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Viel Bewegung beim mobilen Bezahlen

, Dirk Elsner

Jetzt wollen auch die Banken beim mobilen Bezahlen mitmischen. An Anbietern mangelt es nicht - wohl aber an Kunden. Von Dirk Elsner

Yapital App
Yapital-Bezahl-App: Die Otto-Tochter bekommt Konkurrenz von den Banken (Foto: Yapital)

Dirk Elsner berät als Consultant für die Innovecs GmbH Banken und Unternehmen. Zu seinen Schwerpunkten gehören Veränderungen der Finanzwirtschaft, der Unternehmenspraxis und digitale Finanzdienstleistungen. 2008 hat er das private Wirtschaftsblog Blick Log gegründet, das mehrfach ausgezeichnet wurde.Dirk Elsner berät als Consultant für die Innovecs GmbH Banken und Unternehmen. Zu seinen Schwerpunkten gehören Veränderungen der Finanzwirtschaft, der Unternehmenspraxis und digitale Finanzdienstleistungen. 2008 hat er das private Wirtschaftsblog Blick Log gegründet, das mehrfach ausgezeichnet wurde. Elsner schreibt alle zwei Wochen eine Kolumne auf Capital.de. Der Titel ist Programm: Finanzevolution (Foto: Sebastian Berger, Stuttgart)


Es kommt wieder einmal Bewegung in das mobile Bezahlen, zumindest was die Anbieterseite betrifft. Kaum zählbar sind die vielen Ankündigungen, Allianzen und technischen Neuerungen, mit denen uns derzeit die verschiedensten Player aus dem Finanz-, Tech- und Internetsektor beglücken wollen. Ob das außerhalb von Spezialisten und Branchenbeobachtern überhaupt jemanden interessiert, muss sich erst noch zeigen.

Als ich vor drei Jahren eine ausführliche Beitragsreihe zum mobilen Bezahlen schrieb, konnten wir eine ähnliche Ankündigungswelle beobachten. Ich war damals optimistisch, dass wir bei Zahlungen per Smartphone ziemlich schnell Fortschritte sehen würden. In der damaligen Beitragsreihe beleuchtete ich die verschiedenen Akteure und erwartete, dass PayPal erst einmal als Sieger vom Platz gehen würde.

Meine persönliche Anwendungsbilanz im Januar fiel freilich sehr ernüchternd aus. Vergangene Woche in Kiel, als ich die Gelegenheit hatte in einem Supermarkt per App zu bezahlen, steckte ich mein Handy wieder ein, weil vorher ein Kunde mit der gleichen App Probleme hatte und nach fünf Minuten hin und her seinen Bezahlvorgang abbrach und ohne Ware das Haus verließ. Er hatte weder Bargeld noch Karten dabei und sich allein auf seine App verlassen. Damit war er verlassen. Mike Klotz ging kürzlich auf t3n noch ein Stück weiter und rief: „Liebe Mobile-Payment-Anbieter: Ihr habt es versiebt!

Deutsche Banken wollen mitmischen

Die Banken haben sich beim mobilen Bezahlen seit Jahren defensiv verhalten und das Feld Unternehmen wie Paypal, Yapital, Google und unzähligen anderen überlassen. Das ist erstaunlich, denn die Kreditwirtschaft kommt aus einer starken Ausgangsposition, weil sie  direkten Zugriff auf das hat, was jeder andere Payment-Anbieter (noch?) braucht: die Konten von Zahler und Zahlungsempfänger.

Mittlerweile hat sich auch die deutsche Kreditwirtschaft durchgerungen, ihr schon vor längerer Zeit gestartetes Projekt an die Öffentlichkeit zu bringen (siehe diesen guten Bericht der Süddeutschen Zeitung: Deutsche Banken machen Paypal Konkurrenz). Mit GIMB wollen die Banken zurück in die Offensive oder vielleicht sogar das Feld von Hinten aufrollen. Kommt nun mit "pay direct" neues Tempo in das mobile Bezahlen, das in Deutschland viele gar nicht vermissen?

GIMB steht laut Handelsregistereintrag für “Gesellschaft für Internet- und mobile Bezahlungen”. Die Gesellschaft ist mit 150.000 Euro Stammkapital ausgestattet und soll nach Medienberichten angeblich mit einem Investitionsvolumen von 100 Mio. Euro planen. Gesellschafter sind bislang Genossenschaftsinstitute und private Banken. Die Sparkassen verhandeln derzeit über den Einstieg.

GIMB soll Verfahren für mobile Zahlungen und Zahlungen im Internet für die deutschen Banken unterstützen, um damit ein Gegengewicht zu Paypal anzubieten. Angeblich soll im Herbst dieses Jahres bereits ein Pilotprojekt starten, die “Marktreife” will man dann Ende 2016 erreicht haben.

