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Die schlechten RWE‑Eigentümer

, Bernd Ziesemer

Die kommunalen Aktionäre des Energiekonzerns tragen gehörige Mitschuld an der Krise des Unternehmens. Von Bernd Ziesemer

Bernd Ziesemer © Martin Kess

Bernd Ziesemer ist Capital-Kolumnist. Der Wirtschaftsjournalist war von 2002 bis 2010 Chefredakteur des Handelsblattes. Anschließend war er bis 2014 Geschäftsführer der Corporate-Publishing-Sparte des Verlags Hoffmann und Campe. Ziesemers Kolumne erscheint jeden Montag auf Capital.de. Hier können Sie ihm auf Twitter folgen.


Sie besitzen nur ein knappes Viertel der Aktien, aber dominieren die Kapitalseite des Aufsichtsrats mit vier von zehn Vertretern: die kommunalen Aktionäre der RWE AG. Die Vertreter von nordrhein-westfälischen Städten und Landkreisen blockieren seit Jahren, meistens im Bündnis mit Teilen der Arbeitnehmerbank,  alle Entscheidungen, die ihnen nicht genehm sind. Das SPD-Parteibuch, das die allermeisten Damen und Herren dieses Stimmblocks in der Tasche trägt, hilft ungemein bei der schnellen Herstellung gemeinsamer Kampfpositionen. Natürlich gibt es innerhalb dieser Machtgruppe trotzdem unterschiedliche Positionen und interne Grabenkämpfe. Wenn es in der Vergangenheit aber hart auf hart ging, war man sich schnell einig.

Es entbehrt nicht der Komik, dass sich ausgerechnet die kommunalen Aktionäre gegenwärtig als Retter in der Not aufspielen. Sie versuchen seit Wochen, einen neuen Aufsichtsratschef aus ihrem Dunstkreis ins Amt heben. Letztlich aber geht es vor allem um den amtierenden Vorstandsvorsitzenden Peter Terium, den sie über kurz oder lang kippen und damit auch eine neue Strategie für den Konzern durchsetzen möchten. Seit Wochen tobt deshalb ein Machtkampf.

Im ersten Anlauf sind die kommunalen Aktionäre am vergangenen Freitag mit ihrem Versuch gescheitert, ihren Wunschkandidaten Werner Müller als neuen Aufsichtsratschef durchzusetzen. Aber bis zur RWE-Hauptversammlung im Frühjahr 2016 bleibt ja noch Zeit, den ehemaligen Bundeswirtschaftsminister doch noch aufs Tapet zu heben. Die  Auseinandersetzungen sind auf jeden Fall noch nicht zu Ende.

Unfaire Vorwürfe gegen Terium

Der jetzige RWE-Aufsichtsratschef Manfred Schneider liegt seit langem mit den kommunalen Aktionären über Kreuz, weil er ihnen eines ihrer  Mandate abnehmen möchte. Gemeinsam mit Terium drückte Schneider zudem eine Reform der bürokratischen Konzernstruktur durch, die den kommunalen Aktionären in den vergangenen Jahren erhebliche Pfründen und zusätzliche Einflussmöglichkeiten verschaffte, die Entscheidungsprozesse des angeschlagenen Konzerns aber gefährlich lähmt.

Die kommunalen Aktionäre setzen bei ihren Personalcharaden auf das kurze Gedächtnis der Öffentlichkeit. Schließlich waren sie schon einmal damit erfolgreich, ihnen genehme Personen an die Spitze der RWE AG zu setzen. Sowohl der frühere Aufsichtsratschef Thomas Fischer als auch der Terium-Vorgänger Jürgen Großmann fuhren auf ihrem Ticket. Im Bündnis mit der nordrhein-westfälischen Landesregierung drückten sie damals zwei Männer durch, die ein Desaster im Konzern hinterließen. Aufsichtsratschef Fischer fehlte die Statur, den damaligen Konzernchef Großmann zu bremsen, der sich immer mehr für Atom- und Kohlekraftwerke verkämpfte. Als Schneider schließlich Fischer ablöste und einen Nachfolger für Großmann suchte, wollten die kommunalen Aktionäre „ihren“ Mann Rolf Martin Schmitz als Garanten des  Status quo durchsetzen. Stattdessen kam der Niederländer Terium.

Man kann sich darüber streiten, ob der jetzige Vorstandschef bei RWE bisher eine glückliche Hand bewiesen hat. Ein Rezept gegen die Krise und den stetigen Kursverfall der Aktie hat Terium noch nicht gefunden. Ihn jetzt jedoch als „reinen Controller“ abzumeiern, wie es die kommunalen Aktionäre hinter den Kulissen versuchen, ist unfair. Schließlich kämpft der Rivale Eon mit genau den gleichen Problemen wie RWE und schlägt sich zum Teil noch schlechter. Gerade ist der Versuch von Eon-Chef Johannes Teyssen krachend und auf ganzer Linie gescheitert, sich der Verantwortung für die Atomkraftwerke des Konzerns zu entledigen.

Terium schraubt stattdessen an vielen kleinen Schrauben, um RWE aus der Krise zu bringen. Der große Wurf fehlt – aber von den kommunalen Aktionären und ihren Kandidaten darf man ihn getrost auch nicht erwarten. Sie haben sich in der Vergangenheit als außerordentlich schlechte Eigentümer erwiesen und zeigen keine Anstalten, daran etwas zu ändern. 


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