• Facebook
  • Twitter
  • Google Plus
  • Kommentar

Wie sich Asien vor der Fed schützen kann

, Lee Jong-Wha

Die bevorstehende Abkehr der Fed von ihrer lockeren Geldpolitik gefährdet die aufstrebenden asiatischen Länder. Um sich zu wappnen, sollten sie Swap-Vereinbarungen abschließen. Von Lee Jong-Wha

Lee Jong-Wha © Project Syndicate
Lee Jong-Wha ist Professor für Ökonomie und Direktor des Asiatic Research Institute an der Korea University. Er war Chefökonom und Leiter des Büros für regionale wirtschaftliche Integration bei der Asiatischen Entwicklungsbank

Die Volkswirtschaften der Schwellenländer sehen sich mit erheblichen Unsicherheiten und gravierenden Abwärtsrisiken konfrontiert. Eine Hauptursache für die Instabilität ist die sich abzeichnende Umkehr der expansiven Geldpolitik der US-Notenbank Fed. Schon die Aussicht auf eine derartige Entwicklung erzeugt Volatilität auf den internationalen Finanzmärkten und droht das Wachstum in den Schwellenökonomien zu behindern.

Die Fed signalisierte, ihre Federal Funds Rate, also ihren Zielsatz für Tagesgeld, bei nahe 0 Prozent zu belassen, zumindest so lange die Arbeitslosigkeit über 6,5 Prozent liegt und die Inflationserwartungen fest verankert bleiben. Unklar bleibt allerdings, wann und wie die Fed mit der Straffung der Geldpolitik beginnen wird. Fest steht jedenfalls, dass die US-Notenbank in ihrer Entscheidungsfindung die Übertragungseffekte auf den Rest der Welt nicht berücksichtigen wird und die Politiker und Zentralbanker in anderen Teilen der Welt deshalb mit den Auswirkungen dieser Politik zurechtkommen müssen.

Eine straffere US-Geldpolitik könnte die weltweite Kreditknappheit verschärfen und damit den Druck auf die asiatischen Wirtschafts- und Finanzsysteme erhöhen. Überreaktionen und Herdenverhalten der Marktteilnehmer könnten eine abrupte Umkehr der Kapitalzuströme auslösen, wodurch es – wie in den Jahren 1997 und 2008 – zu einer akuten Dollarverknappung käme, die asiatische Banken und Unternehmen belastet.

Ansteckungsgefahr aus den USA

Diese Gefahren erklären, warum die bloße Andeutung eines möglichen Rückzugs der Fed aus den Ankäufen langfristiger Vermögenswerte (der so genannten quantitativen Lockerung) diesen Sommer einen Absturz der Währungen und Vermögenswertpreise in den Schwellenökonomien verursachte. Überdies unterstreichen sie auch die Notwendigkeit strafferer finanzieller Sicherheitsnetze für asiatische Volkswirtschaften.

Die globale Finanzkrise des Jahres 2008 legte die grundlegenden Mängel im internationalen Währungssystem offen, als das Versäumnis, für ausreichend Liquidität zu sorgen, schwer auf den asiatischen Schwellenländern lastete. Seit damals haben diese Länder Maßnahmen ergriffen, um die Stabilität ihrer Finanzsysteme gegen externe Schocks und Volatilität zu schützen, die Aufsicht und Regulierung des Finanzbereichs zu stärken und wirksamere makroökonomische Rahmenbedingungen zu schaffen, einschließlich besserer makroprudenzieller Regulierungen und Maßnahmen zur Kapitalkontrolle. Doch aufgrund ihrer starken Abhängigkeit von internationalen Handels- und Kapitalströmen bleiben sie anfällig für massive finanzielle Übertragungseffekte aus den Vereinigten Staaten.

Seit der Finanzkrise des Jahres 1997 haben die Schwellenländer der Region überdies ihre Devisenreserven erhöht und befinden sich nun im Besitz von über der Hälfte der gesamten weltweiten Reserven. Doch das Horten internationaler Reserven, größtenteils in Form niedrig verzinster, kurzfristiger US-Staatsanleihen, ist kostspielig und ineffizient.

[Seitenwechsel]

Schwierige Internationalisierung

Manche asiatischen Ökonomien, allen voran China, versuchen auch ihre Währungen zu internationalisieren. Angesichts des sich ausweitenden globalen Einflusses Chinas ist der Aufstieg des Renminbi als neue internationale Währung unausweichlich. Für kleinere Ökonomien wird diese Internationalisierung allerdings viel schwieriger.

