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Hopp, hopp – bewegt Euch!

, Jenny von Zepelin

Fünf Jahre nach dem Lehman-Gau sollten nicht nur Finanzmanager etwas verinnerlicht haben: Die Lehre vom Hund und dem Frisbee. Von Jenny Genger

Jenny Genger schreibt in ihrer Kolumne über Unternehmensführung, Netzwerke und Karrierethemen.

Jetzt gerade pilgern renommierte Ökonomen und Notenbanker wieder nach Kansas zum Davos der Finanzbranche. Auch wenn Ben Bernanke, der oberste US-Währungshüter, es wagt, das legendäre Treffen in Jackson Hole in diesem Jahr zu schwänzen, sollte es zum bitteren Jubiläum, genau fünf Jahre nach dem Ausbruch der Finanzkrise nicht an Diskussionsstoff mangeln.

Die Benchmark für programmatische Reden zur Bewältigung dieses Kollapses hat im vergangenen Jahr nicht Schirmherr Bernanke gesetzt, sondern ein Experte für Finanzmarktstabilität bei der Bank of England, Andy Haldane. Die dröge Ankündigung seines Vortrags („Ensuring Long-Term Financial Stability“) hatte er vor seinem Auftritt kurzerhand noch geändert in „The Dog and the Frisbee“. Die Aufmerksamkeit war ihm sicher und die Medien nahmen statt Basel III dankbar den Hund in die Schlagzeilen.

Mit seinem eindrücklichen Vergleich forderte Haldane, zu einer einfacheren Bankenregulierung zurückzukehren. Feuer lasse sich nicht mit Feuer bekämpfen und Komplexität eben nicht mit noch komplexeren Regeln beherrschen, führt der Ökonom aus.

Sein Mantra: Macht Euch alle mal locker! Hört auf, komplizierte Überlegungen anzustellen, die zu nichts führen. Und bewegt Euch einfach mal. Folgt Eurem Instinkt! Eben wie beim Frisbee-Spiel. Mit etwas Übung kann jedes Kind, auch viele Erwachsene und sogar Hunde (insbesondere Border Collies) so eine pfeilschnell durch die Luft sausende Kunststoffscheibe auffangen. Dabei unterliegt dieser Prozess stets vielen komplexen Variablen wie Geschwindigkeit, Windverhältnisse und Rotation. Die könnte ein Frisbee-Fänger anhand physikalischer Formeln präzise berechnen. Bis dahin liegt die Scheibe dann aber wohl schon im Gras. Dagegen rennen erfolgreiche Frisbee-Spieler dem Geschoss entgegen und halten es konstant im Blick bis zum Zugriff.

Diese schöne Lehre sollten nicht allein Ökonomen, Regulierer, Gesetzgeber im Hinterkopf behalten, die seit Jahren schon vergeblich an Fremd- und Eigenkapital-Verhältnissen von Finanzinstituten herumdoktern.

Jetzt im Handel: Die neue Capital

Die meisten Manager beklagen die rasanten Veränderungen in einer scheinbar immer komplizierter und komplexer werdenden Welt, die ganze Branchen zu neuen Spielregeln und mitunter brutalen Einschnitten zwingt. Das betrifft deutsche Stromkonzerne wie Eon, RWE und EnBW, deren Geschäftsmodell nach der Energiewende komplett obsolet ist. Das betrifft Verlage weltweit, die abseits von Printpublikationen nach neuen Erlösmodellen für die Verbreitung ihrer Informationen suchen. Das betrifft Handelskonzerne, deren klassisches Filialgeschäft durch mannigfaltige Wettbewerber im Internet angegriffen wird. Das betrifft Industriekonzerne wie Siemens und ThyssenKrupp, deren Mittel-und Langfristplanungen und Risikokalkulationen erodieren. Und es betrifft auch Technologiekonzerne wie SAP, die angesichts des rasanten Wandels in der IT-Welt fürchten, nicht rasch genug mit bahnbrechenden Innovationen standhalten zu können.

Die Manager dieser Unternehmen reden eher davon, wie viele Bälle sie heutzutage gleichzeitig in der Luft halten müssen oder dass etwas wie ein Bumerang auf sie zurückkommt. Sie sollten mal raus gehen mit ein paar Kollegen und die Frisbee-Scheibe rotieren lassen. Dabei lernen sie vielleicht, intuitiv ein paar einfachen Gesetzmäßigkeiten zu folgen: Den Markt, also die Kunden so wie die Frisbee-Scheibe stets im Blick zu behalten und im gleichen Tempo darauf zuzusteuern. Den Kollegen, den Mitarbeitern so wie den Frisbee-Mitspielern einfache, klare Ansagen geben und diese dann frei laufen lassen. Das Spiel über kurze Distanzen gestalten – werfen, fangen, werfen, fangen. Denn dabei kann die Positionierung und die Ausgestaltung der Technik stets an die Rahmenbedinungen angepasst und verfeinert werden.

Finanzmarktexperte Haldane bescheinigte seiner Zunft am Ende seiner Rede, eine vernichtende Spielbilanz: “Unsere Regulatoren heute zu fragen, wie sie uns mit den herkömmlichen Instrumenten vor der nächsten Krise bewahren wollen, ist so als ob man einen Border Collie anweisen würde vor dem Frisbee-Fangen die Newtonschen Gesetze zu berechnen”. Ein Jahr hatten die Experten nun Zeit zum trainieren. Vielleicht bringt an diesem Wochenend jemand eine Frisbee-Scheibe mit nach Jackson Hole.

Um Haldanes Ansatz einzuordnen, können Capital-Leser unterdessen im aktuellen Heft das ganze Lehman-Debakel noch mal rekonstruieren.

Die letzten Kolumnen von Jenny GengerGrube im KummerlandIst der Ruf erst ruiniertDie Arbeit kommt nach Hause und Jetzt lasst mal die Männer ran.

E-Mail: genger.jenny@capital.de

Foto: © Trevor Good

Hier gibt es die iPad-Ausgabe der neuen Capital.


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