• Facebook
  • Twitter
  • Google Plus
  • Kolumne

Warum die USA auf einen Abschwung zusteuern

, David Milleker

Die US-Unternehmen müssen auf die Kostenbremse treten. Nur wann ist noch die Frage. Von David Milleker

Eine Hand mit einer US-Flagge in der Hand
In den USA stehen die Zeichen auf Abschwung

David Milleker ist seit 2006 Chefvolkswirt bei Union Investment, einer der größten deutschen Fondsgesellschaften. Sie gehört zur genossenschaftlichen FinanzgruppeDavid Milleker ist seit 2006 Chefvolkswirt bei Union Investment, einer der größten deutschen Fondsgesellschaften. Sie gehört zur genossenschaftlichen Finanzgruppe.


Die gängige Konjunkturerzählung für die USA zur Jahreswende ging in etwa so: Der Ölpreisrückgang unterstützt die verfügbaren Einkommen der privaten Haushalte. Der Konsum wächst daher solide. Leiden muss dagegen ein eher kleiner Sektor wie die Fracking-Industrie, gegebenenfalls noch einige Bundesstaaten wie Texas, North Dakota oder Wyoming, die stark mit dem Ölgeschäft verbunden sind. In Summe kann die US-Wirtschaft im laufenden Jahr aber trotzdem etwas stärker wachsen als in den zurückliegenden Jahren seit 2009.

Die US-Wirtschaft hat allerdings auch ihre dunkle Seite: Die Profitabilität des Unternehmenssektors ist seit dem zweiten Halbjahr 2014 rückläufig. Darunter verstehen Ökonomen die Stückgewinne aus laufender Produktion. Der Verschuldungsgrad der Unternehmen gemessen an der Wirtschaftsleistung kratzt an Rekordmarken. Die Risikoaufschläge von Unternehmensanleihen steigen seit Mitte 2014 ebenfalls an. Mit anderen Worten: Wirklich jung sieht dieser Konjunkturzyklus nicht mehr aus.

Besonders schwierig stellt sich die Situation ohne Frage in der Ölindustrie dar, die mit einem deutlichen Preisverfall zu kämpfen hat. Deutlich angespannt ist aber auch die Lage jener Sektoren, die in internationaler Konkurrenz stehen. Die starke Aufwertung des Dollar seit 2014 begrenzt die Fähigkeiten, Kostensteigerungen an den Endverbraucher weiterzugeben. Zudem gewinnen ausländische Anbieter Marktanteile. Die Folge: Absatz, Produktion und Kapazitätsauslastung des Verarbeitenden Gewerbes sind seit mehr als einem Jahr rückläufig.

schwacher Auftragseingang für Investitionsgüter

Das vielleicht einfachste Anzeichen eines konjunkturellen Abschwungs ist eine steigende Arbeitslosigkeit. Das passiert in der Regel, wenn Unternehmen niemanden mehr einstellen oder gar Mitarbeiter entlassen. Parallel dazu werden dann meist Investitionspläne aufgegeben oder gekürzt.

Bislang ist das nur in der Fracking-Industrie der Fall. Allerdings mehren sich die Anzeichen, dass sich das in Richtung des Verarbeitenden Gewerbes ausweitet. Ablesen lässt sich dies zum einen am schwachen Auftragseingang für Investitionsgüter, zum anderen aber auch an den deutlich rückläufigen Beschäftigungs- und Investitionsplänen der Unternehmen. Auf letzteres weisen Umfragen wie der Philadelphia Fed Index und das Business Roundtable CEO Survey hin.

Es ist zwar durchaus schon einmal vorgekommen, dass die US-Wirtschaft aus einem fallenden Profitabilitätstrend der Unternehmen noch einmal durchstarten konnte: in den 1960er-Jahren und dann 1985/86. In beiden Fällen lässt sich das allerdings durch externe Faktoren begründen. Im ersten durch den Eintritt der USA in den Vietnam-Krieg und der damit verbundenen massiven Aufrüstung. Im zweiten durch eine deutliche Abwertung des US-Dollar nach einer Kehrtwende der Geldpolitik und dem Plaza-Abkommen mit Japan und Europa.

Wenn diesmal nichts Unvorhersehbares passiert, ist es keine Frage des Ob, sondern des Wann, bis der US-Unternehmenssektor auf die Kostenbremse tritt. Allein schon, um seine Profitabilität zu verteidigen. Wenn es nur einzelne Unternehmen tun, ist das gesamtwirtschaftlich noch kein Problem. Tun es viele gleichzeitig, spricht der Volkswirt von Abschwung. Und leider scheinen wir derzeit eben genau auf einen solchen zuzusteuern.


Artikel zum Thema
Autor
  • Kolumne
Helikoptergeld vermischt Politikbereiche

Damit Helikoptergeld wirksam sein kann, braucht es starke Verflechtungen von Fiskal- und Geldpolitik. Von David MillekerMEHR

  • Kolumne
Globale Koordination bleibt ein Wunschtraum

Eigentlich ist die Zeit reif für mehr Koordination, doch sie scheitert an nationalen Egoismen. Von David MillekerMEHR

LESERKOMMENTARE

 

Kommentare Einblenden

Datenschutz

Die Kommentarfunktion "Disqus" wird von der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.

Moderation

Die Kommentare werden von Capital moderiert. Das heißt, Kommentare werden von der Redaktion freigeschaltet. Kritik und auch in der Sache harte Diskussionen sind willkommen, Beleidigungen werden wir dagegen nicht zulassen. Näheres hierzu finden Sie in unserer Netiquette.