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Schafft die Büros ab!

, Cristina Riesen

Die digitale Revolution wird unsere klassische Vorstellung vom Arbeitsalltag verändern

Cristina Riesen
Cristina Riesen

Cristina Riesen ist Europachefin des amerikanischen Startups Evernote


Sie sind selten – die Momente, in denen wir miterleben, wie eine Neuerung die Welt so radikal verändert, dass sie ein neues Zeitalter einläutet. Die erste Agrarrevolution verwandelte die Menschen von wandernden Jägern und Sammlern in eine sesshafte Gesellschaft. Die industrielle Revolution des 18. und 19. Jahrhundert beschleunigte die Mechanisierung von Prozessen und transformierte die vormals agrargeprägte Arbeitslandschaft. Heute befinden wir uns inmitten einer weiteren Revolution - einer digitalen.

9 to 5 als Standard - warum eigentlich?

Moderne Technik und Software finden ihren Weg in jeden Bereich unseres Lebens und lassen die Grenzen von Arbeit und Freizeit verschwimmen. So wie unsere Vorgänger sich erst einmal daran gewöhnen mussten, sich auf einem Stück Land anzusiedeln oder Maschinen zu benutzen, müssen auch wir uns erst an die neuen Möglichkeiten gewöhnen, die der technische Fortschritt uns bietet. Dazu gehört auch zu akzeptieren, dass unsere klassischen Definitionen von Arbeit und Produktivität hinfällig sind.

Immer noch wird unsere Arbeitswelt dominiert von der Erwartung, dass wir alle montags bis freitags von 9 bis 17 Uhr im Büro an unseren Schreibtischen sitzen müssen. Diese Erwartung zieht sich nach wie vor in den meisten Unternehmen durch alle Bereiche und Ebenen. Hartnäckig hält sich die Überzeugung, dass jemand, der sich nicht im Büro aufhält, ein Drückeberger sein muss und zu Hause Däumchen dreht. Vor hundert oder selbst vor 30 Jahren mag das gestimmt haben – das war bevor Computer, Internet und Smartphone unseren Alltag eroberten. Mittlerweile sind wir umgeben von Instant-Messaging, Social Media und cloud-basierte Anwendungen. Das einzige, was uns noch zurückhält, ist diese tiefverwurzelte Vorstellung davon wie gute, wie richtige Arbeit auszusehen hat.

Präsenz = Produktivität?

Dabei ist es schlicht nicht mehr zeitgemäß, sich acht Stunden am Tag an einen Ort zu binden, um Dinge zu erledigen. Genauso wenig wie es möglich ist, pünktlich zum Feierabend zu entscheiden, dass wir nun über ein Projekt oder ein Problem, das uns beschäftigt, nicht mehr nachdenken wollen. Moderne Technologien ersetzen und automatisieren mittlerweile viele Tätigkeiten. Unsere Arbeit dreht sich immer stärker um Innovation und weniger darum, manuell jedes Zahnrad einzeln zu justieren. Ein moderner Arbeitsplatz bietet eine Atmosphäre, die Innovationen ermöglicht, also gleichermaßen Produktivität und Kreativität fördert.

Bisher haben wir unser Bestes getan, genau das zu vermeiden. Stattdessen verwenden wir jede Menge Zeit und Mühe darauf, uns und unser Verhalten einer Vorlage aus prädigitalen Zeiten anzupassen: präsent sein, gesehen werden; vor allem dabei gesehen werden wie wir wichtig und beschäftigt aussehen. Wir können heute aber im Prinzip von überall arbeiten – warum also weckt das Thema flexible Arbeitszeiten noch immer diese negative Assoziationen?

Das Zeitalter der digitalen Nomaden

Es wird Zeit, dass wir uns von der Annahme verabschieden, dass flexible Arbeitszeiten und Arbeitsorte für ein geringes Arbeitspensum stehen, und lange Arbeitszeiten heißen, dass wir mehr schaffen. Wer 14 Stunden am Stück arbeitet, ist nicht automatisch produktiver als jemand, der nur vier Stunden lang im Büro ist. Innovation kann überall und zu jeder Zeit entstehen. Es geht nicht darum, einen straffen Zeitplan zu entwerfen, sondern darum, die Zeit und den Ort zu finden, der für uns persönlich am besten funktioniert.

Wenn mein Tagesablauf zu mir passt, bin ich produktiver und das heißt letztendlich, dass das ganze Unternehmen produktiver ist. Ideen können jederzeit auftauchen, sie sind flexibel und nicht vorhersehbar. Wir sollten unseren Ideen den Raum geben, den sie brauchen.

In gewisser Weise sind wir im Begriff, einen Bogen zu schlagen. Die digitale Revolution wird unsere klassische Vorstellung vom Büro und Arbeitsalltag abschaffen – das Nomadenleben der Vergangenheit wird Teil davon, wie wir in Zukunft arbeiten.


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