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Pflanzengift - der Tal- und Berg-Trick

, Capital-Redaktion

Die Unstatistik bringt die Wahrheit hinter den Zahlen ans Tageslicht. Diesmal: Pflanzengift - wie man einen Trend erzeugt.

Statistik © Getty Images

Über 34 000 Tonnen – Bauern spritzen immer mehr Pflanzengift“ überschrieb die Berliner Zeitung einen Artikel über die Nutzung von Pflanzengift in der deutschen Landwirtschaft. Die aktuelle Unstatistik weist jedoch nach, dass es keinen Beweis für einen ansteigenden Trend gibt.

Nach Angaben des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) werden pro Jahr zwischen 30.000 und 35.000 Tonnen Pflanzengifte verkauft. Die Schwankungen sind witterungs- und preisbedingt. Vergleicht man nun die Jahre 2009 (30.162 Tonnen) und 2015 (34.752 Tonnen) gibt es tatsächlich einen positiven Trend. Dagegen ergibt ein Vergleich der Jahre 2008 (34.664 Tonnen) und 2014 (34.514 Tonnen) sogar einen leicht negativen Trend. Zahlen für 2016 würden den Abwärtstrend vermutlich noch verstärken, da nach Angaben des Industrieverbands Agrar der Absatz im vergangenen Jahr 2016 stark rückläufig war. Offizielle Daten des BVL gibt es noch nicht.

Was zeigt das? „Jede Zeitreihe, die zufällig um eine Konstante herum schwankt, hat, wenn man in einem Tal anfängt und auf einem Berg aufhört, einen positiven Trend. Und umgekehrt erzeugt man einen negativen Trend beim Start auf einem Berg und Ziel in einem Tal“, schreiben die Unstatistiker. Damit könne man sehr unterschiedliche Aussagen erzeugen, je nachdem welches Jahr man zum Vergleich heranziehe.

Die gleiche Methode, so die Statistikexperten, werde auch gerne von Investmentfirmen verwendet, die bei potenziellen Kunden den Eindruck erwecken wollten, dass der Wert ihres Produkts stets nach oben gehe. „Die Moral der Geschichte ist: lassen Sie sich immer die ganze Kurve zeigen.“


Mit der „Unstatistik des Monats“ hinterfragen der Berliner Psychologe Gerd Gigerenzer, der Dortmunder Statistiker Walter Krämer und RWI-Vizepräsident Thomas Bauer jeden Monat sowohl jüngst publizierte Zahlen als auch deren Interpretationen. 
Alle „Unstatistiken“ finden Sie im Internet unter www.unstatistik.de. Jüngst erschienen im Campus Verlag ist das Buch „Warum dick nicht doof macht und Genmais nicht tötet - Über Risiken und Nebenwirkungen der Unstatistik“



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