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Konzerne auf der Kippe

, Bernd Ziesemer

2016 wird für viele deutsche Großunternehmen zum Entscheidungsjahr. Und zugleich zur Nagelprobe für unterschiedliche Führungsstile ihrer Chefs.

Bernd Ziesemer © Martin Kess

Bernd Ziesemer ist Capital-Kolumnist. Der Wirtschaftsjournalist war von 2002 bis 2010 Chefredakteur des Handelsblattes. Anschließend war er bis 2014 Geschäftsführer der Corporate-Publishing-Sparte des Verlags Hoffmann und Campe. Ziesemers Kolumne erscheint jeden Montag auf Capital.de. Hier können Sie ihm auf Twitter folgen.


Selten gingen so viele Dax-30-Konzerne unter so unsicheren Vorzeichen in ein neues Jahr wie 2016. Die Deutsche Bank muss den stetigen Niedergang ihres Aktienkurses aufhalten und endlich ihre zahlreichen Prozessrisiken in den Griff bekommen. Gleich drei Konzerne – Bayer, RWE und Eon – müssen die Folgen großer Abspaltungen meistern. Siemens will im laufenden Jahr endlich wieder auf einen Wachstumskurs zurückkehren.

Die Lufthansa geht mit einer völlig neuen Konzernstrategie an den Start. Der größte deutsche Chemiekonzern BASF muss sein Asien- und vor allem sein China-Geschäft neu ausrichten. Und für VW entscheidet sich in diesem Jahr in den USA schlicht das weitere Schicksal des ganzen Konzerns. Und alle Konzerne zusammen gehen ihre ganz spezifischen Probleme unter den Bedingungen einer kippligen Weltkonjunktur an.

Macher gegen Kommunikatoren

Die Bewährungsprobe für die Konzerne ist zugleich eine Herausforderung für die jeweiligen Chefs und ihren Führungsstil. Grob gesprochen stehen sich zwei sehr unterschiedliche Rollenverständnisse in Deutschland gegenüber: Macher gegen Kommunikatoren. Die Macher orientieren sich eher nach innen, die Kommunikatoren nach außen. Die Macher arbeiten stark an Kosten und Strukturen, ihre Antipoden eher an Unternehmenskulturen und einem neuen Selbstverständnis des Personals. Während die einen ihre Programme unermüdlich abarbeiten, ohne sich groß um interne und externe Diskussionen zu kümmern, suchen die anderen ihr Heil in der Mobilisierung von Führungskräften und Mitarbeitern. Natürlich gibt es keine Macher, die nicht auch notgedrungen kommunizieren; und natürlich auch keine Kommunikatoren, die nicht gleichzeitig auch ihre Agenda abarbeiten. Trotzdem sind die Unterschiede im jeweiligen Führungsverhalten signifikant.

Zur Gruppe der Macher kann man vor allem den neuen Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bank zählen. Der Brite John Cryan hält nichts von weiteren Reden über Kulturwandel, sondern konzentriert sich ganz auf die Detailarbeit. Ähnliches kann man von BASF-Chef Kurt Bock, dem neuen VW-Chef Matthias Müller oder RWE-Chef Peter Terium sagen – alle drei Manager sind keine begnadeten Redner, aber ausgewiesene Struktur- und Strategietüftler. Die Hauptgefahr bei den Machern: Sie könnten die Aktionäre, Kunden und Mitarbeiter nicht genügend mitnehmen, wenn sie sich allein auf Zahlen und Fakten konzentrieren.

Wer wird besser abschneiden?

Auf der anderen Seite des Spektrums steht ein Mann wie Siemens-Chef Joe Kaeser, der den ganzen Konzern auf eine neue Kommunikationslinie gezwungen hat. Der alte Bürokratieladen präsentiert sich unter seiner Regie als Unternehmen mit vielen Mitunternehmern, im ständigen Dialog mit Start-ups und Innovatoren. Eine neue Kultur soll neue, bessere Ergebnisse bringen. 2016 ist dafür das Schlüsseljahr. Ähnlich wie Kaeser arbeiten auch die Vorstandsvorsitzenden von Lufthansa oder Eon. Als charismatische und sehr auf sich selbst bezogene Chefs bemühen sie sich, ihren ganzen Konzern mitzureißen. Die Hauptgefahr für die Kommunikatoren: Ihre großen Gedankengebilde könnten an der schnöden Wirklichkeit zerschellen, weil sie sich nicht genügend mit den wirklichen Detailproblemen ihres Unternehmens auseinandersetzen.

Welche der beiden Gruppen sich 2016 am Ende besser schlägt, kann man nur schwer prophezeien. Deshalb kommt dieser Kommentar ausnahmsweise auf Wiedervorlage zum 1. Januar 2017. Dann mehr dazu an dieser Stelle.


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