In ihrem Bestreben, für ausreichend Liquidität zu sorgen, verfolgen asiatische Ökonomien auch aktiv Währungs-Swap-Vereinbarungen. Seit 2008 hat China 23 bilaterale Swap-Vereinbarungen abgeschlossen, unter anderem auch eine Vereinbarung mit Südkorea. Japan hat seine bilateralen Swap-Fazilitäten mit seinen asiatischen Nachbarn während der globalen Finanzkrise ausgeweitet. Und die zehn ASEAN-Länder haben gemeinsam mit China, Japan und Südkorea eine regionale Finanzreserve im Ausmaß von 240 Mrd. Dollar geschaffen, um den Mitgliedsländern im Notfall kurzfristige Liquidität zur Verfügung zu stellen.

Derartige Swaps sollten den asiatischen Ländern helfen, mit Währungsturbulenzen im Gefolge einer Umkehr der Fed-Politik fertig zu werden. Doch sie sind nicht erprobt und angesichts ihres relativ geringen Volumens können sie auch nicht für eine Beruhigung der Märkte sorgen oder angemessene Notfall-Unterstützung in Krisenländern bieten, vor allem nicht im Fall eines umfangreichen systemischen Schocks.

Die Fed als weltweiter De-Facto-Kreditgeber letzter Instanz kann die Wirksamkeit der finanziellen Sicherheitsnetze deutlich verbessern, indem sie während ihres Rückzugsprozesses aus der quantitativen Lockerung Währungsswap-Vereinbarungen mit den Zentralbanken der Schwellenländer trifft.

Swap-Vereinbarungen helfen

Im Jahr 2008 etablierte die Fed Währungsswap-Linien mit den Zentralbanken von zehn Industrieländern, einschließlich der Eurozone, Großbritannien, Japan und der Schweiz sowie mit vier Schwellenökonomien (Brasilien, Südkorea, Mexiko und Singapur). Mit diesen Vereinbarungen, von denen die meisten im Jahr 2010 ausliefen, reagierte man auf die Spannungen auf kurzfristigen Kreditmärkten und verbesserte die Liquiditätsbedingungen während der Krise. Der Swap der südkoreanischen Zentralbank im Volumen von 30 Mrd. Dollar verhinderte trotz seines begrenzten Umfangs einen Sturm auf den Won.

Eine Wiederbelebung der Swap-Vereinbarungen zwischen Fed und den Schwellenökonomien würde die negativen Übertragungseffekte während der bevorstehenden Umkehr in der Geldpolitik minimieren. Sogar eine Ankündigung der Fed hinsichtlich ihrer diesbezüglichen Bereitschaft wäre überaus hilfreich, die Märkte dahingehend zu beruhigen, dass die Schwellenländer eine Liquiditätskrise abwenden können.

Mit den Swap-Linien wäre außerdem auch amerikanischen Interessen gedient. Schließlich würden Schwierigkeiten in den Schwellenökonomien die gesamte Weltwirtschaft destabilisieren und die fragile Erholung der Industrieländer, einschließlich der USA, bedrohen. Und angesichts des Aufstiegs Chinas liegt es ganz klar im Interesse Amerikas, in Asien ein Machtgleichgewicht aufrecht zu erhalten.

Kritiker könnten nun die Gefahr eines durch die Liquiditätsunterstützung herbeigeführten Moral Hazard anführen. Doch ein gut konzipiertes Rahmenwerk, innerhalb dessen Swap-Linien nur an Schwellenökonomien mit guten Voraussetzungen – und auch nur vorübergehend – angeboten werden, würde dieses Risiko beträchtlich verringern.

Tatsächlich schlagen manche Experten wie der Ökonom Edwin Truman die Einführung institutionalisierter weltweiter Swap-Vereinbarungen als wirksameren und stabileren Mechanismus zur Krisenprävention vor – eine Idee, die die G-20-Länder berücksichtigen sollten. Doch die Schaffung eines derartigen Systems würde seine Zeit brauchen. In der Zwischenzeit sollte die Fed die Initiative ergreifen und Swap-Linien mit Industrieländern sowie auch Schwellenökonomien wiederherstellen.

Aus dem Englischen von Helga Klinger-Groier

Copyright: Project Syndicate, 2013.
 www.project-syndicate.org


Artikel zum Thema
Autor
  • Kommentar
Modis chinesische Träume

Will Indien sein volles wirtschaftliches Potenzial entfalten, muss es seinen Arbeitsmarkt reformieren: Weniger Regulierung, mehr Bildung. Von Lee Jong-WhaMEHR

  • Kommentar
Südkoreas Zukunft ist feminin

Südkorea hat ein Demografieproblem. Für dauerhafte hohe Wachstumsraten braucht das Land mehr Frauen im Beruf. Von Lee Jong-WhaMEHR

LESERKOMMENTARE

 

Kommentare Einblenden

Datenschutz

Die Kommentarfunktion "Disqus" wird von der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.

Moderation

Die Kommentare werden von Capital moderiert. Das heißt, Kommentare werden von der Redaktion freigeschaltet. Kritik und auch in der Sache harte Diskussionen sind willkommen, Beleidigungen werden wir dagegen nicht zulassen. Näheres hierzu finden Sie in unserer Netiquette.