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  • Gastkommentar

Mit Tempo in die Real Time Economy

, Kai Beller

Die Echtzeit-Wirtschaft kommt - jetzt. Sind Deutschlands Unternehmen darauf vorbereitet? Es bestehen Zweifel. Von Nina Wegner

Nina Wegner © BT
Nina Wegner ist CEO von BT Germany

Den Fußballtrainer Julian Nagelsmann kennt man nicht aus dem Fernsehen – zumindest noch nicht. Doch der U19-Cheftrainer der TSG 1899 Hoffenheim ist auf dem besten Wege, den deutschen Fußball zu revolutionieren. Ballkontakte, Sprintgeschwindigkeit, Pulsfrequenz: Nagelsmann erhält während des Trainings Echtzeitdaten auf sein Tablet, um die Leistung einzelner Spieler und der Mannschaft zu bewerten und zu verbessern.

Dieses Beispiel für Realtime Analytics am Spielfeldrand zeigt, wie die zunehmende Vernetzung und Beschleunigung von Abläufen unser Leben zu prägen beginnt. Das gilt auch für die Wirtschaft: Wir kommen in einer Real Time Economy an. Informationen werden prozess- und unternehmensübergreifend in Echtzeit verfügbar. Das gilt für Daten, die im Laufe der Produktion anfallen genauso wie für Informationen, die Kunden im Internet oder im Geschäft preisgeben.

Carsharing in Dresden
Carsharing: Daten in Echtzeit

Unter diesen Vorzeichen verändern sich Geschäftsmodelle und die Art, wie Unternehmen handeln, drastisch. Schon heute basieren viele Geschäftsmodelle wesentlich darauf, dass Nutzer – meist von mobilen Endgeräten – Daten nahezu in Echtzeit abrufen oder selbst in komplexe Prozesse eingreifen können. Die neuen Carsharing-Modelle in vielen Großstädten sind ein Beispiel dafür.

Gleichzeitig nehmen die Möglichkeiten zu, Produkte individuell zu konfigurieren. Trotz Serienfertigung werden sie zum Unikat; Experten sprechen von der Losgröße eins. Zum Beispiel beim Autokauf, wenn der Kunde kurz vor Produktionsstart noch online die Ausstattung ändern kann. Und auch wenn es um die Auslieferung von Waren oder die Bereitstellung von Services geht: Verbraucher und Geschäftskunden erwarten mit wachsender Selbstverständlichkeit mehr Tempo und mehr Entgegenkommen. Same-Day-Delivery und Rund-um-die-Uhr-Service sind nur zwei von vielen aktuellen Entwicklungen hierfür.

Trends wie diese eröffnen nicht nur Konzernen, sondern auch kleinen und mittleren Unternehmen neue Wachstumsperspektiven, und viele Start-ups fordern mit neuen Diensten etablierte Marktführer heraus. Ist Ihr Unternehmen darauf vorbereitet?

Bewusstsein ist vorhanden

BT hat Entscheider in großen Unternehmen in Deutschland, der Schweiz und den Benelux-Staaten nach ihrer Einschätzung zum Thema Real Time Economy durch die Marktforscher der Experton Group befragen lassen. Dabei zeigte sich:

  • Die überwiegende Mehrheit der Entscheider ist der Meinung, dass sich ihre Unternehmen zu schnelleren, besser vernetzten Organisationen weiterentwickeln müssen.
  • Mehr als die Hälfte der Befragten gab an, dass ihre Geschäftsprozesse in den kommenden 24 Monaten weiter beschleunigt und stärker vernetzt oder sogar Echtzeitgeschwindigkeit erreichen werden.
  • Allerdings halten sich die befragten Entscheider nicht für ausreichend vorbereitet. 70 Prozent der Befragten gaben an, dass ihre bisherige Infrastruktur den Anforderungen der Real Time Economy nicht gewachsen ist.

Man kann es also nicht deutlich genug sagen: Die IT ist ein strategischer Produktionsfaktor im Unternehmen. Viele Innovationen sind überhaupt nur dank moderner IT-Systeme möglich. Alle beteiligten Parteien und Komponenten im Produktionsprozess – wie Zulieferer, Maschinen, Lager, Logistiksysteme – werden über Sensoren und Netzwerke selbständig miteinander kommunizieren und Daten austauschen, aber auch die Produkte und ihr Einsatz im Alltag werden durch die IT bestimmt. Besonders deutlich zeigt sich dies im Bereich des Connected Car, wird sich aber auf viele andere Lebensbereiche ausweiten – von „intelligenten“ Kleidungsstücken über das vernetzte Wohnzimmer bis hin zur Waschmaschine, die automatisch den Service benachrichtigt, sobald ein Teil ausgewechselt werden muss.

Infrastruktur wird leistungsfähiger

„Real Time“ ist, das hat die Studie gezeigt, kein kurzfristiger Trend, sondern wird weite Teile der Wirtschaft beeinflussen. Infrastrukturen werden immer leistungsfähiger, die Anwendungen für Ad-hoc-Analysen großer Datenmengen immer ausgereifter, vor allem aber: Die Anwender erwarten mehr und mehr, dass sie unabhängig von Ort und Zeit Informationen abrufen und in Prozesse eingreifen können. Diese Entwicklung ist nicht etwa auf Einzelhandel und Online-Banking beschränkt, sondern durchzieht praktisch alle Branchen. Auf der Grundlage der Vernetzung und der damit verbundenen Möglichkeit, Daten sofort auszutauschen, entstehen neue Services oder die Möglichkeit, ansonsten nahezu identische Produkte zu differenzieren.

Wenn Business und IT dies erkannt haben und nicht nur an einem Strang, sondern auch in dieselbe Richtung ziehen, bin ich sicher: Die deutschen Unternehmen werden auch in Zukunft international in der höchsten Liga spielen. Sie müssen es, ansonsten machen es die anderen.

Fotos: © BT; teilAuto - Mobility Center GmbH


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