• Facebook
  • Twitter
  • Google Plus
  • Kolumne

Die Sandburgen der Bosse

, Bernd Ziesemer

Immer mehr Konzerne leisten sich teure Repräsentanzen in Berlin. Selten wurde das Geld der Aktionäre so sinnlos verpulvert. Von Bernd Ziesemer

Bernd Ziesemer © Martin Kess

Bernd Ziesemer ist Capital-Kolumnist. Der Wirtschaftsjournalist war von 2002 bis 2010 Chefredakteur des Handelsblattes. Anschließend war er bis 2014 Geschäftsführer der Corporate-Publishing-Sparte des Verlags Hoffmann und Campe. Ziesemers Kolumne erscheint jeden Montag auf Capital.de. Hier können Sie ihm auf Twitter folgen.


Seit acht Jahren zahlt die Commerzbank keine Dividende an ihre Eigentümer, ihre Mitarbeiter leiden unter einer endlosen Kette von Entlassungswellen – und der Steuerzahler wartet auf die Milliarden Euro an Staatshilfe, die immer noch in dem Kreditinstitut stecken. Trotzdem leistet sich die Bank in Berlin die teuerste Immobilie der Stadt: eine Konzern-Repräsentanz Schulter an Schulter mit dem Brandenburger Tor.

Fast jeder Konzern, der etwas gelten will, schmückt sich inzwischen mit teuersten Prachtbauten in der Bundeshauptstadt. Die Deutsche Bank bevölkert Unter den Linden ein ganzes Karree, die Telekom domiziliert in der Nähe des Auswärtigen Amts, die Allianz schräg gegenüber vom Brandenburger Tor.

Das jüngste Beispiel: Siemens. Der Münchner Elektrokonzern will einen Neubau im Bezirk Mitte hochziehen, auf einem Filetstück direkt gegenüber vom Pergamonmuseum. Das denkmalgeschützte Ensemble des Magnus-Hauses, eines der ältesten und wertvollsten Barock-Palais in der Stadt, würde darunter massiv leiden. Deshalb laufen große Teile der Berliner Öffentlichkeit gegen den Bauplan Sturm. Der Konzern gibt also nicht nur viel Geld aus, sondern schädigt seinen Ruf. Von den Siemens-Aktionären war allerdings bisher kein kritisches Wort in dieser Sache zu vernehmen.

seltsame Geisteshaltung deutscher Manager

Gibt es sachliche Gründe für solche Protzbauten? Nicht viele. Sie dienen fast ausschließlich der Bespaßung der politischen Klasse in Berlin, Kunden verirren sich nach wie vor nur selten in die Bundeshauptstadt. Um den Betrieb der teuren Anlagen zu rechtfertigen, finden alle möglichen Veranstaltungen in den Repräsentanzen statt. Oft organisiert von Institutionen, die über keinerlei innere Verbindung zu den jeweiligen Konzernen verfügen. Inzwischen gibt es in Berlin so viele Räume für öffentliche Tagungen, dass ein regelrechter Wettstreit zwischen den Repräsentanzen entstanden ist, wer am meisten Publikum anlockt. Dass es auch bescheidener geht, zeigt dagegen ein Unternehmen wie die BASF. Der größte deutsche Chemiekonzern residiert im ersten Stock eines normalen Bürohauses am Gendarmenmarkt.

Sicherlich kann man die laufenden Ausgaben für die Repräsentanzen als Peanuts abtun in Konzernen, die jedes Jahr viele Milliarden Euro Umsatz machen. Viele Bauten entstanden schon in den ersten Jahren nach der Wende in der Euphorie der Wiedervereinigung, so dass die Baukosten längst vergessen sind. Und doch spricht es für eine seltsame Geisteshaltung deutscher Manager, wenn sie wie etwa Siemens gerade große Kostensenkungsprogramme fahren, gleichzeitig aber einen neuen Nobelbau in Berlin planen. Viele Chefs fühlen sich persönlich als Bauherren, als ob es ihr eigenes Geld wäre, das sie verplanen – und nicht das ihrer Aktionäre.

Oft kommt die Hybris kurz vor dem Fall: Der Bau der neuen Kölner Firmenzentrale („Das Juwel von Deutz“) war das absolute Lieblingsprojekt von Lanxess-Chef Axel Heitmann. Nicht einmal ein halbes Jahr später musste der Vorstandsvorsitzende gehen.

Hier geht es zur letzten Kolumne von Bernd Ziesemer: Aufsichtsräte als Abnicker


Artikel zum Thema
Autor
  • Kolumne
Linde gegen Bayer

Gleich zwei Dax-30-Konzerne stecken gleichzeitig mitten in einem Übernahmekampf. Wer verfolgt die bessere Strategie? Von Bernd ZiesemerMEHR

  • Kolumne
Permanente Reorganisation

Thyssen-Krupp, Commerzbank, Bilfinger - viele Konzerne kommen aus dem Umbau gar nicht mehr heraus. Von Bernd ZiesemerMEHR

LESERKOMMENTARE

 

Kommentare Einblenden

Datenschutz

Die Kommentarfunktion "Disqus" wird von der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.

Moderation

Die Kommentare werden von Capital moderiert. Das heißt, Kommentare werden von der Redaktion freigeschaltet. Kritik und auch in der Sache harte Diskussionen sind willkommen, Beleidigungen werden wir dagegen nicht zulassen. Näheres hierzu finden Sie in unserer Netiquette.