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Das Trump-Problem der Deutschen Bank

, Bernd Ziesemer

Die Millionen-Kredite für das Geschäftsimperium des amerikanischen Präsidenten gefährden den guten Ruf des Kreditinstituts. Von Bernd Ziesemer

Bernd Ziesemer © Martin Kess

Als ob John Cryan nicht schon genug Probleme an der Backe hätte. Seine Bank schlägt sich weiter mit vielen Rechtsfällen herum und zahlt immer neue Strafen. Sie steckt mitten in einem organisatorischen Umbau und das neue Geschäftsmodell (wenn es denn überhaupt eines gibt) muss sich erst noch beweisen. Die Zahlen geben keinen Anlass zur Euphorie und der Kurs der Aktie ist zuletzt wieder einmal unter Druck geraten. Von Normalität kann bei der Deutschen Bank also keine Rede sein.

Und nun drängt auch noch ein Problem in die Schlagzeilen, das geeignet ist, den Ruf der Bank weiter zu schädigen. Es geht um das verwinkelte Geschäftsimperium des amerikanischen Präsidenten Donald Trump mit seinen 565 Einzelfirmen. Allein im letzten Jahr machte der Immobilienhai mindestens 315 Mio. Dollar Schulden, wie seine Anwälte und Buchhalter in der letzten Woche in einem Formular für das Ethik-Büro des Kongresses auflisteten. Mindestens 130 Mio. Dollar kamen von der Deutschen Bank.

Deutsche Bank zwischen den Fronten

Das Frankfurter Kreditinstitut ist offenbar einer der wichtigsten (vielleicht sogar der wichtigste) Geldgeber für das umstrittenste Projekt der Trump-Familie: Das neue Hotel des Clans in Washington, nur ein paar Hundert Meter vom Weißen Haus entfernt. Das Gebäude des Old Post Office steht im Mittelpunkt einer unangenehmen Affäre: Die beiden Generalstaatsanwälte von Nevada und Washington haben gegen Trump Klage wegen Bereicherung im Amt erhoben. Der amerikanische Präsident profitiere mit seinem von der Deutschen Bank finanzierten Luxushotel in Washington von erheblichen Zahlungen ausländischer Regierungen, die dort Bankette veranstalten und ganze Etagen anmieten. Das Gesetz verbietet es jedoch einem amerikanischen Präsidenten, Geld von fremden Regierungen anzunehmen.

Die Deutsche Bank gerät wegen ihrer Kreditgeschäfte mit Trump immer mehr zwischen die Fronten in den USA. Bereits jetzt hat sie sich große Teile der Kongress-Abgeordneten zum Feind gemacht, die schriftlich Auskunft über die genauen Geldströme verlangen. Die Deutsche Bank lehnt das unter Hinweis auf ihre vertraulichen Geschäftsbeziehungen ab. Ja, sie muss solche Anfragen ablehnen, wenn sie nicht eine Schadenersatzklage ihres Kunden Trump riskieren will.

US-Banken sind schlauer

Bisher gibt es keinerlei Anzeigen für ein Fehlverhalten der Deutschen Bank bei der Kreditvergabe. Nichts spricht dafür, Cryan und seine Kollegen hätten die Darlehen mit dem Hintergedanken eingeräumt, Einfluss auf Trump zu gewinnen. Wahrscheinlich witterten die Banker in Manhattan schlicht einen guten Deal. Die Gesellschaften der Familie Trump zahlen für ihre hochriskanten Projekte Zinsaufschläge – und alle Banken suchen gegenwärtig händeringend solche Geschäfte.

Wieder einmal zeigt sich jedoch: Wenn deutsche Banken plötzlich in den USA vermeintlich besonders gute Deals machen, laufen sie in Wahrheit oft in eine Falle. Viele große amerikanische Banken pflegen seit Jahren keine Beziehungen mehr zu den Trump-Firmen. Und seit sich eine mögliche Präsidentschaftskandidatur abzeichnete, floss erst recht kein Geld mehr aus ihren Kassen. Irgendwie waren die amerikanischen Konkurrenten mal wieder, wie so oft in der Vergangenheit, schlauer als die Deutsche Bank.


Bernd Ziesemer ist Capital-Kolumnist. Der Wirtschaftsjournalist war von 2002 bis 2010 Chefredakteur des Handelsblattes. Anschließend war er bis 2014 Geschäftsführer der Corporate-Publishing-Sparte des Verlags Hoffmann und Campe. Ziesemers Kolumne erscheint jeden Montag auf Capital.de. Hier können Sie ihm auf Twitter folgen.


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