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Zur Finanzevolution gehört das Ausscheiden

, Dirk Elsner

Die Evolution frisst ihre Kinder. Warum sich Yapital und Clickandbuy nicht durchsetzen konnten. Von Dirk Elsner

Dirk Elsner © Sebastian Berger, Stuttgart

Dirk Elsner ist bei der DZ Bank Senior Manager Innovation und Digitalisierung. In dieser Kolumne äußert er seine private Meinung. 2008 hat er das private Wirtschaftsblog BlickLog gegründet, das mehrfach ausgezeichnet wurde.


Regelmäßige Leser dieser Kolumne und meines Blogs wissen, dass ich mich in den letzten Jahren verstärkt von der Evolutionsbiologie habe inspirieren lassen. Ich halte die modernen Weiterentwicklungen von Darwins Evolutionstheorie, wie sie heute etwa von Edward O. Wilson, David Sloan Wilson oder Martin Nowak vertreten werden, für sehr fruchtbar für die Erklärung vor allem auch ökonomischer Phänomene.

Ich will die Leser hier aber nicht mit den Details dazu ablenken. Was mir an den Evolutionsbiologen gefällt ist, dass sie zu bescheiden für Vorhersagen sind. Sie können zwar im Nachhinein erklären, warum sich bestimmte biologische Gattungen durchgesetzt haben, ich habe aber keine oder nur wenige Prognosen über die künftige Entwicklung der Arten gefunden.

Wenn es um die Entwicklung von Unternehmen geht, dann können Ökonomen bestimmte Merkmale definieren, die ein Unternehmen benötigt, um zu überleben. Biologen machen das ebenfalls. So benötigen wir Menschen Sauerstoff und Wasser, um existieren zu können. Unternehmen benötigen in einer marktwirtschaftlichen Ordnung Zahlungsmittel in Form von Bargeld, Bankguthaben oder Krediten, um dauerhaft zu bestehen.

Um diese Zahlungsmittel zu erhalten, bedarf es zunächst jemandem, der an das Geschäftsmodell eines Unternehmens glaubt. Hier wird es aber deutlich schwerer. Ganze Bibliotheken von „Erfolgsliteratur“ präsentieren zwar Formeln, um als Unternehmen so erfolgreich zu werden wie Apple oder Google. Die meisten unternehmerischen Erfolgsfaktoren bleiben freilich Illusion. Der Unternehmenserfolg war schon immer und ist von vielen bekannten, vor allem unbekannten Faktoren und meist auch von Zufällen abhängig.

Yapitals Konzept klang überzeugend

Leser dieser Kolumne wissen, dass in den letzten Jahren durch Unternehmen aus dem Finanztechnologiesektor (FinTech) viel Bewegung in den Finanzbereich gekommen ist. An ein Unternehmen, das jetzt leider aufgegeben hat, kann ich mich besonders gut erinnern: an Yapital. Über das Unternehmen schrieb ich erstmals im Frühjahr 2012 in einer umfangreichen Beitragsreihe über das mobile Bezahlen.

„In Deutschland hat die Otto-Group das Unternehmen Yapital (lt. der Fachwebseite ‚Der Handel’ mit Banklizenz in Luxemburg) gegründet. Damit will der Versandriese PayPal Konkurrenz machen und online und offline ‚unkomplizierte’ Bezahlung anbieten.“

Die Erinnerungen an Yapital sind mir auch deswegen so präsent, weil ich zusammen mit anderen Fachleuten im Januar 2013 zu einem Workshop bei Yapital in Hamburg eingeladen war und wir uns das Geschäftsmodell genauer ansehen konnten. Die Grundkonzeption klang damals überzeugend, wenn auch das Verfahren sich etwas umständlich anfühlte. Aber mit der Kraft des Otto-Konzerns schien man überzeugt, Kinderkrankheiten schnell überwinden und mit dem entsprechenden Marketing auch rasch die notwendigen Kundenzahlen erreichen zu können. Beides hat nicht geklappt.

