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Die neue BASF

, Bernd Ziesemer

Der größte Chemiekonzern der Welt steht vor schwierigeren Herausforderungen als die meisten Industriegiganten. Von Bernd Ziesemer

Bernd Ziesemer © Martin Kess

Bernd Ziesemer ist Capital-Kolumnist. Der Wirtschaftsjournalist war von 2002 bis 2010 Chefredakteur des Handelsblattes. Anschließend war er bis 2014 Geschäftsführer der Corporate-Publishing-Sparte des Verlags Hoffmann und Campe. Ziesemers Kolumne erscheint jeden Montag auf Capital.de. Hier können Sie ihm auf Twitter folgen.


Ein leichtes Umsatzwachstum, stabile Gewinne und ein undramatischer Ausblick auf den Rest des Jahres – auf den ersten Blick sehen die jüngsten Quartalszahlen der BASF nicht schlecht aus. Doch hinter den Globalzahlen verbergen sich heftige Verwerfungen in den verschiedenen Geschäftsbereichen des Ludwigshafener Traditionskonzerns. Vier von fünf Segmenten melden rückläufige operative Ergebnisse – teilweise brechen sie gegenüber Vorjahr regelrecht ein. Gerettet wird die Gesamtleistung des größten Chemiekonzerns der Welt durch einen einzigen Geschäftsbereich, der seine Gewinne um 30 Prozent steigert: „Functional Materials and Solutions“.

Hinter dem englischen Begriff verbergen sich sehr unterschiedliche Chemikalien für sehr spezielle Einzelanwendungen in der Auto- und Bauindustrie, aber auch in der Verpackungs- und Konsumgüterbranche. Ein Beispiel von vielen: neue feuerunempfindliche Isolationsmaterialien für den Hausbau. Mit den traditionellen Stärken der BASF haben die neuen Gewinntreiber relativ wenig zu tun. Lange Zeit galt das „Verbundprinzip“ – die hocheffiziente Erzeugung von Massenchemikalien in den besten Großanlagen der Welt – als die Formel für den Erfolg. Die BASF war eher Kosten- als Innovationsführer in der globalen Chemiebranche. Und was über Jahrzehnte im Stammwerk Ludwigshafen funktionierte, transplantierte der Konzern erfolgreich nach China und in die USA.

BASF muss sich neu erfinden

Zwar wird sich der Konzern nicht von seinen Wurzeln trennen, aber man kann die Prognose wagen: die Gewichte im Konzern verschieben sich in Richtung Innovation. Sie müssen sich auch verschieben – denn die Konkurrenz wächst. Asiatische Konzerne liefern heute viele Produkte genauso zuverlässig und vielfach billiger als die BASF. Teilweise haben sich die Deutschen ihre Wettbewerber durch großangelegte Kooperationen sogar selbst herangezogen – zum Beispiel in China. Auf der alten Erfolgsspur lassen sich deshalb nur noch schwer neue Erfolge einfahren. Die BASF muss sich in den nächsten Jahren stärker wandeln als vielleicht viele andere Dax-30-Konzerne in Deutschland.

Die Geschäfte des Unternehmens, das gerade seinen 150. Geburtstag feierte, sind viel zu unterschiedlich für einen einzigen großen Wurf. Neben einzelnen Chemiebereichen macht das Segment Öl und Gas durch nachhaltig niedrigere Weltmarktpreise Sorgen. Lange Zeit galt in der BASF eine bequeme Faustformel: Bei niedrigen Ölpreisen profitieren wir in der Chemie, bei hohen Ölpreisen verbuchen wir höhere Gewinne im Rohstoffbereich selbst. Die Zahlenwerke der letzten Jahre zeigen: die Rechnung funktioniert nicht mehr so reibungslos wie früher. Der Versuch, sich von einzelnen Aktiva im Segment Öl und Gas zu trennen, scheiterte jedoch an der geopolitischen Lage: Die guten alten Geschäftsverbindungen mit Russland sind eher zu einer Belastung geworden, seit sich Wladimir Putin immer stärker zum Unsicherheitsfaktor in den internationalen Beziehungen entwickelt.

Auf den Vorstand der BASF kommt viel Arbeit zu, in den nächsten Jahren einen neuen Konzern zu formen. Vielleicht hat sich deshalb Aufsichtsratschef Jürgen Hambrecht dazu entschlossen, dem Führungsduo des Vorstands schon jetzt Verträge für weitere fünf Jahre in die Hand zu drücken: BASF-Chef Kurt Bock und sein Stellvertreter Martin Brudermüller müssen den Wandel gemeinsam angehen, auch wenn sie von vielen Beobachtern immer wieder als Rivalen beschrieben werden. Als „Chief Technology Officer“ muss der frühere Asien-Chef Brudermüller die vielleicht schwerste Aufgabe schultern: die BASF noch innovativer zu machen und damit weniger abhängiger vom Preiskampf bei Massenchemikalien. 

Hier geht es zur letzten Kolumne von Bernd Ziesemer: Die Wegseher der Deutschen Bank


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