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Bayer und die Kunst der Gewinnwarnung

, Bernd Ziesemer

Für den Leverkusener Konzern kommen die Probleme in seiner Agrosparte zur Unzeit. Doch die Fusion mit Monsanto kommt trotzdem. Von Bernd Ziesemer

Bernd Ziesemer © Martin Kess

Wer die Meldung der Bayer AG am letzten Freitag nur schnell überflog, der konnte die wichtigste Nachricht aus dem Konzern glatt übersehen. Vom „ermutigenden Start“ ins neue Jahr war da die Rede und von einem „fortlaufenden starken Momentum beim Wachstum“. Allerdings gebe es einige Probleme in Brasilien und zwar im Agrargeschäft, weshalb eine Anpassung der Prognosen erforderlich sei. Erst ein gutes Stück weiter hinten kam der Pressetext zur Sache: Zum ersten Mal seit langer Zeit korrigiert der Gesamtkonzern seine Geschäftserwartungen nach unten.

Was lehrt uns das? Der Konzern beherrscht die Kunst der beschönigenden Gewinnwarnung. Bei den Profis hilft das zwar wenig – die Aktie krachte am Freitag in der Spitze um fünf Prozent nach unten. Aber immerhin lassen sich so vielleicht die Kleinanleger und einige Medien blenden. Damit wäre aus Sicht des Vorstands vielleicht schon etwas gewonnen. Denn die Gewinnwarnung kommt zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt für den Konzern: Bayer steckt mitten im Fusionsprozess mit dem amerikanischen Saatgutriesen Monsanto und kann dabei keine schlechten Nachrichten gebrauchen. Schließlich gibt es ohnehin bereits viele Kritiker des Zusammenschlusses – weniger unter den großen Aktionären, aber umso mehr in der Öffentlichkeit.

Dass es ausgerechnet im Agrobereich von Bayer Probleme gibt, ist besonders misslich. Schließlich gibt Bayer viele Milliarden Euro aus, um sich gerade in diesem Bereich erheblich zu verstärken – die größte Übernahme in der ganzen Unternehmensgeschichte. Einige Kritiker meinen, der deutsche Konzern solle das viele Geld lieber in seinem Pharmabereich investieren. Dort laufen die Geschäfte gegenwärtig prächtig und die Margen sind viel höher als beim Pflanzenschutz. Lediglich der Vertrieb von Aspirin und anderen nicht verschreibungspflichtigen Medikamenten schwächelt ein wenig. Auch dort hat sich Bayer in den letzten Jahren mit Zukäufen weiter ausgedehnt. Wiederum sehr gut entwickelt sich umgekehrt die ungeliebte Chemie, die Bayer unter dem Namen Covestro abgespalten hat.

Das alles sind nur Momentaufnahmen

Wenn man es auf einen Begriff bringen will, kann man also sagen: Dort wo Bayer am meisten investiert hat oder noch investiert, entwickelt sich das Geschäft am schwächsten. Und wo Bayer gegenwärtig eher weniger Geld ausgibt, gibt es prächtige Zahlen. Irgendwie ist das peinlich für den Konzern. Deshalb wohl auch die Verrenkungen in der offiziellen Kommunikation.

Allerdings muss fairerweise feststellen: Das alles sind nur Momentaufnahmen. Angeblich geht es bei der Brasilien-Schwäche sogar um einen einmaligen Effekt. Umgekehrt profitiert auch die Chemietochter von einer ganz besonderen Situation: Covestro verdient gegenwärtig nur deshalb so klotzig, weil der Konkurrent BASF seit Monaten nicht mit den Problemen in einer seiner wichtigsten Anlagen fertig wird.

Man sollte von Bayer also nach der Gewinnwarnung keine Korrektur der einmal eingeschlagenen Strategie erwarten – und schon gar nicht einen Verzicht auf die Fusion mit Monsanto. Sollten sich allerdings die Probleme in der Agrosparte in den nächsten Monaten häufen, müsste man neu nachdenken. Die Analysten sehen dafür bisher keinen Anlass. Die einschlägige Übersicht des „Handelsblatts“ listet derzeit keine einzige Verkaufsempfehlung für Bayer auf. 42 Experten empfehlen den Konzern zum Kauf, elf behandeln ihn neutral.


Bernd Ziesemer ist Capital-Kolumnist. Der Wirtschaftsjournalist war von 2002 bis 2010 Chefredakteur des Handelsblattes. Anschließend war er bis 2014 Geschäftsführer der Corporate-Publishing-Sparte des Verlags Hoffmann und Campe. Ziesemers Kolumne erscheint jeden Montag auf Capital.de. Hier können Sie ihm auf Twitter folgen.


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