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Die zweite Irrfahrt der Energieriesen

, Bernd Ziesemer

Eon und RWE verbrannten in den letzten Jahren viele Milliarden im Ausland. Trotzdem versuchen sie es erneut. Von Bernd Ziesemer

Bernd Ziesemer © Martin Kess

Bernd Ziesemer ist Capital-Kolumnist. Der Wirtschaftsjournalist war von 2002 bis 2010 Chefredakteur des Handelsblattes. Anschließend war er bis 2014 Geschäftsführer der Corporate-Publishing-Sparte des Verlags Hoffmann und Campe. Ziesemers Kolumne erscheint jeden Montag auf Capital.de. Hier können Sie ihm auf Twitter folgen.


In Brasilien verbandelten sie sich mit einem Pleitier. In Spanien verrannten sie sich in einem Bietergefecht. In Russland mussten sie Milliarden abschreiben. In England verloren sie Monat für Monat Kunden. In Holland verkalkulierten sie sich mit einer Investition fürchterlich. In Italien ging auch einiges daneben. Die Liste ihrer missglückten Auslandsgeschäfte ist fast so lang wie eine Hochspannungsleitung quer durch Deutschland. Trotzdem suchen die beiden Energiekonzerne Eon und RWE immer noch und schon wieder ihr Glück jenseits unserer Grenzen.

Beispiel RWE: In der letzten Woche verkündete der Chef des zweitgrößten Versorgers, Peter Terium, endlich mal wieder eine positive Nachricht. Das operative Ergebnis der Windkrafttochter Innogy hat sich 2015 offenbar verdoppelt – auf rund 400 Millionen Euro. Nach Verlusten, Abschreibungen, Stilllegungen und anderen Desastern endlich mal wieder ein Lichtblick für die RWE-Aktionäre, die innerhalb von nur drei Jahren fast 65 Prozent ihres Eigentums verloren haben. Doch was will Terium mit dem Geld machen? Es zu einem großen Teil im Ausland investieren. RWE prüft nach verschiedenen Zeitungsmeldungen den Einstieg in Irland, den USA, Nordafrika und dem Nahen Osten.

Nicht viel anders Eon. Die gescheiterten Auslandsengagements der Vergangenheit verklappte der Konzern zum Großteil in seiner abgespaltenen Tochter Uniper. Nun fühlt man sich bei Eon bereit, die Geschäfte mit erneuerbaren Energien gerade auch im Ausland auszubauen.

Sind Eon und RWE diesmal besser gerüstet?

Die Gründe, sich selbst äußerst exotische und hoch riskante Märkte wie Nordafrika oder den Nahen Osten anzuschauen, liegen auf der Hand: In Deutschland und den angrenzenden Ländern können die Energiekonzerne in den nächsten Jahren nicht mehr so wachsen wie noch vor kurzem erhofft. Die Regierungen kappen die hohen Subventionen für Windkraft und Solarenergie – oder diskutieren zumindest darüber. Das Geschäft mit Endkunden, denen man beispielsweise intelligente Stromzähler verkaufen will, kommt bisher aus einer kleinen Nische nicht heraus. Und ganz andere Anbieter wie Apple oder Google drängen ausgerechnet auch noch auf diesen engen Markt.

Also bleibt nur die zweite Irrfahrt ins Ausland. Doch sind Eon und RWE dieses Mal besser dafür gerüstet als beim ersten Mal? Daran muss man leider zweifeln. Den Konzernen fehlen schlicht die richtigen Manager für die Expansion in ungemütliche Fernen. In kaum einer Branche grassiert die Inzucht so wie in den Energiekonzernen. Die meisten Top-Manager verbrachten ihre ganze bisherige Berufslaufbahn zwischen Kraftwerken und Überlandleitungen. Und auch was Auslandserfahrungen betrifft, rangieren die Unternehmen weit unter dem Durchschnitt der deutschen Industrie. In der Personalpolitik waren die Konzerne in den letzten Jahren, um es vorsichtig zu sagen, nicht besonders kreativ. So fehlt schlicht der richtige Unterbau für neue Geschäftsfelder.

Terium frohlockt: „Wir haben Wind in den Segeln“. Mag sein. Aber kennt der Mann auch die Untiefen und Riffe, die auf dem Weg zu seinen neuen Hoffnungsmärkten lauern?


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