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Die Überambitionen der Deutschen Bank

, Bernd Ziesemer

Deutschlands größtes Kreditinstitut nähert sich Schritt für Schritt der Normalität. Aber es bleibt noch viel zu tun. Von Bernd Ziesemer

Bernd Ziesemer © Martin Kess

Aufsichtsrat und Vorstand der Deutschen Bank haben die Hauptversammlung in der letzten Woche ehrbar überstanden. Bei aller Kritik, die sich die Manager anhören mussten, wehte doch so etwas wie die Hoffnung auf eine Rückkehr zur Normalität durch die Festhalle der Frankfurter Messe. Auch der Aktienkurs entwickelt sich seit der Kapitalerhöhung einigermaßen positiv. Für die letzten zwölf Monate konnten die Aktionäre immerhin ein Plus von 30 Prozent verbuchen. Das alles ist besser als nichts.

Allerdings zeigt ein Blick in das Zahlenwerk und die Strategie der Deutschen Bank auch, wieviel Wegstrecke das Kreditinstitut noch zurücklegen muss, bevor wirklich wieder von normalen Zuständen die Rede sein kann. Wichtige Weichenstellungen harren noch ihrer Umsetzung – zum Beispiel der Verkauf einer größeren Beteiligung am Asset Management oder die Reintegration der Postbank. Einige hochriskante Rechtsfälle schleppen sich noch dahin, auch wenn die Deutsche Bank schon viele (meist sehr teure) Vergleichsverfahren abschließen konnte. Vor allem aber hat das Institut bisher noch nicht über längere Zeiträume gezeigt, dass es nachhaltige Gewinne erwirtschaften kann. Ein gutes Quartal, wie das erste Vierteljahr 2017, macht noch keinen Sommer.

Aufräumarbeiten noch lange nicht beendet

Wenn man den Zustand der Deutschen Bank mit einer einzigen Kennziffer zusammenfassen soll, bietet sich das Verhältnis von Aktienkurs und Buchwert an. An der Börse kostet die Deutsche Bank gegenwärtig gerade mal ein gutes Drittel ihres inneren Bilanzwerts. Der Kapitalmarkt geht mit anderen Worten davon aus, dass weitere erhebliche Verluste und Risiken in den Büchern der Bank schlummern. Zum Vergleich: Der amerikanische Konkurrent JP Morgan weist ein Kurs-Buchwert-Verhältnis von 1,2 aus.

Die Deutsche Bank wird sich noch mindestens zwei Jahre damit beschäftigen müssen, ihre Geschäftspolitik neu zu strukturieren und ihre Bilanz aufzuräumen. Sie darf nicht in die Ambitionsfalle tappen – und frühzeitig nach außen Eindrücke erwecken, die sie im Inneren gar nicht befriedigen kann. Die PR-Abteilungen und das Marketing der Deutschen Bank schießen bereits wieder etwas über das Ziel hinaus. Der superehrgeizige und zuweilen etwas überambitionierte Kommunikationschef Jörg Eigendorf, früher ein hochgeachteter Journalist, möchte lieber heute als morgen einen Schlussstrich unter die Malaise der Vergangenheit setzen. Eine neue, ziemlich verkopfte Werbekampagne ist an den Start gegangen mit Hashtag und anderem Digitalklimbim. Die Bank muss aufpassen, dass sich nicht erneut eine Kluft auftut zwischen großen Sprüchen („Wir haben den Kulturwandel geschafft“) und der harten Wirklichkeit.

John Cryan, der Chef der Deutschen Bank, hält nicht viel von lauter Kommunikation. Er beschäftigt sich mit den Mühen der Ebene – und tut gut daran. Seine beiden ehrgeizigen Stellvertreter Marcus Schenck und Christian Sewing aber ticken anders. Man kann sich nur wünschen, dass Cryan noch eine Weile weiter aufräumt – und sein Zepter nicht zu früh an seine Nachfolger übergibt.


Bernd Ziesemer ist Capital-Kolumnist. Der Wirtschaftsjournalist war von 2002 bis 2010 Chefredakteur des Handelsblattes. Anschließend war er bis 2014 Geschäftsführer der Corporate-Publishing-Sparte des Verlags Hoffmann und Campe. Ziesemers Kolumne erscheint jeden Montag auf Capital.de. Hier können Sie ihm auf Twitter folgen.


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