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Warum Migration Vorteile bringt

, Peter Sutherland und William Lacy Swing

Migration wurde bei den Uno-Entwicklungszielen übersehen. Das muss sich jetzt ändern, denn Zuwanderung bringt ökonomische Vorteile. Von Peter Sutherland und William Lacy Swing

Migrantin © Getty Images
Migrantin in Berlin: Zuwanderung trägt zum Wohlstand bei

Im Jahr 2000 definierten die Vereinten Nationen Millennium-Entwicklungsziele (MEZ), um schneller Fortschritte bei wichtigen Entwicklungszielen zu erreichen wie die Bekämpfung der Armut, die Förderung der Gleichberechtigung und die Ausrottung von Krankheiten. Aber die Architekten der MEZ haben ein wichtiges Thema vergessen: die Migration. Zum Glück sieht es so aus, als würden die führenden Politiker der Welt bei der Entwicklungsagenda für die Zeit nach 2015 denselben Fehler nicht noch einmal machen.

Peter Sutherland
Peter Sutherland ist Vorsitzender der London School of Economics, nicht geschäftsführender Vorsitzender von Goldman Sachs International und Sonderbeauftragter des UN-Generalsekretärs für internationale Migration und Entwicklung

Allein die Überweisungen von Migranten aus dem Ausland nach Hause sollten genügen, die Welt davon zu überzeugen, dass Migration auf der Tagesordnung für die Zeit nach 2015 einen wichtigen Platz einnehmen muss. Im letzten Jahr überwiesen aus Entwicklungsländern stammende Migranten schätzungsweise 414 Mrd. Dollar an ihre Familien – das Dreifache der offiziellen Entwicklungshilfe. Über eine Milliarde Menschen sind auf solche Zahlungen angewiesen, um Ausbildung, Gesundheitsversorgung, Wasser und Hygiene zu bezahlen. Und als ob das noch nicht genug wäre haben Rücküberweisungen einen bedeutenden makroökonomischen Nutzen. Sie ermöglichen es den Ländern, unverzichtbare Importe zu bezahlen, Zugang zu privaten Kapitalmärkten zu erhalten und für Staatsanleihen niedrigere Zinsen zu erzielen.

Aber viele nützliche Effekte der Migration werden verschwendet. Im letzten Jahr wurden von Finanzvermittlern durchschnittlich neun Prozent an Gebühren erhoben, was in der Summe schätzungsweise 49 Mrd. Dollar des Einkommens der Migranten entspricht. Weitere Milliarden werden von kriminellen Anwerbern abgeschöpft, die häufig ein Drittel der Einkünfte eines Migranten für sich behalten. Und auch Schmuggel, Verschleppung, Ausbeutung und Diskriminierung fordern einen unberechenbaren menschlichen Preis.

Werbung für Migration

Das ist der Punkt, an dem die Entwicklungsagenda für die Zeit nach 2015 ins Spiel kommt. Wenn die richtigen Anreize gesetzt werden, können Regierungen und Unternehmen zu Initiativen angeregt werden, damit ein größerer Teil der Zahlungen bei den armen Familien ankommt, die Rechte der Migranten geschützt und Diskriminierungen verhindert werden.

William Lacy Swing
William Lacy Swing ist Generaldirektor der Internationalen Organisation für Migration

Gleichzeitig kann die Agenda dazu beitragen, das Ansehen der Zuwanderer zu verbessern. Momentan wird Migration oft als Zeichen für ein Versagen des Heimatlandes gesehen, den Menschen adäquate Chancen zu bieten, während die Einwohner der Zielländer häufig glauben, Migranten nähmen ihnen ihre Arbeitsplätze weg, drückten die Löhne oder beuteten ihre Sozialsysteme aus.

Aber die Tatsache, dass neun Prozent der britischen Bürger im Ausland leben, zeigt, dass Menschen unabhängig vom Reichtum ihres Heimatlandes auswandern. Darüber hinaus ist erwiesen, der Beitrag der Migranten ist größer als das, was sie in Anspruch nehmen, da durch sie Wissenstransfer, Handel, Tourismus und Investitionen gefördert und durch Firmengründungen sogar Arbeitsplätze geschaffen werden. Gleichzeitig übernehmen sie wichtige Arbeiten in der Kinder- und Altenpflege, im Gastgewerbe und in der Landwirtschaft, die für Einheimische unattraktiv sind.

