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Wieso es egal ist, wer an der Spitze steht

, Lars Vollmer

Sagen Sie mal: Bin ich der Einzige, der die Debatte von und über Piëch und Winterkorn amüsant, ja beinahe lächerlich fand? Von Lars Vollmer

Piëch und Winterkorn
Ferdinand Piëch (l.) und Martin Winterkorn kämpften um die Herrschaft bei Volkswagen. Dem Konzern hat das gar nichts gebracht. Foto: dpa

Lars Vollmer plädiert dafür, Unternehmen völlig neu zu denken. Er ist Redner und Autor - unter anderem hat er das Buch Lars Vollmer plädiert dafür, Unternehmen völlig neu zu denken. Er ist Redner und Autor - unter anderem hat er das Buch "Wrong Turn – Warum Führungskräfte in komplexen Situationen versagen" veröffentlicht. Folgen Sie ihm auf Twitter


Da wurde doch tatsächlich darüber diskutiert, wer von beiden jetzt die bessere Besetzung für den Posten sei, wer den anderen aus dem Amt jagen wird, wer den längeren Atem hat. Es wurde Stellung bezogen, Loyalitäten wurden bekundet und Fronten geklärt. Es gab das Lager Piëch und das Lager Winterkorn, und ganz insgeheim bestimmt auch noch den ein oder anderen, der am liebsten beide abgesägt hätte.

Wenn ich darüber nachdenke, warum dieser interne Machtkampf aber unbedingt öffentlich ausgetragen werden musste, fallen mir durchaus ein paar Gründe ein, aber keiner hat etwas mit VW zu tun. Es war ein lustiges Schauspiel, ja. Aber für die Zukunft von VW doch weitestgehend irrelevant! Das einzig Produktive, was dieses Theater zutage gebracht hat, war Futter für die Medien. Naja, immerhin.

Wenn Sie mich fragen, ist eine Debatte darüber, wer als Vorstandsvorsitzender und Aufsichtsratschef besser geeignet ist, völlige Zeitverschwendung. Warum? Weil die Position des Mannes an der Spitze dramatisch überbewertet wird.

Einfluss des Topmanagers wird überschätzt

Sicherlich, Manager haben eine juristische Funktion. Irgendjemand muss ja seine Unterschrift unter wichtige Dokumente setzen und seinen Kopf herhalten, wenn etwas schief geht. Entscheidungen bleiben nicht folgenlos, sondern ziehen Konsequenzen nach sich. Richtig.

Die Hierarchiepyramide suggeriert aber, dass ein Manager sein Unternehmen auch leitet, also bewusst und zielsicher führt. Und das ist leider nicht mehr als eine Illusion. Eine Reminiszenz aus dem 20. Jahrhundert, die auf der paternalistischen Vorstellung beruht, dass der Mann an der Spitze der Garant für Erfolg oder Misserfolg ist. Zu Zeiten des Arbeitswissenschaftlers Frederick Winslow Taylor, als die Unternehmensumwelt statischer, kleiner und vorhersehbarer war, steckte da vielleicht noch ein Funke Wahrheit drin. Aber mit den tatsächlichen Verhältnissen in der heutigen Zeit hat das nichts zu tun.

Die Vorstellung, dass VW wegen seines Vorstandsvorsitzenden so erfolgreich ist, ist wie zu behaupten, über Sieg oder Niederlage einer Fußballmannschaft entscheide allein die Kompetenz des Trainers. Sicherlich braucht der Know-how. Wie sollte jemand eine Fußballmannschaft trainieren, wenn er keine Ahnung vom Spiel hat? Aber das Wissen und Können des Trainers trägt eben nur zum Erfolg der Mannschaft bei. Es ist nicht allein verantwortlich dafür. Trivial eigentlich. Schließlich kann der beste Trainer nicht gewinnen, wenn er nur talentfreie Rumbolzer auf dem Platz stehen hat.

Hierarchiepyramide nicht zwangsläufig Erfolgspyramide

Und so ist es auch mit Managern und Unternehmen: Um ein erfolgreiches Unternehmen zu gestalten, um – wie in diesem Fall – Autos effizient und hochqualitativ zu bauen und margenstark zu vertreiben, braucht es echte Könner und Talente. Bloßes Wissen reicht da nicht aus. Es ist aber völlig irrelevant, welche Position diese Könner im Organigramm haben. Hauptsache, es gibt sie und die Organisation gibt ihnen die Möglichkeit, ihr Können einzubringen.

Was ich damit sagen will: Bloß weil es eine Hierarchiepyramide gibt, gibt es nicht zwangsläufig eine Erfolgspyramide. Der oberste Mann hat den höchsten Anteil am Erfolg? Welch naive Vorstellung!

Und die Herren Winterkorn und Piëch? Die scheinen, nach allem, was man ihnen so zuschreibt, nicht nur über so manchen Bereich des Autobauens Bescheid zu wissen, sondern auch echte Könner zu sein. Und vermutlich haben sie damit zum Erfolg von VW beigetragen. Aber ganz bestimmt nicht, weil sie Vorstandsvorsitzender und Aufsichtsratschef waren! Und sie sind auch bestimmt nicht allein dafür verantwortlich!

Aus der Debatte, welcher von beiden nun besser geeignet wäre, VW zu „führen“, habe ich mich deshalb bewusst herausgehalten. Denn letztlich ist es egal, welcher das Rennen gemacht hat. Ich kann nur hoffen, dass sich Herr Winterkorn jetzt, wo in diesem Unternehmenstheater vermutlich der Vorhang gefallen ist, wieder auf seine Arbeit konzentrieren kann. Alles andere ist bloße Verschwendung von Ressourcen. Und so erfolgreich VW auch zu sein scheint – Verschwendung kann sich kein Konzern leisten.


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