lesen Sie hier hier.

capital.de, 12:00 Uhr
© 2008 capital.de © Fotos / Illustrationen: Photocase


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