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Usererfahrung stimmte nicht

Ich habe das mobile Bezahlen mit Yapital mehrfach versucht anzuwenden. Der Prozess bis zum Abschluss einer Bezahlung dauerte, wenn er funktionierte, einfach zu lange. Da es häufiger Fehlfunktionen gab, setzte bei mir an der Kasse bereits ein unangenehmes Gefühl ein, wenn ich per Yapital bezahlen wollte. Die Usererfahrung stimmte hier einfach nicht (siehe dazu die treffende Analyse von Rudolf Linsenbarth). Daran änderte auch eine vorbildlich bemühte Hotline nichts, die mich sogar auf einem Termin bei Rewe in Hamburg begleitete.

Ende November verkündete Yapital die Aufgabe seines Geschäfts. Überraschend kam dieses Ende nicht, wenn man sich etwa die im IT-Finanzmagazin zusammengestellten Schlagzeilen über Yapital anschaut. Das Unternehmen hatte sich einen hohen Anspruch gesetzt und sich vorgenommen in Hamburg und Luxemburg, den Paymentmarkt zu revolutionieren. Maik Klotz analysierte in gewohnt erfrischender Offenheit die Gründe, warum es aus seiner Sicht nicht geklappt hat:

„Damit ein mobiles Bezahlverfahren funktionieren kann, braucht es vier Dinge: Akzeptanzstellen, Nutzer, ein Problem und eine gute Lösung. Yapital hatte nichts davon.“

Es fehlt aber noch eine wichtige Voraussetzung, die Marc Berg, der Geschäftsführer von Yapital richtig benennt: den Margenverfall in der Folge der Interchange Regulierung. Seit dem 9. Dezember ist in Europa das so genannte Interbankenentgelt gedeckelt (siehe dazu diesen Artikel von Hanno Bender). Das bedeutet, die Gebühren für Kreditkarten sind auf 0,3 Prozent und die für Debitkarten auf 0,2 Prozent des Umsatzes begrenzt. Nach Schätzung der EU-Kommission sollen dadurch Entgelte in Höhe von 6 Mrd. Euro gespart werden. Die Kehrseite ist freilich, dass diese Erlöse anderen Unternehmen fehlen, so eben auch Yapital, die sich nun nur noch Krümel aus dem Gebührenkuchen kratzen konnten.

Hart umkämpfter Markt

Und auch ein weiterer bekannter und bereits seit mehr als zehn Jahren am Markt aktiver Dienst stellt seinen Betrieb ein. Clickandbuy, der Online-Bezahldienst der Telekom, schließt im April nächsten Jahres ebenfalls seine virtuellen Pforten. Die Welt zitiert aus einer internen Mail. Danach liege der Grund in der enttäuschenden Geschäftsentwicklung. „Unter anderem hat PayPal als größter Wettbewerber beim Bezahlen im Internet einen weltweiten Standard geschaffen, und es werden sich künftig nur wenige Anbieter mit ihren Standards durchsetzen“, heißt es in der E-Mail. Es fehle an der kritischen Masse von Nutzern, um gegen PayPal mitzuhalten.

Ob es nun die gesenkten Interchange-Entgelte sind, starke Wettbewerber oder auch die neue Konkurrenz durch Paydirekt, dem neuen Onlinezahlsystem der Kreditwirtschaft, der Markt für die Bezahlung am Point of Sale und online im E-Commerce ist und bleibt hart umgekämpft. Selbst große Konzerne wie Apple tun sich hier schwer im Alltag, wie dieser Bericht eines genervten User auf Venturebeat dokumentiert.

Eines haben Yapital, Clickandbuy, Apple Pay und viele andere sich auf dem Markt der Bezahldienstleistung tummelnden Fintechs gemeinsam: Sie nutzen jeweils die bestehende Zahlungsinfrastruktur der Finanzwirtschaft. Zahlungen sind hier rechtswirksam erst dann abgeschlossen, wenn die Zahlung vom Bankkonto des Zahlers ab- und auf dem Bankkonto des Empfängers eingebucht und die Abschlüsse genehmigt sind. Dazwischen tummeln sich zu viele Instanzen, die alle mitverdienen wollen und müssen. Dies wird sich erst mit neuen Technologien und noch zu vereinbarenden Standards ändern. Die Blockchain-Technologie klopft hier bereits laut an die Pforten. Ob sie hier eine Wende bringen wird, wissen wir noch nicht. Was wir aber wissen ist, dass Weihnachten vor der Tür steht. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen, liebe Leser, friedliche Feiertage. Genießen Sie die Zeit mit Ihren Angehörigen und Freunden.


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