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  • Kolumne

Die Lehre aus Prokon

, Christian Schütte

Grüne Investments werden vom Staat gehätschelt und gefördert. Vielen Kleinanlegern gibt das ein völlig falsches Gefühl von Sicherheit. Es ist höchste Zeit für mehr Skepsis. Von Christian Schütte

Christian Schütte © Trevor Good
Christian Schütte schreibt an dieser Stelle über Ökonomie und Politik

Was aus Prokon einmal wird, ist noch völlig unklar. Aber wenn es um die Lehren aus dem  Fall geht, zeichnen sich schon jetzt zwei große Argumentationslinien ab: Die Verbraucherschützer fordern besseren Verbraucherschutz. Abgeklärte Finanzleute zitieren kühl den Satz, dass es Rendite eben immer nur mit Risiko gibt; die Prokon-Anleger hätten also gewarnt sein müssen.

Wirklich überzeugend sind beide Punkte nicht. Denn sie lassen einen entscheidenden Faktor bei dieser Affäre außer Acht: Grüne Investments, wie sie Prokon so erfolgreich vermarktet hat, genießen in Deutschland bislang eine Art politische Generalgarantie. Der Staat selbst animiert die Bürger, hier in fast blindem Grundvertrauen ihr Geld anzulegen. So lange sich das nicht ändert und so lange grüne Investments nicht genau so nüchtern diskutiert werden wie andere auch, so lange wird noch manches kleine Vermögen den Prokon-Weg hinunter gehen.

Warnungen hat es gegeben

Capital 07/2012
Capital warnte bereits im Juli 2012 vor den Risiken

Dass den Verbrauchern die Hilfe gefehlt hat, lässt sich im Fall Prokon beim besten Willen nicht behaupten. Zahlreiche Medien – früh auch Capital – haben laute Zweifel am Geschäftsmodell angemeldet. Wer sein Geld auch nur halbwegs informiert anlegt, der musste diese Kritik seit Längerem kennen.

Die echten Prokon-Fans sehen in den Berichten aber bis heute nur den Beleg für eine große Verschwörung gegen „ihr“ Unternehmen. Diesen Anlegern fehlt es nicht an Information – sie entscheiden sich bewusst und zum Teil mit Stolz dafür, Warnungen zu verwerfen. Das ist ihr gutes Recht. Aber sie müssen dann eben auch die Folgen tragen. Zusätzlicher Verbraucherschutz hilft da gar nichts.

Mehr als ein müdes Achselzucken verdient die ganze Sache allerdings doch. Die glänzenden – und sehr teuer beworbenen - Prokon-Versprechen mussten zwar gleich stutzig machen. Grundsätzlich absurd waren sie aber nicht. Denn das Geschäft mit den Erneuerbaren Energien ist bekanntermaßen kein Geschäft wie jedes andere. Weil hier üppige Subventionen fließen, gibt es durchaus Investoren, die bei minimalem Risiko eine sichere Rendite erzielen, von der an normalen Märkten nur geträumt werden kann. 

Politiker sämtlicher Bundestagsparteien rühmen sich bei jeder Gelegenheit, welche großen Erfolge dadurch bei der Energiewende erzielt werden. Und stricken selbst eifrig mit an dem Versprechen, dass grüne Geldanlage sicher und ertragreich zugleich ist.

Mit der Röttgen-Strategie ins Minus

Es ist jetzt fast genau vier Jahre her, da organisierte das Bundesumweltministerium gemeinsam mit Finanzdienstleistern sogar eine „Aktionswoche Klima und Finanzen“. Den deutschen Kleinanlegern wurden damals die Vorzüge grüner Geldanlage ganz offiziell nahegebracht: Mit einem Mix aus ökologischen Horrorszenarien und gutem Zureden („Setzen auch Sie bei Ihren Finanzen auf Klimaschutz. So ist Ihr Geld mehr wert“) – und mit der schönen Verheißung des damaligen Ministers Norbert Röttgen: „Investitionen in Klimaschutz und sichere Anlagerenditen (sind) kein Widerspruch mehr.“

Wäre Röttgen ein normaler Finanzberater, stünde er heute gegenüber vielen Kunden ziemlich dumm da. Nicht nur bei Prokon zittern ja die Anleger um ihr Geld. Die Solarindustrie hat Katastrophenjahre hinter sich, auch im Geschäft mit Offshore-Windparks gab es Milliardenverluste.

Während der DAX von Anfang 2010 bis heute um mehr als die Hälfte gestiegen ist, ging es für den kleinen grünen Bruder, den Ökodax, seither um mehr als 80 Prozent nach unten. Anders gesagt: Wer damals der Regierungsempfehlung gefolgt ist und 1000 Euro in den grünen Index gesteckt hat, der hat mit der „Röttgen-Strategie“ heute noch etwa 150 Euro im Depot. Wer einfach beim normalen Index blieb, hat rund 1500 – das Zehnfache.

Die Prokon-Zentrale in Itzehoe © dpa
Prokon-Zentrale in Itzehoe: Anleger müssen um ihr Geld bangen

Die deutsche Politik ist inzwischen tief in Wohl und Wehe der „grünen Wirtschaft“ verstrickt. Sie kann natürlich nichts für das jeweilige (Mis-)Management im Einzelfall, also auch nichts für Prokon. Aber sie hat sich moralisch für den gesamten Sektor verbürgt und sie entscheidet mit ihren Subventionen auch ganz unmittelbar über die dort erzielbaren Renditen.

Das gibt vielen Kleinanlegern leider ein höchst trügerisches Gefühl der Sicherheit. Was soll schon schiefgehen, wenn der starke Staat und das gute Gewissen immer irgendwie mit dabei sind?

Um diese gefährliche Vertrauensseligkeit zu ändern, reicht es nicht, jetzt wieder bloß „Verbraucherschutz!“ zu rufen oder „Gier frisst Hirn!“ zu seufzen. Es braucht eine klare Botschaft: Für Eure grünen Investments gelten leider dieselben harten Regeln wie für jede andere Form der Geldanlage auch.

Solide Skepsis vor dem Kauf ist deshalb keine unmoralische Miesmacherei. Sie ist notwendig und – auch politisch - erwünscht. 


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