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direkter Zugang zu den Konten

Einige Skeptiker geben dem Projekt keine großen Chancen und verweisen auf vergangene Flops beim mobilen Bezahlen der deutschen Banken und Sparkassen. Ich finde es zu viel zu früh, einen Abgesang anzustimmen, wenn nicht einmal bekannt ist, nach welchen Noten gespielt werden soll.

Mal abgesehen davon, dass es wettbewerbsrechtlich bedenklich sein könnte, dass sich die großen Banken(gruppen) in Deutschland zusammenschließen, halten die Institute wichtige Trümpfe in der Hand, nämlich die direkten Zugänge zu den Konten der Kunden. Jeder der heute über Yapital, Paypal, Apple Pay, Google Pay, Visa oder womit auch immer bezahlt, am Ende wird der Betrag immer von einem Bankkonto abgebucht. Warum also die vielen Umwege über Drittanbieter, Serviceprovider und Acquirer, die alle mitverdienen wollen.

Die Banken haben außerdem den großen Vorteil, dass sie die (negativen) Erfahrungen, die sie selbst und andere Akteure gemacht haben, in das Produktdesign einbringen können. Wenn sie dazu mit dem Neuaufbau noch eine digitale Architektur konzeptionieren und eine Echtzeitverarbeitung bieten, könnten sie viel gewinnen. Die spannende Frage ist, welchen Funktionsumfang plant GIMB und wie sicher und bequem wird es wirklich werden? Banken legen die Schwerpunkte im Produktdesign auf Risikovermeidung und Vorschriftenkonformität (Compliance). Das geht meist zu Lasten der Bequemlichkeit. Kundenbedürfnisse und Usability waren, wenn überhaupt, stets nur eine Nebenbedingung bei der Produktentwicklung der Banken.

Schlechte Nachricht für Yapital

Ich hoffe, bei diesem Projekt arbeitet man erst einmal unabhängig von den Interessen der beteiligten Institute und den mutmaßlichen Kundenwünschen. Dann kann man nämlich in Ruhe das Service-Design für die verschiedenen Funktionen ausarbeiten. Eher unwahrscheinlich, dass man sich auf die Spuren von Steve Jobs traut und unabhängig von Studien und Befragungen einfach ein Produkt aus Überzeugung entwickelt. Ich wäre übrigens schon froh, wenn man wenigsten die längst am Markt verfügbaren Ideen zur Vermeidung des SEPA-Wahnsinns für Überweisungen einsetzt.

Für das vielleicht ambitionierteste deutsche Nachwuchsprojekt beim mobilen Bezahlen Yapital  könnte GIMB aus zwei Gründen eine schlechte Nachricht sein. Die Tochter der Otto-Gruppe hat sich im vergangenen Jahr für Partnerschaften mit Banken geöffnet. Das Angebot ergab Sinn, denn es bedeutete, dass eine Bank keine eigene Lösung zu entwickeln braucht, sondern die Yapital-Lösung integrieren kann. Das könnte nun überflüssig sein. Daneben entsteht mit GIMB auf einem nicht vorhandenen Markt ein starker Konkurrent, der bereits jede Menge Kunden hat.

Laut einem Bericht des Handelsblatts (print) will angeblich die Otto-Gruppe Yapital zum Verkauf stellen, weil sich das Zahlverfahren nicht so entwickelt hat, wie erwartet. Yapital kämpft, wie viele andere Anbieter, mit dem Henne-Ei-Problem oder dem Netzwerkeffekt, wie man heute sagen würde. Hoher Marketingaufwand für die Verbreitung bei den Kunden setzt viele Akzeptanzstellen voraus. Diese Händler gewinnt man aber nur, wenn man viele Kunden vorweisen kann, der Implementierungsaufwand niedrig ist und vor allem die laufenden Gebühren für die Händler attraktiv sind. Yapital sollte sich außerdem dringend der NFC-Technologie öffnen und etwas von Apple Pay abschauen, denn im Geschäft sind zu viele Schritte für den Bezahlvorgang erforderlich.

Es werden zurzeit sehr viele Geschichten im und über das mobile Bezahlen geschrieben. Google pimpt seine mobile Bezahlservice auf. Apple will im Laufe des Jahres Apple Pay in Europa an den Staat bringen und versetzt damit viele Fachleute und Beobachter in Entzückung. Nur diejenigen, die die Produkte nutzen sollen, interessiert das alles nicht. 

Weitere Kolumnen von Dirk Elsner, die er für die inzwischen eingestellte deutsche Ausgabe des „Wall Street Journal“ geschrieben hat, finden Sie auf seiner Übersichtsseite 


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