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Start-up-Paten gesucht

, Martin Kaelble

Neue und alte deutsche Wirtschaft reden zu wenig miteinander. Dabei könnten Internetfirmen und Mittelständler viel voneinander lernen. Wie wäre es mit Start-up-Patenschaften? Von Martin Kaelble

Martin Kaelble © Trevor Good
Martin Kaelble schreibt an dieser Stelle montags über Makro- und Techtrends aus der Weltwirtschaft

Haben Sie mal einen Amerikaner nach den Stärken der deutschen Wirtschaft gefragt? Klar: Maschinen und Services, die an andere Firmen verkauft werden, dürfte die Antwort lauten. Business-to-Business, kurz B2B. Dafür steht der deutsche Mittelstand. Was können hingegen die Amerikaner gut? Business-to-Consumer: Coca-Cola, Apple, McDonalds.

Haben Sie mal einen Amerikaner gefragt, wofür die deutsche Start-up-Szene bekannt ist? E-Commerce. Business-to-Consumer also. Recht erstaunlich, wenn man sich die Struktur der restlichen deutschen Wirtschaft anschaut.

Daraus lassen sich zwei Dinge ableiten. Erstens: Man traut sich bekanntermaßen in Deutschland im Start-up-Bereich selten, eigene Wege zu gehen. Lieber werden die Modelle anderer kopiert. Die sind eben zumeist amerikanisch - und damit Business-to-Consumer Services.

Es ist aber auch ein Hinweis darauf, dass es offenbar wenig Austausch, wenig Verknüpfungen zwischen der alten deutschen Wirtschaft und ihren neuen digitalen Sprösslingen gibt. Die Alten sitzen in der Provinz, im Schwäbischen oder in NRW. Die Start-ups dagegen weit weg in Berlin in ihren Lofts. Die einen trinken Filterkaffee. Die anderen Latte Macchiato. Ihre Wege kreuzen sich höchstens mal im ICE Bordbistro. Ansonsten leben beide Welten fein separiert in Deutschland nebeneinander vor sich hin.

Start-ups brauchen Geld, der Mittelstand hat es

Das ist bedauerlich, denn eigentlich könnten beide viel voneinander lernen. Mehr noch: Beide brauchen einander. Der deutsche Mittelstand muss innovativ und am digitalen Puls der Zeit bleiben. Die Jungen könnten viel von den Alten über die Optimierung von Produkten lernen, über Marktexpansion, über Unternehmertum allgemein. Und sie könnten von den gewachsenen Strukturen der Hidden Champions des B2B aus der Provinz profitieren.

Ebenso wichtig wäre der Austausch beim Thema Finanzierung. Den deutschen Start-ups mangelt es im Wagniskapitalbereich ab einer gewissen Größe an Geld. Der Mittelstand sitzt dagegen auf Vermögen. Noch dazu hat er spezifische Strukturen herausgebildet bei der Finanzierung der eigenen Expansion. Der deutsche Mittelstand holt sich sein Geld über lang gewachsene Verbindungen mit seinen lokalen Banken. Das macht ihn in Krisenzeiten besonders sattelfest. Hiervon sollten sich Start-ups so früh wie möglich etwas abschauen. Sie sind der deutsche Mittelstand von morgen.

Kurzum: Der Austausch zwischen der alten deutschen Wirtschaft und der neuen sollte viel intensiver sein. Wie wäre es mit einer Art Patenschaft für Start-ups? Deutsche Mittelständler aus der Provinz könnten Patenonkel für ein Start-ups in Berlin werden. Das wäre auf jeden Fall ein interessantes Experiment.

Und es wäre nicht verwunderlich, wenn dann mehr B2B-Start-ups entstünden, die von Synergien und Strukturen profitieren, die in diesem Bereich ohnehin schon in Deutschland vorhanden sind. Damit würden die Chancen steigen, dass vielleicht auch mal aus einem deutschen Start-up ein Google entstünde. Oder eben ein zweites SAP. Übrigens: Was macht SAP? Richtig: Software für andere Firmen, nicht für den Endkonsumenten. B2B also. Und die Walldorfer haben bei ihrer Expansion auch von den gewachsenen Strukturen der deutschen Wirtschaft profitiert.

E-Mail: Kaelble.Martin@capital.de

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