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Umarmt das Neue!

, von Martin Kaelble

Alte Gewissheiten lösen sich gerade in rasanter Geschwindigkeit auf. Da hilft nur eins: Loslassen - und öffnen für das Neue. Von Martin Kaelble


Martin Kaelble ist Capital-Redakteur und schreibt an dieser Stelle über Digitalisierung, Start-ups und die neue Wirtschaft.


„Wenn ich die Menschen gefragt hätte, was sie wollen, hätten sie gesagt: schnellere Pferde.“ Dieser Satz von Henry Ford, dem Pionier der Autobranche, passt frappierend gut in die heutige Zeit. Eine Zeit, in der alte Gewissheiten nicht mehr gelten und man sich gleich an mehreren Fronten auf völlig unbekanntem Terrain bewegt.

Eines sollten wir uns immer wieder bewusst machen: In Zeiten des radikalen Wandels kann man die Gesetze der alten Welt nicht einfach linear in die neue übertragen.

Wirklich neu ist gar nicht so einfach

Genau das ist eine enorme Herausforderung. Und ein gängiger Fehler in solchen Zeiten, den Henry Ford so treffend beschrieben hat: zu wenig wirkliche Offenheit für das Neue. Stattdessen das - sehr menschliche - Festhalten am Bekannten, Vertrauten.

Ein Fehler, an dem heute ganze Unternehmen und Branchen zugrunde gehen können.

Nehmen wir die großen Konzerne wie VW, Deutsche Bank, Eon. Einige Konzernlenker haben durchaus den Willen zur Veränderung. Doch die langsamen und zähen Strukturen machen es schwer, diesen Willen in jede Abteilung hinein zu bringen. Die Herausforderung besteht darin, alle mitzunehmen in diesen Wandel-Zeiten - das gilt für jedes Team, für jede Firma, für die gesamte Gesellschaft. 

Nehmen wir den Mittelstand, das Rückrat der deutschen Wirtschaft: Viele Mittelständler sind eigentlich Profis in Innovation. Was sie an technischen Neuerungen hervorgebracht haben, ist innovativer und substanzieller als 90 Prozent der E-Commerce Buden in Deutschland (auch wenn diese derzeit den Innovatoren-Status für sich allein proklamieren). Doch deutsche Mittelständler sind halt oft auch sture, konservative Unternehmertypen. Sie sind stark in inkrementalen, technischen Innovationen. Ingenieurs-Kreativität. Doch wenn das gesamte Geschäftsmodell plötzlich durch die Digitalisierung infrage gestellt wird? Ehrlicherweise kann man es wohl keinem Mittelständler verübeln, wenn er sein Lebenswerk loslassen soll, das 50 Jahre lang super lief und sich plötzlich komplett neu erfinden soll. 

Und die Professoren, die das empfehlen, wären selbst zumeist auch nicht gerade gut darin, alte Forschungs-Modelle loszulassen, auf denen ihre Forschung seit Jahren aufbaut.

Ja und nehmen wir auch die Startups - die derzeitigen Fahnenträger der Innovation. Wie viele der Geschäftsmodelle in Deutschland sind wirklich innovativ - und damit fähig zu wirklich großen Unternehmen zu reifen? Wie viele davon sind nur Copycats, die nicht nach zwei bis drei Jahren wieder verschwinden oder aufgekauft werden? Wie viele sind nicht wirklich zu Ende gedachte Ideen, die derzeit trotzdem Finanzierung finden, einfach nur weil Startup drauf steht?

Business Yoga

Es ist halt gar nicht so einfach mit diesem verflixten Wandel. Nah am Nutzer sein, Produkte radikal neu denken, einfach auch mal scheitern. Das klingt alles so einfach. Doch schauen Sie sich mal in der Wirtschaftswelt um: Wie oft treffen Produkte genau die Nachfrage und Wünsche des Kunden? Heutzutage ändern sich die Nutzungsgewohnheiten schnell. Deshalb hilft nur eins: Flexibel bleiben.

Es ist wie gesagt eine Frage der Haltung. Igeln Sie sich ein und sehen Sie Veränderung als Feind? Oder sind Sie bereit neu zu denken. Dinge anders zu machen als bisher. Loszulassen. Klingt irgendwie nach Yoga? Hat auch etwas damit zu tun. Business-Yoga sozusagen. 

Wer Veränderungen nicht nur akzeptiert, sondern sie umarmt, dem gehört die Welt von heute.

Henry Ford hat übrigens noch etwas anderes gesagt: „Alles kann immer noch besser gemacht werden, als es gemacht wird.“ Genau darum geht es. 


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