Die spanische Immobilien- und Finanzkrise hat Mallorca erreicht. Die Wohnungspreise sanken auf den Balearen im ersten Halbjahr 2008 laut dem spanischen Branchenportal Facilisimo.com um mehr als zehn Prozent. Der durchschnittliche Quadratmeterpreis liegt nun bei 2.455 Euro und damit immer noch über dem nationalen Durchschnitt von 2.340 Euro. Einer der Gründe für den schnellen Wertverlust: Die Pleite zweier lokaler Bauunternehmen und der Konkurs des größten spanischen Bauträgers Martinsa Fadesa, der zahlreiche Bauvorhaben auf der Insel gestoppt hat.
Doch noch ist es zu früh, in der Hoffnung auf Schnäppchenpreise zum Immobilienkauf gen Balearen aufzubrechen. Denn bisher ist der Ferienimmobilienbereich vom sich abzeichnen Abschwung nur bedingt betroffen, die bisherigen Konkursobjekte waren vor allem Erstwohnsitze in Palma und im Landesinneren. Mittelfristig ist es jedoch sehr wahrscheinlich, dass mit dem mallorquinischen Gesamtmarkt auch die Ferienimmobilien leiden – auch wenn viele Makler das immer noch nicht zugeben wollen. José Oliver vom balearischen Maklerverband Colegio de Agentes de la Propiedad Inmobiliaria de Balears glaubt, dass auf den Balearen derzeit 5.000 Wohnungen nicht verkauft werden können: "Das liegt auch daran, dass die Bauträger noch nicht die Zeichen der Zeit erkannt haben und bei diesen Objekten noch nicht die Preise signifikant senken."
Die Leipziger Concept Hausbau glaubt, dass die Verkäufer ein wegen des nicht mehr lange durchhalten werden. Davon will Concept Hausbau profitieren. Denn das Unternehmen gehört zu den deutschen Investoren, die schon heute nach Schnäppchen auf der Insel suchen. „Wir haben bereits einige stillgelegten Projekte ins Auge gefasst, auch aus dem Ferienimmobilienbereich“, sagt Vorstand Matthias Meindel.
Viele dieser Urlaubswohnungen wurden über spanische Sparkassen finanziert, und die geraten derzeit erheblich unter Druck. Die spanische Notenbank hat nach Zeitungsberichten bereits eine Liste von zehn Wackelkandidaten erstellt, bei denen die stark wachsende Kreditausfallrate schon bald nicht mehr durch die eigene Risikovorsorge gedeckt wird und die Notenbank eventuell Geld nachschiessen muss. Zu diesen Kandidaten gehören unter anderen die CAM, Cajasur, Caja Cantabria, Sa Nostra, Caixa Catalunya, und die Caixa Sababell. "Mit diesen Sparkassen dürfte das verhandeln um stillgelegte Projekte jetzt einfacher werden", glaubt Meindel.
Noch findet man leerstehenden Häuser oder halbfertige Ferienwohnungsanlagen aber fast ausschließlich im billigeren, vom Massentourismus durchzogenen Osten der Insel von Port Colom bis hoch nach Cala Millor. Im nobleren Südwesten gibt es dagegen nur noch wenige ausstehende Bauprojekte und kaum noch freigegebene Baufläche. "Hier ist zwar auch die Nachfrage nach Ferienwohnungen zurückgegangen, aber nicht so stark wie anderswo auf der Insel", weiß Makler Stefan Greim.
Wirklich verschont bleiben werden wohl nur die Immobilien in absoluter Top-Lage. "In erster Strandlinie gehen die Hauspreise immer noch leicht in die Höhe und auch in den eigentlich lauen Sommermonaten gehen noch Millionen-Projekte über den Tisch", weiß der deutsche Rechtsanwalt Tim Wirth, der in der Kanzlei Cuatrecasas auf Mallorca arbeitet. Doch bereits im Bereich zwischen 500.000 Euro und einer Million geht schon seit geraumer Zeit die Nachfrage nach Objekten zurück. Viele Branchenexperten glauben, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis zumindest im Hinterland ein weiterer Einbruch der Häuserpreise einsetzt. Das liegt nicht zuletzt an der sinkenden Nachfrage aus Großbritannien, die einem schlechten Pfundkurs und der dortigen Wirtschaftskrise geschuldet ist. Auch die Deutschen seien inzwischen nicht mehr bereit, hohe Preise für eine Ferienimmobilie auf Mallorca zu zahlen, heißt es aus Maklerkreisen.






