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Der Gipfel der Beklemmung

, von Horst von Buttlar

Hamburg brennt und bebt: G20-Gipfel sollten nicht mehr in einer Großstadt stattfinden. Von Horst von Buttlar

Rauchschwaden über Hamburg © dpa
Rauchschwaden über Hamburg

„Eine vernetzte Welt gestalten“, lautet die Agenda der Bundesregierung für die G20. Die analoge und reale Welt da draußen aber liefert über ihre vernetzen Kanäle Ende dieser Woche ganz andere Bilder: Da wird nichts gestaltet, sondern zerstört. Hamburg brennt und bebt. Autos stehen in Flammen, Rauchschwaden liegen über der Stadt, Läden sind verbarrikadiert oder die Schaufenster eingeworfen. Ich habe meine Heimatstadt noch nie so gesehen.

Alle Bilder und Videos, die man auf Twitter und Facebook von dieser Zerstörung sehen konnte, lösten eine neue Form der Beklemmung aus. Der „Schwarze Block“, wie eine Armee dunkler Krieger aus der „Herr der Ringe“-Triologie, zog durch Straßen, in denen normale Menschen leben, die morgens aufstehen und zur Arbeit gehen. Sie zünden Autos an, auf deren Rücksitzen Kinder in Kitas gefahren werden.

Alles versinkt im dunklen Qualm

Der friedliche Protest ist unsichtbar geworden in dieser Orgie der Gewalt, gleichzeitig hat sich die G20 mit der ganzen Gipfelindustrie in eine Sackgasse manövriert. Das betrifft auch den ganzen Prä-Gipfel-Zirkus samt der Erregungsindustrie über Großveranstaltungen drum herum. Über mehrere Wochen wurde nun berichtet und analysiert, dass dieser Gipfel stattfindet, dass die Einwohner das blöd finden und dass es Proteste geben wird. Und nun versinkt alles im dunklen Qualm und berstenden Fensterscheiben. Dazwischen eine Polizei, die ohnehin immer schuld ist, weil ihre Gegengewalt sehr sorgsam kommentiert wird. Worum der Gipfel eigentlich geht, ist für die meisten unklar – dafür wissen wir, dass Donald Trump Wladimir Putin erstmals die Hand geschüttelt hat.

Nie wieder sollte solch ein Gipfel in einer Großstadt stattfinden. Das mag zwar nach Kapitulation vor den linken Kriminellen klingen, aber der Preis ist zu hoch. Denn diese Radikalen haben die Proteste gekapert – ohne eine Agenda zu haben, außer blinde Gewalt. Apropos blind: Große Teile der linken Parteien wollen dieses Problem immer noch nicht sehen, sie relativieren und romantisieren, wo sie nur können.

Dokument des Scheiterns

Man kann die Staatschefs auch nicht in den Himalaya schicken, aber die „vernetzte Welt“ liefert in den Bildern, verwackelten Videos und Postings ein Dokument des Scheiterns; und wenn sich die ersten darüber aufregen, dass andere sich über brennende Autos aufregen, ist die unproduktive Spirale eh im Gang.

„Hamburg, meine Perle“, lautet die Zeile eines bekannten Liedes. Immerhin das wird diese Tage überdauern. 

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