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Sparkasse Commerzbank

, Bernd Ziesemer

Deutschlands zweitgrößte Privatbank verabschiedet sich endgültig von einem ambitionierten Geschäftsmodell. Von Bernd Ziesemer

Bernd Ziesemer © Martin Kess

Bernd Ziesemer ist Capital-Kolumnist. Der Wirtschaftsjournalist war von 2002 bis 2010 Chefredakteur des Handelsblattes. Anschließend war er bis 2014 Geschäftsführer der Corporate-Publishing-Sparte des Verlags Hoffmann und Campe. Ziesemers Kolumne erscheint jeden Montag auf Capital.de. Hier können Sie ihm auf Twitter folgen.


Personalentscheidungen in Konzernen sind immer Richtungsentscheidungen. Bei der Deutschen Bank beispielsweise war die Ernennung von John Cryan zum CEO zugleich ein Votum für eine Fortsetzung der internationalen Geschäftsausrichtung und eines zwar verkleinerten, aber immer noch starken Investment Bankings. Genau umgekehrt beim kleineren Konkurrenten Commerzbank: Der Amtsantritt des neuen Vorstandsvorsitzenden Martin Zielke signalisiert den endgültigen Abschied des Kreditinstituts von einem ambitionierten Geschäftsmodell. Der 53jährige Hesse verbrachte seine gesamte Laufbahn in Deutschland, von komplizierten globalen Finanztransaktionen versteht Zielke wenig. Das gleiche gilt für die anderen Mitglieder des Vorstands – allesamt Deutsche mit nur geringen oder gar keinen Erfahrungen in den Weltfinanzzentren New York, London oder Tokio.

Schon unter ihrem bisherigen Chef Martin Blessing hat sich die Commerzbank aus vielen Finanzmarkt nahen Geschäften außerhalb Deutschlands zurückgezogen. Die Ernennung Zielkes bedeutet eine beschleunigte Fortsetzung dieses Kurses. Zwar unterhält die Bank nach eigenen Angaben immer noch Zweigstellen und Büros in mehr als 50 Ländern. Doch als „Kernmärkte“ definiert die Commerzbank nur noch Deutschland und Polen.

Doch selbst das ist übertrieben: Zum operativen Geschäftsergebnis steuerte ganz Mittel- und Osteuropa im vergangenen Jahr gerade einmal 346 Mio. Euro bei. Zum Vergleich: Das Geschäft mit deutschen Firmenkunden, bei der Commerzbank „Mittelstandsbank“ genannt, sorgte im gleichen Zeitraum für über eine Milliarde Euro Ergebnis. Kontinuierlich zurück gehen auch die Erträge aus den Resten des Investment Bankings: 2013 generierte der Bereich „Corporate & Markets“ noch 777 Mio. Euro, im letzten Jahr waren es gerade noch 610 Mio. Euro.

Die Commerzbank als Supersparkasse

Wenn man die verschiedenen Geschäftsmodelle im deutschen Kreditgewerbe vergleicht, kann man mit Fug und Recht sagen: Die Commerzbank ist inzwischen Deutschlands größte Sparkasse. Ähnlich wie die öffentlich-rechtlichen Institute verwaltet die Bank ein immer größeres Einlagengeschäft mit privaten Kunden und verleiht dieses Geld anschließend an deutsche Unternehmen und wenige ausgewählte Auslandsfirmen. Seit Ende 2012 stieg die Zahl der privaten Kunden um über 800.000 – angelockt vor allem durch viel Werbung und ein kostenloses Girokonto. Gleichzeitig stieg das Kreditvolumen im Firmengeschäft um zwölf Prozent. So ähnlich machen es auch die Sparkassen.

Dieses Geschäftsmodell muss nicht schlecht sein – und auf jeden Fall ist es besser als die kostenträchtigen Versuche der Commerzbank in der Vergangenheit, ein großes Rad mit Staatsanleihen, Immobilien und Schiffsfinanzierungen zu drehen. Aus dieser Zeit schleppt das Kreditinstitut immer noch die gewaltige Last von 18 Mrd. Euro an zweifelhaften Aktiva mit sich herum. Allerdings merken auch die normalen Sparkassen mittlerweile: In Zeiten der Nullzinspolitik lassen sich mit dem angestammten Geschäftsmodell nur noch schwer ausreichende Erträge erzielen. Ob die Supersparkasse Commerzbank also bereit eine wirklich nachhaltige Strategie gefunden hat, muss man bezweifeln.


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