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02.09.2009

Ferienimmobilien-Kompass: Frankreich

Schnäppchen in spe

Auch der französische Immobilienmarkt kann sich der Krise nicht verwehren. Die Zahl der Transaktionen von Zweitimmobilien sinkt – und mit ihr, wenn auch langsamer, die Preise. Wenn die Verkäufer ihre Forderungen anpassen, sind hier lohnende Geschäfte zu machen. Von Muriel Kiefel

Ob ehemaliger Herrensitz, Landhaus, Villa oder restaurierter Bauernhof: Auf dem Ferienimmobilienmarkt ergeben sich mit der rückläufigen Transaktionsrate interessante Kaufgelegenheiten. In zahlreichen Regionen Frankreichs gehen die Preise zurück: Laut FNAIM, dem nationalen Verband der Immobilienmakler, sanken die Preise im ersten Quartal 2009 um etwa zehn Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

In den bei Ausländern besonders beliebten Gegenden machen sich die rückläufige Transaktionsrate und sinkende Preise verstärkt bemerkbar. Die Engländer, traditionell die größte Gruppe ausländischer Immobilieneigentümer in Frankreich, ziehen sich zurück. Infolge der Krise und als Opfer des gefallenen Pfund Sterling packen viele ihre Kisten – oder haben zumindest die Absicht. Denn potenzielle Käufer stehen nicht Schlange. Zumindest noch nicht. Erst wenn die Eigentümer ihre Preisvorstellungen überdenken, ist mit einer steigenden Nachfrage zu rechnen.

Die Russen kaufen noch an der Côte d’Azur, allerdings mit einem besorgten Blick aufs Budget. Wo sie vor Kurzem noch 20 bis 30 Millionen ausgegeben hätten, geben sie heute nur noch fünf bis zehn Millionen Euro aus. Tatsächlich leiden die Russen besonders stark unter der wirtschaftlichen Krise: So hat der russische Investor, der die berühmte Villa Leopolda in Beaulieu-sur-Mer (zwischen Nizza und Monaco) für den Rekordpreis von 500 Millionen Euro kaufen wollte und dadurch in die Schlagzeilen geriet, den Kauf abgesagt und damit 40 Millionen Euro verloren.

Der französische Markt für Zweitimmobilien wird nicht gleichmäßig von der Krise getroffen. Im Luxussegment haben sich die Preise kaum geändert, denn solche Objekte sind selten. Doch ist auch hier die Zahl der Transaktionen rückläufig: „Käufer für Luxusanwesen gibt es zwar noch immer, aber 30 bis 40 Prozent weniger als zuvor“, so das Maklerunternehmen Emile Garcin Propriétés. Die Nachfrage wird jedoch nicht verebben, gelten Luxusimmobilien doch als wertbeständige Investments, die in Krisenzeiten besonders hoch im Kurs stehen. Dies gilt insbesondre für den Markt an der Côte d’Azur, wo Adel und Geldadel traditionell in Immobilien investieren.

Das mittlere Preissegment (unter 800.000 Euro) spürt die Krise am deutlichsten: Von einer Korrektur des Marktes ist die Rede. Mit einer Abschwächung des Booms musste gerechnet werden, so die Experten. Denn die Preise waren in zehn Jahren, von 1997 bis 2007, um 178 Prozent gestiegen. Erstes Indiz für eine Trendwende war die starke Verlangsamung in der Verkaufsabwicklung, die ab September 2007 auftrat. Die Preise fielen jedoch nicht sofort, da die Eigentümer nicht bereit waren, ihre Forderungen zu überprüfen. „Hier sind jetzt gute Geschäfte zu machen“, bestätigen die Experten.

Nach der Zurückhaltung 2008 suchen die Käufer seit dem Frühling dieses Jahres erneut die Agenturen auf – ein Zeichen dafür, dass Ferienimmobilien weiterhin gefragt sind. Dabei liegt der Fokus verstärkt auf dem Preis. Die Käufer wollen Schnäppchen machen, und so sind die Preisangebote oft sehr viel niedriger als die Forderungen der Verkäufer. Transaktionen werden daher weiterhin sehr langsam abgewickelt.

Lesen Sie im Capital Immobilien-Kompass mehr zu den französischen Feriengebieten unter:
Côte d'Azur
La Gironde

Capital, 15:14 Uhr
© 2009 Capital © Fotos / Illustrationen: Fotolia


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