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Die Platzpatronen der EZB

, Markus Koch

Wenn ein Mittel nicht wirkt, nützt eine höhere Dosierung nichts. Die EZB-Beschlüsse werden nur die Schwankungen verstärken. Von Markus Koch

Markus Koch © Bild: Dirk Eusterbrock
Markus Koch

Markus Koch ist ein deutscher Fernsehjournalist. Er ist vor allem für seine Berichterstattung und Kommentierung des Marktgeschehens von der Wall Street beim Nachrichtensender N-TV bekannt.


Manchmal muss man mal eine Nacht darüber schlafen. Mario Draghi’s Bazooka ging in alle nur erdenklichen Richtungen los, mit einer atemberaubenden Volatilität. An der Wall Street scheint man zudem der Meinung zu sein, dass es sich um Platzpatronen handelt.

Mein Fazit? Die EZB stimuliert im Grunde nur noch die massiven Schwankungen am Kapitalmarkt.

Für mich stellt sich nicht die Frage ob Mario Draghi am Donnerstag die Erwartungen des Marktes eingehalten oder übertroffen hat. Viel wichtiger ist die Tatsache, dass man mit einer höheren Dosierung des gleichen fragwürdigen Medikaments keinen neuen Weg einschlägt. Die EZB bezahlt nun die Banken dafür, Kredite zu vergeben. Aber Banken vergeben letztendlich nur dann mehr Kredite, wenn die Bonität des Kunden stimmt – und auch die Rendite. Mario, wake up and smell the Coffee!

Zudem gräbt sich die EZB durch die Zinssenkungen weiter in ein bereits sehr tiefes Grab. Sollten sie die Zinsen jemals wieder anheben, wird dies ohne massive Turbulenzen am Kapitalmarkt kaum mehr möglich sein.

Verbraucher werden verunsichert

 Ich kenne niemanden an der Wall Street, der diese Entwicklungen unproblematisch findet. Die bereits dünne Liquidität wird infolge der EZB fortan noch dünner werden – wodurch die Schwankungen noch stärker werden. Risiken werden nicht mehr ausreichend durch Renditen belohnt. Was vor allem bleibt, ist das Downside-Risiko.

Die Geldpolitik, insbesondere die quantitative Lockerung, dient vor allem als Stütze und Stimulus für Kapitalmarkt und Vermögenswerte. Sie sorgt aber weniger dafür, die Investitionsbereitschaft der Unternehmen oder die Konsumfreude der Verbraucher zu stimulieren. Die Notenbank scheint nicht zu erkennen, dass die Ziele eines Kreditnehmers und eines Kreditgebers fundamental unterschiedlich sind.

Negative Zinsen machen Cash nur etwas weniger attraktiv, und fachen die Konsum- und Investitionslaune nicht etwa an. Das Gegenteil ist der Fall. Verbraucher werden durch diese Entwicklung (zu Recht) verunsichert, sparen mehr und konsumieren weniger. Unternehmen haben wiederum die Wahl entweder in einem flauen Nachfrageumfeld viele Milliarden in Fabriken zu stecken oder das Geld stattdessen in Aktienrückkäufe und Dividenden zu investieren. Warum nicht diesen Weg einschlagen, wenn die Zentralbanken Vermögenswerte durch ihre Politik stützt? Wie dem auch sei, in diesem Fall profitieren zwar die Wall Street und die Inhaber von Aktien, aber weniger die breite Wirtschaft und die Bevölkerung.

Eine neue Geldpolitik sollte dafür sorgen, dass der Stimulus nicht auf Anleger und Sparer abzielt sondern die Konsumfreude und die Investitionsbereitschaft stimuliert. Letztendlich ist die Fiskalpolitik gefordert und Defizite sollten - sorry to say - durch die Notenbanken monetarisiert werden.


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