Angesichts des unumstrittenen Nutzens von Migration überrascht es vielleicht, dass diese nicht in die MEZ aufgenommen wurde. Das Problem ist, dass im Jahr 2000 weder genügend Beweise für die Effekte der Migration auf die Entwicklung noch ausreichende politische Unterstützung vorhanden war, um einen solchen Zusatz zur Agenda durchzusetzen.

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Breite politische Unterstützung

Das ist nicht mehr der Fall. Eine Gruppe von Ländern, internationalen Institutionen und Nichtregierungsorganisationen haben gegenüber der Offenen Arbeitsgruppe der Uno für die Ziele nachhaltiger Entwicklung (der Körperschaft, die die Diskussion über die Agenda für die Zeit nach 2015 leitet) ausdrücklich betont, dass Migration dazu beitragen kann, Armut zu bekämpfen und das Wirtschaftswachstum anzukurbeln.

Der Vorschlag der Gruppe – der geringere Transaktionskosten, die bessere Übertragbarkeit von Renten und entschiedene Maßnahmen gegen Menschenhandel beinhaltet – setzt sich für eine Reihe von Zielen und Indikatoren ein, die die nächste Entwicklungsagenda entscheidend bereichern würden. Die Gruppe fordert zudem, zur Messung von Fortschritten bei anderen Zielen wie der Gewährleistung angemessener Arbeit und dem gleichberechtigtem Zugriff auf Gesundheitsdienstleistungen Migranten zu berücksichtigen.

Hinter diesen Bemühungen steht eine breite Basis politischer Unterstützung. Bei der Konferenz der Uno-Generalversammlung zur Diskussion über Migration, die im Oktober 2013 erst zum zweiten Mal stattfand, stimmten die Mitgliedstaaten einstimmig einer Erklärung zu, die sich für die Einbeziehung von Migration in die Agenda für die Zeit nach 2015 ausspricht. Eine ähnliche Resolution hat der Rat der Internationalen Organisation für Migration im November verabschiedet, und die Kampagne erfuhr zusätzliche Unterstützung von zivilgesellschaftlichen Gruppen und internationalen Organisationen.

Die internationale Gemeinschaft hat sich dafür eingesetzt, in der Entwicklungsagenda für die Zeit nach 2015 die Menschen in den Mittelpunkt zu stellen. Kein besserer Ausdruck dieser Verpflichtung ist denkbar, als die unentbehrliche Rolle von Migranten zu würdigen – und ihre Rechte zu schützen. Dazu muss die Agenda, ähnlich wie schon bei den Bemühungen im Rahmen der MEZ zur Einbeziehung von Handels- und Technologietransfer in die Entwicklungspolitik, die Grundlage für dauerhafte und bedeutsame weltweite Partnerschaften zu Migration und menschlicher Mobilität schaffen.

Den Menschen die Angst nehmen

Aber nicht alle stehen hinter diesen Zielen. Einige Staatsführer könnten aus Angst vor innenpolitischen Konsequenzen ihr Veto gegen die Einbeziehung der Migration einlegen.

Um das zu verhindern, ist es wichtig sich vor Augen zu führen, dass Meinungsumfragen normalerweise die Angst der Öffentlichkeit vor unregulierter Migration widerspiegeln, und nicht vor legaler Migration oder rechtmäßigen Asylbewerbern. Sogar in Europa, wo der Populismus auf dem Vormarsch ist, sind die Bürger vernünftiger als ihre Politiker: 69 Prozent der Europäer sagen, sie machten sich über legale Migration keine Sorgen, und 62 Prozent glauben nicht, dass Migranten den Einheimischen Arbeitsplätze wegnehmen. Regierungen wie die deutsche und die schwedische, die Zuwanderung gut organisieren und in Integration investieren, haben die stärkste öffentliche Unterstützung.

Die Zahl von Migranten, die ein Land willkommen heißt, kann nur von diesem Land selbst bestimmt werden. Aber wie Migranten behandelt werden, ob sie ihr Einkommen behalten können oder was sie zur sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung beitragen, sind Themen, die alle angehen. Das internationale Rechtswesen sieht vor, dass die Menschenrechte aller Migranten unabhängig von ihrem Status respektiert werden. Das ist auch eine grundlegende Voraussetzung für individuelle und gemeinschaftliche Entwicklung.

Sichere, legale und freiwillige Migration ist die älteste Strategie zur menschlichen Entwicklung und Bekämpfung der Armut. Es scheint, dass diese lang ignorierte Wahrheit endlich erkannt wird und die Diskussion der Entwicklungsagenda für die Zeit nach 2015 in die richtige Richtung lenkt.

Aus dem Englischen von Harald Eckhoff

© Project Syndicate 1995–2014


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