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Generation Macron

, von Martin Kaelble

Mit Emmanuel Macron ist die Generation der Unter-40-Jährigen erstmals an der Macht. Was unterscheidet uns von unseren Vorgängern? Ein kleines Manifest der U40. Von Martin Kaelble

Emmanuel Macron mit einer jungen Anhängerin © Getty Images
Emmanuel Macron mit einer jungen Anhängerin

Mit Frankreichs neuem Präsident ist erstmals ein Vertreter einer neuen Generation an der Macht: Die Unter-40-Jährigen (zu der auch ich gehöre). Es war höchste Zeit, dass wir aus der passiven Beobachter-Rolle rauskommen, zuschauen mussten wie Donald Trump und Co. die Welt ruinieren – und uns aktiv in die Politik einbringen. Jetzt sind wir dran! Und das hier macht uns anders als die Generationen vor uns.

Wir sind die Generation Start-up

Fehlende Strukturen machen uns nicht Angst, sondern Lust. Wir wollen ständig etwas Neues. Und wir ziehen lieber etwas von Null hoch auf der grünen Wiese, statt in etablierten Strukturen zu dienen. Siehe Macrons Bewegung „En Marche!“. Er hat sich nicht in eine bestehende Partei eingefügt, sondern lieber gleich etwas Eigenes gegründet, mit schnelleren, flexibleren, weniger vorbelasteten Strukturen. Das ist typisch für unsere Generation! In den vergangenen Jahren haben wir mit Start-ups die Wirtschaft aufgemischt. Jetzt „disrupten“ wir die Politik! Wir sind zäh. Wir probieren aus, fallen hin, stehen wieder auf.

Wir sind Veränderer

Wir wollen die Welt verändern und verbessern – aber sind dabei weniger verhangen in Ideologie und Theorie wie vielleicht Veränderer-Generationen vor uns in den 60er- oder 70er-Jahren. Stattdessen sind wir eher pragmatisch und zupackend. Es schwingt eben der für uns typische Geist mit, die Welt unternehmerisch zu verändern. Und nicht den Raubbau an der Welt weiterzuführen, den die Generationen vor uns betrieben haben. Wir wollen keine ewigen Grundsatz-Diskussionen im Hörsaal. Sondern wir wollen einfach machen. Draußen im Feld!

Wir sind unideologisch

Macrons Bewegung pflegt das Motto „Ni droite, ni gauche“ – weder links, noch rechts. Programmtisch setzt er sich damit über die Spaltung der Gesellschaft hinweg und versucht zu einen. Wie Macron selber sagt: Er nimmt sich das Beste aus rechts, links, Mitte –Hauptsache es funktioniert und bringt uns weiter. Auch das ist typisch für unsere Generation: Wir wollen uns nicht zu sehr festlegen und ideologische Scheuklappen anlegen. Sondern flexibel und offen bleiben – für Einflüsse aus ganz unterschiedlichen Richtungen.

Wir sind casual

Krawatte, Normen, Status – das ist uns zunehmend egal. Wir mögen es eher locker und authentisch. Klassische Karriere – das ist vorbei. Wenn es passt nehmen wir das mit, mit dem Anzug. Aber ansonsten geben viele von uns ihr Geld lieber für eine Weltreise aus, fahren Rennrad statt Mercedes, essen Quinoa statt Kaviar und ziehen ein Sabbatical einer Beförderung vor. Manche von uns sind Hippies, manche sind Hipster, manche sind spießiger als ihre Eltern. Manche wählen eher Mélenchon und Sanders. Andere sitzen weiterhin in Kanzleien, Beratungen oder Ministerien unter der Woche – aber am Wochenende findet man sie dann in angesagten Clubs oder beim Surfen.

Zielstrebig können wir bei aller Lockerheit trotzdem sein. Macron ist das beste Beispiel. Er war Banker und extrem ehrgeizig, aber er hat eben auch die Lockerheit und Natürlichkeit bewahrt, mit der er im Wahlkampf die Wäher begeistert hat: durch eine authentische Art anstelle von Politiker-Floskeln.

Wir sind native Europäer

Europa, das ist für uns nicht eine bürokratisierte EU in Brüssel. Europa – das ist schlichtweg Teil unseres Lebens, unserer Erfahrungen, ja unserer ganz persönlichen Identität. Wir sind in und mit Europa aufgewachsen. Wir kennen nichts anderes. Europa das ist stinknormaler Teil unserer Realität, seitdem wir denken können. Und deswegen werden wir es uns auch nicht so schnell kaputt machen lassen.

Einige Dinge sind für uns unantastbar

Nicht nur Europa, auch Klimawandel, eine globale Weltsicht – manche Dinge stehen für uns nicht zur Diskussion. Sie sind selbstverständlich und gegeben. Im scharfen Gegensatz zu den Commonwealth-Fans die für den Brexit stimmten, den verklärten Babyboomer-50er-Jahre-Fantasien der Trump-Wähler oder den D-Mark-BRD-Nostalgikern in der AfD. Bestimmte Dinge sind bei uns einfach unantastbar. Besonders Trump steht in völligem Kontrast dazu. Der Starrsinn der Trump-Generation treibt uns auf die Straße, repolitisiert uns. Und Macron ist der momentan mächtigste Vertreter von uns, um dagegen zu halten. Er wird viel Gegenwind bekommen. Er wird nicht perfekt sein. Er repräsentiert nicht alles und jeden unserer Generation. Aber er wird unserer Generation zumindest endlich nicht nur eine Stimme verleihen, sondern auch Handlungsspielräume. Einen ersten größeren Abdruck unserer Generation in der Politik und in der Welt hinterlassen. Und wenn er scheitert, gibt es ja noch ein paar andere von uns, die ihm folgen werden. Jetzt sind wir dran!

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